FC Bayern München : Wie geht es weiter mit Uli Hoeneß?

Nach dem Urteil über Uli Hoeneß ist der FC Bayern München gefragt. Hoeneß ist Präsident des Vereins und Vorsitzender des Aufsichtsrats - noch.

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14. März 2014, 08:12 Uhr

München | Nach der Verurteilung von Steuersünder Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft sind nun die Gremien des FC Bayern am Zug. Für Freitag wird eine Stellungnahme von Club und Aufsichtsrat erwartet, wie es mit dem Vereins-Patron weitergeht. Hoeneß ist Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters und Vorsitzender des mit Wirtschaftsführern hochkarätig besetzten Kontrollgremiums. Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat des FC Bayern wollten noch am Donnerstag in kurzfristigen Beratungen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Bild-Zeitung hatte berichtetet, dass auch Hoeneß eine Pressekonferenz zu seiner Zukunft beim FC Bayern geben wolle. Das dementierte am Morgen Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick.

Am Donnerstag hatte das Münchner Landgericht den 62-Jährigen wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen schuldig gesprochen. Hoeneß hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten, wie Richter Rupert Heindl in seiner Urteilsbegründung erklärte. Hoeneß' Selbstanzeige sei unzureichend gewesen. Die Verteidigung kündigte Revision an, die Staatsanwaltschaft will ebenfalls Rechtsmittel prüfen.

Da das Urteil bis zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes noch nicht rechtskräftig ist, muss Hoeneß zumindest vorerst nicht ins Gefängnis. Der Haftbefehl aus dem Frühjahr 2013 bleibt weiter gegen eine Millionen-Kaution ausgesetzt. Damit könnte Hoeneß seinen FC Bayern auch weiter auf den Auslandsreisen in der Champions League begleiten. Doch kann er weiter an der Spitze des Clubs bleiben? 

Seit Jahrzehnten prägt der Patriarch vom Tegernsee den erfolgreichsten deutschen Fußballverein. Eigentlich wollte Hoeneß den Mitgliedern auf einer außerordentlichen Hauptversammlung nach dem Prozess die Vertrauensfrage stellen. Doch ob es nach diesem Urteil und den Enthüllungen über seine Steuerschulden in schwindelerregender Höhe tatsächlich dazu kommt, erscheint höchst fraglich. „Zeitnah“ wolle der FC Bayern informieren, hieß es am Donnerstag.

Zahlreiche Spitzenpolitiker bezeichneten das Urteil gegen Hoeneß als richtig. „Der Rechtsstaat funktioniert. Ich hoffe, dass wir jetzt im Kampf gegen Steuerhinterziehung eine neue Qualität erreichen“, sagte Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast (Grüne), befand: „Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden.“ 

Aus dem Fußball erhielt Hoeneß indes viel Zuspruch. „Die großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball bleiben unabhängig von diesem Prozess bestehen“, erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

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