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Warnung vor Rauchmelder-Kontrolle : Whatsapp-Nachricht zu falschen Feuerwehrleuten ist ein Fake

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Die Warnung ist wohl ein Jahr alt. Der Fake News-Experte Andre Wolf erklärt das Phänomen.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 12:54 Uhr

Viele Nutzer von Whatsapp bekommen derzeit eine gleichlautende Nachricht auf ihr Handy, die vor falschen Feuerwehrleuten warnt. Sie wollen angeblich Rauchmelder in Privatwohnungen kontrollieren, um so an Wertgegenstände zu gelangen. „Ähnliche Nachrichten waren schon vor mehr als einem Jahr im Umlauf“, erinnert sich Sönke Hinrichs, Pressesprecher der Polizeidirektion Neumünster. Aktuell kann er nur sagen: „Fälle dieser Art wurden der Kriminalpolizei in Rendsburg und Eckernförde nicht angezeigt.“

Jürgen Beyer, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Rendsburg-Eckernförde, hat eine derartige Nachricht auch erhalten – von seinen Söhnen und von seinem Bruder aus Niedersachsen. Dass die Warnung eine Fälschung sein muss, erkennt der Fachmann an einem kleinen Detail: „Rauchmelder sind in Schleswig-Holstein bereits seit dem 1. April 2005 für Neu- und Umbauten Pflicht“, erklärt er auf Nachfrage. In bestehende Bauten müssen die Geräte seit dem 31. Dezember 2010 montiert werden.

Woher sie kommt und was es mit ihr auf sich hat, das kann Andre Wolf erklären. Der Mitarbeiter der Webseite Mimikama, die sich mit Fake News im Internet befasst, kam in seiner Recherche ebenfalls zu dem Ergebnis, dass es sich um eine Meldung handelt, die bereits vor einem Jahr durch das Netz gegeistert ist.

Viele Nutzer von Whatsapp bekommen derzeit eine gleichlautende Nachricht auf ihr Handy, die vor falschen Feuerwehrleuten warnt.

Viele Nutzer von Whatsapp bekommen derzeit eine gleichlautende Nachricht auf ihr Handy, die vor falschen Feuerwehrleuten warnt.

Foto: Screenshot: Whatsapp/noz.de

Herr Wolf, wie erklären Sie sich, dass Warnungen, wie die Meldung von falschen Feuerwehrleuten, immer mal wieder auftauchen?

Andre Wolf: Zunächst einmal muss man sagen, dass es sich bei der Warnung um eine Vermischung von Teilwahrheit, Kettenbrief und Fakenews handelt. Es gibt die Betrugsmethode der falschen Feuerwehrleute, aber es ist kein Massenphänomen. Es tritt punktuell auf, aber nicht überall. Diese Nachrichten treten oft nach einem Jahr wieder auf. Das hängt damit zusammen, dass Nachrichten, die auf Facebook geteilt wurden, oft zum Jubiläum ihrer eigenen Erscheinung von Facebook wieder angezeigt werden. Dann werden sie wieder geteilt, weil die Leute nicht auf das Datum achten und helfen wollen. Von Facebook schwappt es in den Messenger und von da aus dann auf Whatsapp und schon tritt es eine Welle los.

Gibt es eine Vermutung, wer die Nachricht ursprünglich in die Welt gesetzt hat?

Irgendwo gab es wahrscheinlich einen entsprechenden Vorfall, die Geschichte hat also einen wahren Kern. Dabei ging es aber vermutlich um eine einzelne Warnung, die viral gegangen ist und die dann blind geteilt wurde.

Es handelt sich ja um einen vergleichsweise harmlosen Fall. Besser einmal zu viel gewarnt als zu wenig, oder?

In diesem Fall kann man das fast gelten lassen. Man muss sich aber bewusst sein, dass so auch Hysterie und Angst geschürt werden. Ein Beispiel sind die Horrorclowns, die im vergangenen Jahr durch das Netz und die Medien gegeistert sind und die gefühlt überall präsent waren. Weltweit gab es dagegen lediglich vier bis fünf reale Vorfälle. Oder denken Sie an die „Blue Whale Challenge“, ein angebliches Selbstmordspiel, vor dem überall gewarnt wurde und von dem sich am Ende rausgestellt hat, dass es gar nicht existiert.

Warum werden solche Warnmeldungen so schnell und so unreflektiert geteilt?

Jeder hat große Angst vor Einbrechern und davor, dass er bestohlen wird und alle wollen helfen. Das ist seit Jahren das Erfolgsrezept der Sendung „Aktenzeichen XY“...

Wie sollten sich Nutzer verhalten, wenn sie eine derartige Meldung aufs Handy bekommen?

Wenn man eine Warnung aufs Handy bekommt, sollte man zunächst einmal ruhig bleiben und sie nicht gleich teilen. Manchmal lohnt es sich, selbst bei Feuerwehr oder Polizei nachzufragen, was es damit auf sich hat.

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