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Blinkende Lichterketten : Wenn Weihnachtsbeleuchtung den Schlaf raubt

vom
Aus der Onlineredaktion

Lichterkettenterror im Nachbarsfenster: Durch den extravaganten Geschmack ihres Nachbarn sieht sich unsere Redakteurin Sarah Erichsen jede Nacht mit den Schattenseiten der Weihnachtsbeleuchtung konfrontiert.

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 21:18 Uhr

Flensburg | Bekanntlich begeht jeder die Adventszeit nach seiner Facon – ich zum Beispiel backe zwei, drei Kekse und zünde abends ein paar Kerzen an. Der Nachbar von gegenüber ist da nicht ganz so gelassen. Kaum war die Temperatur unter die magische Zehn-Grad-Grenze gefallen, wurde auf der anderen Straßenseite vorweihnachtlich aufgerüstet.

Herzstück der allzuweihnachtlichen Illumination ist eine opulente Lichterkette, die nicht nur in der Farbe, sondern auch im Blinke-Intervall scheinbar wahllos variiert. Am ersten Abend sah ich mir das Schauspiel noch belustigt an und diskutierte mit meinem Freund, inwiefern man dem Herrn eine geschmackliche Entgleisung vorwerfen könne. Das anfängliche Schmunzeln verschwand in der Nacht.

Um 1.15 Uhr wurde ich wach und glaubte einen Großeinsatz der Feuerwehr direkt vor meiner Wohnung. Nach dem ersten Schock war der Ursprung des blauen Lichts, das wild an der Schlafzimmerwand zuckte, schnell gefunden: Die Weihnachtsbeleuchtung war schuld. Inzwischen weiß ich, dass das Stroboskoblicht aus dem Nachbarfenster immer gegen 1 Uhr Nachts seinen periodischen Höhepunkt feiert.

Der seitdem täglich stattfindende Eingriff in meine Schlafhygiene fordert seinen Tribut: Als am Montag die Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone angeschaltet wurde, hing mir die gnadenbringende Weihnachtszeit bereits zum Halse heraus. Und zum ersten Mal seit meiner unsäglichen Pubertät wurde ich zum Grinch.

Doch wann sind die Grenzen der vorweihnachtlichen Lichtverschmutzung erreicht? Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund kennt die Antwort: „In der Regel ist Weihnachtsbeleuchtung – und sei sie noch so grell – erlaubt. Schwierig wird es dann, wenn sich Nachbarn durch blinkende oder helle Lichter in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Grundsätzlich gilt: Ab 22 Uhr sollte das Licht runtergefahren werden.“

Als schlafloses Opfer des Lichterterrors rät er mir im Sinne der guten Nachbarschaft allem voran das Gespräch mit meinem strahlenden Gegenüber zu suchen. Sollte dieser wider erwarten auf der nächtlichen Beleuchtung bestehen, wären im nächsten Schritt das Ordnungsamt oder – außerhalb der Sprechzeiten – die Polizei mein Ansprechpartner. Es soll bereits Fälle gegeben haben, in denen ein Rechtsstreit nicht zu vermeiden war.

Aufgrund überbordender Nächstenliebe und der anstehenden besinnlichen Vorweihnachtszeit werde ich von einem Rechtsstreit erst einmal absehen und – nach über fünf Jahren – die Anschaffung von Rolläden noch einmal in Betracht ziehen.

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