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Online-Handel : Wenn die Post unbestellte Ware bringt

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Manche Verbraucher, die sich im Internet nur über Produkte informiert haben, bekommen Ware und Rechnung – die Fälle häufen sich.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2014 | 19:05 Uhr

Wenn der Paketservice einen neuen Flachbildfernseher liefert oder ein Paar modische Stiefel, ist die Freude meist groß, denn der Kunde hat schon sehnlich auf die Lieferung gewartet. Doch das ist nicht immer der Fall, wie das Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland meldet. Dort mehren sich Beschwerden von Verbrauchern, die nach dem Surfen im Internet nicht nur unbestellt Waren geliefert bekommen, sondern gleich auch noch Rechnung, Mahnschreiben und sogar kostenträchtige Drohbriefe von Inkassounternehmen. Offenkundig geschieht das mit Methode. „Deshalb sollten Verbraucher die Rechtslage kennen und wissen, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten sollen“, erklärt EvZ-Sprecher Peter Juhani Koop.

„Die meisten Fälle drehen sich darum, dass Verbraucher sich eigentlich nur über Produkte eines Anbieters erkundigen wollten, ohne dabei eine Bestellung aufzugeben“, so Koop. Jedenfalls erhielten sie weder eine elektronische beziehungsweise schriftliche Auftragsbestätigung, noch eine Belehrung über ihr gesetzliches Widerrufsrecht, so wie es das Gesetz verlangt. Umso überraschter waren sie, als sie kurze Zeit später ein Paket sowie eine Rechnung des Anbieters erhielten. Da die Verbraucher überhaupt keine Bestellungen aufgegeben hatten, nahmen sie die Ware nicht an. Wenige Wochen später erhielten sie plötzlich die Mahnung eines Inkassobüros mit Sitz in Deutschland. Die Rechnungssumme hatte sich zwischenzeitlich annähernd verdreifacht.

Probleme gab es vor allem für diejenigen Verbraucher, die durch Nichtannahme der Ware von ihrem gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen wollten, berichtet die EvZ. Vorwand des Anbieters: Die Ware hätte an eine spezielle Rücksendeadresse versendet werden müssen, die allerdings nicht auf der Seite angegeben war. Dies war um so irreführender, da zumindest in einigen der dem EvZ geschilderten Fälle die Verbraucher zuvor den Anbieter telefonisch kontaktiert und um Stornierung ihrer Bestellung gebeten hatten. Daraufhin erhielten sie von ihm die Auskunft, das Paket einfach nicht anzunehmen. „Häufig lassen unseriöse Anbieter die Verbraucher über ihren tatsächlichen Geschäftssitz im Unklaren“, so Koop. „Dann kann es bei der Ausübung des gesetzlichen Widerrufsrechts schwierig werden“. Das gilt vor allem auch, wenn der Anbieter im Impressum eine europäische Adresse angibt, sein Unwesen jedoch von außerhalb der EU treibt.

In all diesen Fällen rät Koop:

>  Bewahren Sie die Ruhe, und lassen Sie sich nicht in die Irre führen!

> Auch wenn ein Inkassounternehmens eingeschaltet worden ist, bedeutet dies keineswegs, dass die geltend gemachte Forderung berechtigt ist. Hierüber entscheiden letztlich immer nur die Gerichte. Letztere haben übrigens auch der Höhe von Inkassokosten deutliche Grenzen gesetzt: Sie dürfen nicht die Kosten für die Tätigkeit eines Rechtsanwalts überschreiten. Ohnehin dürfen Inkassokosten nur dann berechnet werden, wenn sich der Verbraucher mit der Zahlung in Verzug befindet.

> Vorsicht beim Widerruf durch die bloße Nichtannahme der Ware: Zwar hat das Amtsgericht Bautzen im Jahr 2007 entscheiden, dass man als Verbraucher durch Nichtannahme der Ware den Widerruf erklären kann. Allerdings muss man als Verbraucher im Streitfall beweisen, dass man den Widerruf erklärt und die Ware zurückgesendet hat. Das ist bei der Nichtannahme der Ware nicht ohne Weiteres möglich.

Um solchem Ärger von Vornherein aus dem Wege zu gehen, gilt für Verbraucher:

>Erkundigen Sie sich vor einer Bestellung im Internet nach Erfahrungen anderer Verbraucher über das Produkt und mit dem Anbieter.

> Werden Sie misstrauisch, wenn Sie zur Angabe Ihrer personenbezogenen Daten aufgefordert werden (Datensparsamkeit)

Übrigens: Ab dem 13.  Juni diesen Jahres  gelten europaweit neue Verbraucherrechte. Bei Bestellungen ab diesem Zeitpunkt muss ein Widerruf ausdrücklich erklärt werden, beispielsweise per E-Mail. Das Widerrufsrecht ist ausgeschlossen, wenn die Ware versiegelt ist und das Siegel aufgebrochen wird.

Info: www.eu-verbraucher.de/de/verbraucherthemen/schutz-der-kundendaten-in-der-eu/

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