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"Liebeslied" : Wenn der Alltag zur Zerreißprobe wird

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Dinah und Roger sind seit Jahren glücklich zusammen, mit zwei wohlgeratenen Kindern und einem erfüllten Leben. Doch als Roger an Parkinson erkrankt, bekommt die heile Welt Risse.

Christoph Schlingensief und Jürgen Leinemann haben von ihren Krankheiten erzählt. Judith Hermann schrieb über den Tod. Den Deutschen Buchpreis gab es für einen Roman über eine Frau, die einen Schlaganfall erlitten hat. Das Jahrzehnt geht nachdenklich und ernst zu Ende. In diese Stimmung passt "Liebeslied" mit Nicolette Krebitz und Jan Plewka. Darin geht es um eine junge Familie, die damit fertig werden muss, dass der Vater an Parkinson erkrankt.
Die Norwegerin Anne Høegh Krohn hat die Geschichte mit viel Musik kombiniert, so dass in dieser ZDF-Fernsehspielproduktion ein eigenwilliges Genre entsteht: ein Parkinson-Musikfilm. Roger (Plewka) und Dinah (Krebitz) haben zwei Kinder, wohnen in einer Doppelhaushälfte und führen ein bescheidenes, aber glückliches Leben. Er arbeitet auf dem Bau, sie als Kassiererin, abends gehen die beiden tanzen.
Was bedeutet Parkinson für eine Liebesbeziehung?
Roger verliert seinen Job, weil er zu sehr zittert. Seine Kollegen halten ihn für einen Trinker. Beim Arzt und bei der Untersuchung des Gehirns stellt sich heraus, dass Roger Parkinson hat, auch Schüttellähmung genannt. Unter der unheilbaren Krankheit leiden zwar meistens ältere Leute, man kann sie aber auch schon in jungen Jahren bekommen - wie Hollywoodstar Michael J. Fox. Zuerst verheimlicht Roger seine Krankheit. Dinah sieht durch einen Zufall an seinem Computer im Internet, was ihren Mann so verändert hat. Wie wird eine Familie damit fertig, wenn der Vater mitten auf der Straße einfriert, weil er sich nicht mehr bewegen kann? Was bedeutet Parkinson für eine Liebesbeziehung? Gegen Ende des Films hat die Familie es akzeptiert, dass Roger manchmal einfach erstarrt auf dem Boden liegen muss. Wie es weitergeht, lässt "Liebeslied" klugerweise offen.

Die Musik stammt von der Band Selig, die 1997 den Soundtrack zu "Knockin" On Heaven"s Door" einspielte und als deutsche Antwort auf die Grunge-Bewegung galt. Sänger Jan Plewka beeindruckt als Schauspieler. Nicolette Krebitz ("Das Herz ist ein dunkler Wald", "Jeans") darf wie vor zehn Jahren in "Bandits" ihre musikalische Ader ausleben. Spielszenen gehen in Musikszenen über, zum Teil auch in fantastische Welten. Nicht immer glückt dieser Wechsel überzeugend. Einfühlsam inszeniert und auf eine leise Art tröstlich ist dieser Film allemal.

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erstellt am 08.Dez.2009 | 04:25 Uhr

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