Zoff mit Modelabel : Wegen Werbefoto: Musiker The Weeknd beendet Zusammenarbeit mit H&M

Stein des Anstoßes: Ein Affen-Pulli.

Stein des Anstoßes: Ein Affen-Pulli.

Ein schwarzer Junge trägt einen Pullover mit der Aufschrift „Coolster Affe im Dschungel“. Der Musiker ist schockiert.

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09. Januar 2018, 08:46 Uhr

„Ich bin heute Morgen schockiert und beschämt aufgewacht, als ich dieses Foto gesehen habe. Ich fühle mich tief beleidigt und werde nicht mehr mit H&M arbeiten.“ Mit diesen Worten twitterte der kanadische R&B-Musiker mit äthiopischer Abstammung ein Werbefoto der schwedischen Modefirma Hennes und Mauritz (H&M). Darauf zu sehen ist ein schwarzer Junge mit einem grünen Pullover mit dem Aufdruck: „Coolster Affe im Dschungel“. Der Musiker hatte bei H&M seine eigenen Kollektionen herausgebracht und für die Kette gemodelt.

In Zeiten sozialer Netzwerke, wo Shitstorms an der Tagesordnung sind und nichts unentdeckt bleibt, spielt das Marketing des Modehauses mit dem Feuer. Doch unter dem Tweet von Weeknd sammeln sich nicht nur empörte, sondern auch kritische Nutzer. Mehr als 5000 Kommentare wurden binnen kürzester Zeit verfasst.

 

Einer schreibt: „Ja, es ist falsch. Aber hej, Firmen machen Fehler und ich bin mir relativ sicher, dass sie nicht darüber nachgedacht haben was es auslöst, als sie das veröffentlicht haben.“ Ein Nutzer schreibt: „Mein Lieber, ich glaube sie (H&M) wollten niemanden beleidigen. Ein schwarzer Junge kann das nicht tragen? Ehrlich, du solltest aufhören überall Rassismus zu sehen.“ „Wenn du etwas anderes als ein Kind in einem Pullover siehst, sind du und deine Konditionierung das Problem. Frag doch das Kind, was es denkt“, schreibt ein weiterer Twitterer.

 

Ex-Tennis-Star Boris Becker zeigte sich auf Twitter hingegen erbost. „Es hört nie auf... Wann fangen wir an, Farben zu respektieren!!!“ Der 50-Jährige hatte zuletzt AfD-Politiker Jens Maier angegriffen, nachdem auf dessen Twitter-Account Beckers Sohn Noah als „Halbneger“ beschimpft wurde. „Es ist Zeit, aufzustehen, den Finger zu heben und auf die Straße zu gehen. Hier und auf der ganzen Welt“, schrieb Becker in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“. Rassismus dürfe einfach nicht länger hingenommen werden.

 

Auch Charles M. Blow reagierte fassungslos auf den Pullover. „Habt ihr den Verstand verloren, H&M?“, twitterte der Kolumnist für die Zeitung „New York Times“.

 

Doch es gibt auch zahlreiche Unterstützer für die Entscheidung von Abel Makkonen Tesfaye, so der bürgerliche Name von Weeknd. Ein Nutzer schreibt: „Wir stehen hinter dir. H&M bekommt unser Geld nicht mehr.“ Und ein anderer meint: „Guter Zug, Bruder. All diese Weißen, die Schwarze diskriminieren sollten den Löwen im Zoo zum Fraß vorgeworfen werden.“

H&M reagierte auf den Shitstorm, entschuldigte sich und entfernte das Foto aus allen Kanälen. „Wir glauben bei allem, was wir machen, an Vielfalt und Inklusion und werden all unsere internen Strategien überprüfen, um künftige Probleme zu verhindern“, hieß es in einem Statement, aus dem mehrere Medien zitierten. Man werde das entsprechende Kleidungsstück weltweit aus dem Handel nehmen.

Der Pulli war Teil einer Safari-Kollektion und wurde im britischen Online-Shop angeboten. Andere Kleidungsstücke, etwa mit der Aufschrift „Überlebensexperte“, wurden von weißen Kindermodels präsentiert.

(mit dpa)

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