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EM 2016 in Frankreich : Wegen Kinder-Tragödie: Russland gegen Wales mit Trauerflor

vom

13 Kinder sterben bei einem Paddelausflug im Ferienlager, ein 14. wird vermisst. Russland sucht die Schuldigen der Tragödie.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 19:48 Uhr

Petrosawodsk/Moskau | Russlands Nationalspieler werden im EM-Spiel gegen Wales an diesem Montag (21 Uhr) Trauerflor tragen. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat die Trauerbekundung genehmigt, meldete die Agentur Tass etwa zwei Stunden vor dem Anpfiff. In der nordrussischen Teilrepublik Karelien war es am vergangenen Samstag zu einer Tragödie mit vielen ertrunkenen Kindern gekommen. Bei einer Ferienlager-Paddeltour waren die Boote bei Sturm und hohen Wellen gekentert und mindestens 13 Kinder ertrunken. Ein 14. Kind wurde noch vermisst.

Die Behörden suchen derweil mit aller Macht nach den Schuldigen. „Himmelschreiende Schlamperei und Unprofessionalität“ seien schuld an dem Unglück, sagte die Vorsitzende der zweiten russischen Parlamentskammer, Valentina Matwijenko, am Montag in Moskau. Die Polizei nahm fünf Verantwortliche und Betreuer des Ferienlagers am See Sjamosero in der Teilrepublik Karelien fest.

Knapp 50 Kinder und vier Betreuer hatten Samstagnacht trotz Sturmwarnung mit Kajaks und Gummiflößen eine Tour gemacht. Die Behörden schlossen die Einrichtung nahe der Grenze zu Finnland. Der Zivilschutz bereitete sich darauf vor, etwa 190 weitere Kinder aus dem Sommerlager nach Hause zu bringen. Auch andere Ferienlager sollten überprüft werden.

Das staatliche Ermittlungskomitee Russlands leitete zunächst ein Verfahren wegen Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften ein. Aber auch dem Verdacht korrupter Absprachen zwischen Veranstaltern und Behörden werde nachgegangen, sagte Sprecher Wladimir Markin. In dem Lager wurden ebenso wie in der karelischen Republikshauptstadt Petrosawodsk und in Moskauer Behörden Büros durchsucht und Papiere beschlagnahmt.

Der Verdacht besteht darin, dass Beamte gegen Schmiergeld ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnten. In der Hauptstadt Moskau sind die Sozialbehörden für die Verschickung von Kindern aus sozial schwachen Familien in das Lager „Park-Hotel“ verantwortlich. Die Einrichtung soll schon früher aufgefallen sein, weil sie überfüllt und die Betreuung schlecht war. Den festgenommenen Mitarbeitern drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

In Karelien und in der russischen Hauptstadt wehten die Fahnen am Montag auf halbmast. Familien, die ein Todesopfer zu beklagen haben, sollen umgerechnet knapp 14.000 Euro erhalten.

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