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Panorama

24. Oktober 2017 | 10:13 Uhr

Was wird aus dem Vollbart?

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Berlin (dpa) - Dichtes Haar hat sich zuletzt auf vielen Männergesichtern breit gemacht. In Zeiten der Unisex-Mode bietet es den Herren eine gute Möglichkeit, sich abzugrenzen. Doch was folgt auf den Vollbart?

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erstellt am 29.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Berlin (dpa) - Dichtes Haar hat sich zuletzt auf vielen Männergesichtern breit gemacht. In Zeiten der Unisex-Mode bietet es den Herren eine gute Möglichkeit, sich abzugrenzen. Doch was folgt auf den Vollbart?

Und dann war er ab: Ben Afflecks Oscar-Bart. Der Vollbart, den der Schauspieler in seinem Erfolgsfilm «Argo» trug und mit dem er den Preis entgegennahm. «Er hat auf jeden Fall ein Zeichen gesetzt, indem er bis zur Oscar-Verleihung Bart getragen hat», sagt Jürgen Burkhardt vom Bartclub «Belle Moustache». Doch hat Afflecks Rasur das Ende des Vollbarts eingeläutet - ist der Trend vorbei?

Klaus-Dieter Kaiser vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks meint, dass der Bart sich noch halten wird. «Er hat ein bisschen seinen Höhepunkt überschritten», sagt der Creative Director für die Männer. Aber: «Er ist immer noch da, es ist kein Trend, der komplett weg ist.»

Zahlreiche Bartträger können die Gesichtsbehaarung also noch ein bisschen länger behalten. Vom Studenten über den Fußballer bis zum Model hatten sich vor allem junge Männer einen Vollbart zugelegt. «Das Bewusstsein ist wieder da, dass man mit dem Bart ein Gesicht gestalten kann», findet Burkhardt.

Anders sieht es der Modeexperte und Buchautor Bernhard Roetzel - für ihn ist die Zeit des Vollbarts definitiv vorbei: «Für Leute, für die es wichtig ist, trendy zu sein, ist er passé», sagt er. «Bei jedem biederen Modehaus haben die Models einen Bart.» Dass viele Männer sich überhaupt den Bart wachsen ließen, liegt seiner Meinung nach an der Mode aus V-Ausschnitt, Röhrenjeans und Chucks, die sowohl Männer als auch Frauen tragen. «Das ist dann spannend, wann man den Kontrast Vollbart zu femininem Outfit hat.»

Bekannte Bartträger in Deutschland wie Wolfgang Thierse oder Mario Adorf gehörten lange Zeit der älteren Generation an. Auch US-Sexsymbol George Clooney - immerhin auch schon 51 - setzt schon seit längerem auf Bart. Starfriseur Udo Walz findet ihn auch mit Gesichtsbehaarung attraktiv. Und: «Alle Frauen, die ich kenne, werden bei ihm schwach», sagte er vor kurzem.

Für Kaiser ein Unding, gerade beim Vollbart sei ab 40 Schluss. «Ich finde, das ist was für junge Leute. Ein Vollbart macht fünf Jahre älter.» Auch die Absicht des Bartträgers passe dann nicht mehr: «Sie wollen anders sein, wollen schon das Lässige raushängen lassen.» Auf keinen Fall dürfe der Bart daher frisiert aussehen. «Ein Vollbart darf nicht so exakt arrangiert sein.»

Hat ein Mann keinen besonders dichten Bartwuchs an den Wangen, schlägt Burkhardt einen Schnurrbart als Alternative vor. In Berlin haben die Hipster den Schnauzer bereits für sich entdeckt: Beim Spaßwettkampf Hipster Winter Cup trugen die Szenegänger Jutebeutel, Röhrenjeans und Schnurrbart. «Der Schnurrbart kann nicht die Nachfolge antreten», findet jedoch Roetzel. «Das Kopfhaar bleibt weiterhin länger, aber nun ist Glattrasiertheit angesagt.»

Ob Bart ab oder Bart dran - heutzutage sei der Mann sowieso nicht mehr so festgelegt, findet Kaiser: «Früher hatte man den Vollbart lebenslänglich, heute ist das eine Tages- oder Monatsgeschichte.» Möglicherweise kommt daher bald das glatt rasierte Gesicht wieder zum Vorschein. Bei Affleck habe der Vollbart sowieso nicht gut ausgesehen: «Ben Affleck ist viel zu gebügelt dafür.»

Bart-Club auf Facebook

Zierde, Zeichen der Herrschaft oder Symbol der männlichen Kraft - seit Menschengedenken hat der Bart bei vielen Völkern eine besondere Rolle gespielt. Zahlen und Fakten:

- Beim Bartwuchs gibt es deutliche geographische Unterschiede: Wächst der Bart bei Europäern und Australiern vergleichsweise stark, ist der Wuchs bei Afrikanern und Asiaten bedeutend schwächer.

- Den längsten Bart aller Zeiten trug laut Guinness-Buch der Rekorde ein Norweger: Als Hans N. Langseth 1927 starb, hatte sein Bart die Rekordlänge von 5,33 Metern.

- In der Steinzeit dienten scharfkantige Feuersteine zur Abnahme und Pflege des Bartes.

- In der Metallzeit, also im Verlauf des 2. Jahrtausends vor Christus, gab es erste Rasiermesser. Der Haar- und Bartpflege dienten auch Pinzetten aus Bronze und Eisen.

- Als Erfinder des Trockenrasierers gilt der US-amerikanische Geschäftsmann Johann Bruecker. Das Prinzip ließ er sich 1915 patentieren.

- Ob Vollbart oder Spitzbart, Schnurrbart, Backenbart oder Knebelbart - die Barttracht unterliegt dem Wechsel der Mode. Immer wieder wurde auch das glatt rasierte Kinn bevorzugt - wie zum Beispiel in der römischen Kaiserzeit.

- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt in Deutschland der hochgezwirbelte Schnurrbart im Stil Kaiser Wilhelms II. als vorbildlich. Danach kam wieder die Bartlosigkeit in Mode.

(Quelle: Brockhaus Enzyklopädie; Leipzig, Mannheim 1996)

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