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Genickbrecher statt Giftköder : Was tun gegen Ratten? Neue Technik aus Dänemark soll helfen

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In Berlin wird ein Verfahren namens „Smart Trap“ getestet, in Marne läuft es bereits. Ratten werden dabei blitzschnell erschlagen.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2015 | 08:14 Uhr

Berlin | Den Ratten in der Hauptstadt geht es an den Kragen. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) testen derzeit Fallen, die den Nagern das Genick brechen. „Rund 4000 Tiere haben wir damit schon getötet“, sagt Sprecher Stephan Natz. Etwa zehn Fallen eines dänischen Herstellers sind seit Anfang des Jahres im Einsatz. Die Testphase läuft bis März 2016. Laut der Vertriebsfirma Anticimex testen auch andere Städte das Verfahren namens Smart Trap (intelligente Falle). In Schleswig-Holstein hat sich die Stadt Marne bereits für einen dauerhaften Einsatz entschieden. In der Regel kaufen die Kommunen die Fallen nicht, sondern mieten sie für 1200 bis 1500 Euro pro Jahr und Stück - inklusive Wartung.

Allein in Berlin soll es an die zwei Millionen Ratten geben. Sie können Krankheitserreger übertragen. Mit der neuen Falle werden die Tiere dort erwischt, wo sie sich sonst sicher fühlen: in der Kanalisation.

Die fest in der Kanalisation montierten Fallen funktionieren mit Sensoren, die Bewegung und Körperwärme registrieren. Wenn die Ratte unter eine Falle läuft, fahren 14 Kunststoffbolzen mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde aus und erschlagen das Tier binnen weniger Sekunden. „Anders als bei Giftködern müssen sich die Ratten nicht quälen“, sagt Vertriebsleiter Markus Gaßmann. Nach der Tötung werden die Bolzen wieder eingefahren und die Falle ist bereit für das nächste Tier. Jeder Einsatz wird automatisch gemeldet. Die Tötungsrate liegt demnach bei 100 Prozent.

Die Methode sei nicht nur tier-, sondern auch umweltfreundlicher, sagt Gaßmann. Schließlich könne man tonnenweise Rattengift sparen. Der Deutsche Tierschutzbund hat dennoch Bedenken. Bei allen technischen Mitteln ‎seien Fehlfunktionen möglich, die Leiden bei den betroffenen Tieren verursachen könnten, sagt Referentin Lea Schmitz.

Die Kanalisation ist laut BWB-Sprecher Stephan Natz ein bei Ratten beliebter Ort, um geschützt vor Feinden wie Autos, Krähen und Stadtfüchsen von A nach B zu gelangen. Anders als oft vermutet leben Ratten aber nicht in der Kanalisation, sondern eher auf Bahnhöfen, in Kellern, Parks oder Schulhöfen. Wie viele Ratten es in Berlin gibt, könne niemand genau sagen, sagt Natz. Nach Berechnungen seines Hauses könnten es um die zwei Millionen Tiere sein. Die verbreitete Schätzung, es gebe in Berlin mehr Ratten als Einwohner - etwa 3,5 Millionen -, ist damit wohl deutlich zu hoch angesetzt.

Die Wasserbetriebe seien verpflichtet, Schädlinge wie Ratten zu bekämpfen, sagt Natz. Das Unternehmen habe dazu auch speziell ausgebildete Mitarbeiter. Neben den derzeit getesteten Fallen seien nach wie vor Giftköder das Mittel der Wahl. Allein im vergangenen Jahr gaben die Wasserbetriebe über 800.000 Euro für die Schädlingsbekämpfung aus.

Ratten können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin (Lageso) zählen dazu unter anderem Salmonellen, die Durchfallerkrankungen auslösen können. Auch an der Ausbreitung von Tierseuchen (Schweinepest, Maul- und Klauenseuche) sind Ratten demnach häufig als Überträger beteiligt.

Nach einer 2011 in Kraft getretenen Verordnung sind Eigentümer von Immobilien verpflichtet, bei Rattenbefall Schädlingsbekämpfer zu beauftragen. Nach einer Statistik des Lageso wurden in Berlin 2014 etwa 7500 Einsätze gezählt und damit mehr als in den Jahren zuvor.

Aus Sicht des Tierschutzbunds gibt es keine Tötungsmethoden, die uneingeschränkt zu befürworten sind. „Daher muss der ‎Fokus immer auf Prävention gelegt werden“, sagt Lea Schmitz. So könne etwa das Nahrungsangebot reduziert oder die Nistmöglichkeiten eingeschränkt werden.‎ Essen finden Berliner Ratten bislang reichlich - sei es in offenen Mülltonnen oder achtlos weggeworfenem Döner.

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