Nach dem Urteil : Was Sie zum Fall Hoeneß jetzt wissen müssen

Das Gefängnis in Landsberg am Lech.
Das Gefängnis in Landsberg am Lech.

In welches Gefängnis muss er? Kommt er in offenen Vollzug? Wie viel Geld muss er zahlen? Fragen und Antworten.

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14. März 2014, 10:33 Uhr

Uli Hoeneß hat das Urteil akzeptiert, verzichtet auf das Rechtsmittel der Revision und gibt seine Ämter beim FC Bayern München auf. Was folgt daraus?

Muss Hoeneß jetzt sofort ins Gefängnis?

Nein. Der Haftbefehl bleibt ausgesetzt, auch wenn er auf Revision verzichtet. Voraussichtlich wird er in einigen Wochen ein Schreiben der Justizbehörden bekommen, das ihm einen spätesten Zeitpunkt nennt, zu dem er die Haft antreten muss. Möglich ist theoretisch auch noch, dass die Anklage in Revision geht. Die Entscheidung steht laut einem Sprecher noch aus.

Wie lange muss er tatsächlich ins Gefängnis?

Verurteilt wurde Hoeneß zu dreieinhalb Jahren. Diese Strafe akzeptiert er auch. Laut einer Faustformel kann eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn zwei Drittel abgesessen sind. Möglich ist auch der offene Vollzug, bei dem der Inhaftierte lediglich die Nächte in der Haftanstalt verbringen muss. Die Wochenende kann er ebenfalls außerhalb der Haftanstalt verbringen. Oft wird dies bei Ersttätern nach Hälfte der Haftzeit angewendet. Theoretisch ist aber auch offener Vollzug nach einer Prüfung von wenigen Wochen möglich. Dies entscheidet das Anstaltsteam und hängt von der Führung und Mitarbeit des Häftlings ab. Ein Rechtsanspruch besteht grundsätzlich nicht. Die ersten Monate wird Hoeneß aber im Gefängnis verbringen müssen. Traditionell legt Bayern strengere Maßstäbe an als etwa nördliche Bundesländer.

Sollte Hoeneß eine Anstellung, beispielsweise beim FC Bayern München bekommen, darf er tagsüber raus, um dort zu arbeiten. Dies dient der Resozialisierung. Eine Haftentlassung ist bei guter Führung bereits nach der Hälfte der verbüßten Strafe möglich. Das ist aber die absolute Ausnahme. Es ist damit zu rechnen, dass Hoeneß so nach zwei Jahren entlassen werden kann.

In welches Gefängnis muss Hoeneß?

Uli Hoeneß muss seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech absitzen. Dies hat Gerichtssprecherin Andrea Titz am Freitag in München unter Berufung auf den Vollstreckungsplan der bayerischen Justiz mitgeteilt. Es hat einen Ruf als relativ lockere Haftanstalt für Ersttäter. Landsberg ist berüchtigt, weil dort Adolf Hitler seine Haft verbrachte.

Bekommt Hoeneß eine Sonderbehandlung?

Nein. Uli Hoeneß kann im Gefängnis nicht auf Sonderbehandlungen aufgrund seiner Bekanntheit hoffen. „Im Gefängnis gibt es keinen Promibonus“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Deutschland, Anton Bachl.

Wie jeder Häftling wird er am ersten Tag entkleidet und von einem Arzt und einem Psychologen untersucht. Dann wird ein Vollzugsplan erstellt, in dem die Fähigkeiten und Eignungen des Häftlings festgehalten werden. Danach erhält er Gefängniskleidung.

Einen Anspruch auf eine Einzelzelle gibt es nicht. Ebenso sind Statussymbole wie teure Uhren oder Schmuck nicht erlaubt. Handys oder Smartphones sind nicht gestattet. Einen Fernseher kann der Gefangenen mitbringen oder sich leihen. Die Programme richten sich nach dem Angebot der Anstalt. Bezahlfernsehen, um sich die Champions League anzuschauen, ist nicht erlaubt.

Jeder Häftling in Bayern ist zudem zur Arbeit verpflichtet, außer es sprechen gesundheitliche Gründe dagegen oder der Häftling ist im Rentenalter. Dabei wird die Eignung des Gefangenen beachtet. Hoeneß ist Wurstfabrikant. Er könnte also in der Küche oder beim Anstaltsmetzger arbeiten, wenn die Justizvollzugsanstalt dies anbietet.

Wie viel Geld muss Uli Hoeneß zurückzahlen?

Er muss die hinterzogenen Steuern zurückzahlen. Zu den 28,5 Millionen Euro kommen Säumniszuschläge von sechs Prozent und Zinseszinsen sowie eine mögliche Strafzahlung. Überschlagsmäßig wird eine Summe zwischen 40 und 50 Millionen Euro genannt. Mit seiner Selbstanzeige hatte Hoeneß bereits 10 Millionen Euro überwiesen.

Wie kam es zu der hohen Steuerschuld?

Hoeneß jonglierte bei Devisen-Spekulationen ab Anfang des Jahrtausends für einige Jahre mit fast unvorstellbaren Summen. An einem einzigen Tag soll er einmal 18 Millionen Euro verzockt haben. 155 Millionen Euro hatte er als Höchstsumme auf seinem Schweizer Konto. Den Grundstock dafür bildeten 20 Millionen D-Mark, die er vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bekommen hatte. Die Gewinne von mehr als 130 Millionen Euro hätte Hoeneß versteuern müssen, auch wenn er später nur noch Verluste machte. Das hat er aber nicht getan.

Woher stammt das Vermögen von Hoeneß?

Sein Vermögen verdankt Hoeneß neben seiner Tätigkeit beim FC Bayern München auch der florierenden Wurstfabrik HoWe in Nürnberg, die er 1985 mit dem Metzgermeister Werner Weiß gründete. HoWe wird inzwischen von Hoeneß-Sohn Florian geleitet. Angaben zum Umsatz macht das Unternehmen nicht. Im Prozess wurde bekannt, dass Hoeneß in den Jahren 2001 bis 2009 persönliche Einkommen zwischen 6 und 11 Millionen Euro in seinen Steuererklärungen angegeben hatte.

 
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