Zum Vatertag 2015 : Was moderne Väter wollen

Das Vaterbild hat sich enorm gewandelt.
Das Vaterbild hat sich enorm gewandelt.

Das Rollenbild hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt: Vom Wochenend- zum Alltagspapa. Das hat Auswirkungen auf Familie und Beruf.

shz.de von
13. Mai 2015, 20:09 Uhr

Als die Wissenschaft dazukam, flog die Familie raus. Zumindest aus dem offiziellen Namen des Ministeriums. Zwar ist Ministerin Kristin Alheit (SPD) noch immer für die Belange der Familien in Schleswig-Holstein verantwortlich. Allerdings heißt ihr Ressort seit dem vergangenen Herbst nach zwei Wechseln im Kabinett und dem Neuzuschnitt der Ministerien mittlerweile „Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung“.

Die Familie. In den meisten Fällen bedeutet das: Vater, Mutter und Kind(er). In der Bundesregierung gibt es sogar extra ein Ministerium, das sich um Familien kümmert. Es wird von Manuela Schwesig (SPD) geführt. Sie ist Ministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Männer sind im Namen nicht zu finden. In der Bundespolitik gehören Väter anscheinend nicht zum Aufgabenbereich der Familienministerin.

Dabei hat sich das Vaterbild enorm gewandelt. Der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um die Kinder – diese Zeit ist vorbei. Der Trend geht vom Wochenend- zum Alltagsvater. Die neue Vätergeneration legt großen Wert darauf, von Anfang an die Entwicklung des Kindes aktiv zu begleiten. „Die klassische Rollenverteilung löst sich auf. Der moderne Vater nimmt genauso an der Erziehung teil wie die Mutter“, sagt Jürgen Meereis, Leiter des Osterberg-Instituts in Niederkleveez (Kreis Plön), das einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Familien legt.

Laut einer Forsa-Umfrage denken 58 Prozent der Väter in Deutschland, dass ihr Leben dank der Geburt ihres Kindes „glücklicher und erfüllter“ geworden sei. Bei einer Wahl würde man von der absoluten Mehrheit sprechen. Der Vater hat sich zum Generalisten entwickelt. Vorbei die Zeiten, als er sich noch darauf beschränkte, mit dem Kind herumzutollen und alle Unannehmlichkeiten der Mutter zu überlassen. Väter wickeln, spielen, kuscheln. Sie erziehen – und bleiben zusätzlich Vollzeit-Ernährer.

Der Vater, die eierlegende Wollmilchsau? „Eigentlich nicht mehr und nicht weniger als die Mütter“, sagt Thordis Reimer. Sie ist Soziologin an der Universität Hamburg und spezialisiert auf Familienwissenschaften. Väter seien allerdings in einer ambivalenten Situation. Und zwar zwischen dem Engagement für die Familie und dem Engagement für die Arbeit.

Väter wollen so viel Zeit wie möglich mit ihrem Nachwuchs verbringen. Doch von Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau kann man nach Meereis’ Ansicht noch nicht sprechen. Frauen mögen es im Berufsleben schwerer haben, für Männer gelte gleiches fürs Privatleben. „Wenn Frauen zwei Jahre Elternzeit nehmen, findet der Arbeitgeber das nicht unbedingt gut, aber es wird akzeptiert. Wenn ein Mann aber zwei Jahre Elternzeit beantragt, heißt es: ,Was ist denn das für einer? Hat der keine Lust zu arbeiten?’“

Seine Aussage wird von Daten der Unternehmensberatungen Peter Berger und A. T. Karney sowie der Charta der Vielfalt untermauert: 95 Prozent der Unternehmen sagen, dass familienbewusste Personalpolitik für sie eine wichtige Rolle spielt. 80 Prozent der Firmen, die sich engagieren, setzen dabei ausschließlich auf die Förderung von Frauen. 85 Prozent aller Männer sagen, dass Familienfreundlichkeit nicht gleich Väterfreundlichkeit ist.

„Noch immer haben manche Unternehmen nicht begriffen, dass es auch junge Väter zunehmend wichtig finden, genügend Zeit für die Familie zu haben“, sagt Ministerin Kristin Alheit. Das sei kurzfristig eine schlechte Nachricht für die betroffenen Arbeitnehmer. Langfristig sei es aber auch eine schlechte Nachricht für solche Unternehmen: „Die werden nämlich im Wettbewerb um Nachwuchskräfte zunehmend den Kürzeren ziehen, davon bin ich überzeugt.“

Eine fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für die Familienarbeit von Vätern sieht sie allerdings nicht. „Familienarbeit von Vätern ist heute schon viel stärker anerkannt als in der Vergangenheit.“ Auch, weil moderne Männer angefangen hätten Bedingungen einzufordern, die Familie und Beruf gut vereinbar machen. Insofern sei das sprichwörtliche Glas nicht „halb leer“, sondern „halb voll“.

Männer verstehen sich jedoch weiterhin als Ernährer der Familie. 89 Prozent der Väter arbeiten laut einer Forsa-Umfrage in Vollzeit, nur vier Prozent in Teilzeit. Veränderungen gehen sehr, sehr langsam. Dabei scheint die Sorge vor einem Karriereknick unter den Männern groß zu sein. Drei Viertel der Männer, die Elternzeit beantragt haben, nehmen lediglich die Mindestzeit von zwei Monaten. Mehr ist meist nicht drin. „Die Arbeitgeber erwarten, dass der Mann die Arbeit an erster Stelle sieht“, berichtet Familienwissenschaftlerin Reimer. „Zwei Monate Elternzeit werden akzeptiert. Darüber hinaus wird es schwierig.“

In Schleswig-Holstein haben nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die sich auf das Jahr 2012 beziehen, 24,3 Prozent der Väter Elternzeit genommen. Am häufigsten in Stormarn (31,1 Prozent), am wenigsten in Neumünster (11 Prozent). 2006 waren es nur etwa 3,5 Prozent. Alheit sieht dies als „guten Trend“.

Übrigens scheint die Ministerin in ihrem Ministeriumsnamen die Familie zu vermissen. Auf ihrer persönlichen Internetseite ist noch zu lesen: „Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung in Schleswig-Holstein.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen