Bunkerbrand als Ursache? : Warum sank die Titanic wirklich? Titanic-Verein bezweifelt neue Theorie

Es gibt neue Dokumente zur Ursache des Untergangs. Doch ein Experte aus der Nähe von Kiel bezweifelt deren Beweiskraft.

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04. Januar 2017, 13:31 Uhr

Eine neue Theorie zum Untergang der Titanic sorgt seit einigen Tagen für Aufsehen: Ohne einen Brand in einem der Kohlebunker hätte die Titanic den Zusammenstoß mit dem Eisberg wohl überstanden, behauptet der irische Journalist Senan Molony. Widerspruch erhält er jetzt von Titanic-Forschern aus Schleswig-Holstein und Österreich.

Seit dem Neujahrstag elektrisiert die Theorie Interessierte in aller Welt. Als Beweis legt Senan Molony ein zwischenzeitlich verschollenes Foto vor mit einem dunklen Fleck auf der Außenhülle. Er schließt daraus: Der Untergang war kein „Akt Gottes“, sondern beruht auch auf krimineller Fahrlässigkeit. Die Details finden Sie hier.

Die Außenwand der Titanic im Hafen von Belfast mit der Stelle, die Senan Molony als Beleg für seine These anführt. Das Foto wurde vom Chef-Elektroingenieur der Titanic aufgenommen und war lange verschollen.
„Titanic Unseen: Titanic and Her Contemporaries - Images from the Bell and Kempster Albums“, Senan Molony & Steve Raffield, History Press Limited, 2016

Die Außenwand der Titanic im Hafen von Belfast mit der Stelle, die Senan Molony als Beleg für seine These anführt. Das Foto wurde vom Chef-Elektroingenieur der Titanic aufgenommen und war lange verschollen.

„Ein Bunkerbrand kann eine Auswirkung auf den Untergang gehabt haben, aber das Foto ist kein Beweis“, sagt Malte Fiebing-Petersen aus Schwedeneck im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Er ist Vorsitzender des Deutschen Titanic-Vereins. Gemeinsam mit dem Maschinenbauingenieur und Vereinsmitglied Imre Karácsonyi aus Österreich legt er detaillierte Dokumente vor, die die beiden zu der Aussage bringen: „Ein Zusammenhang des mysteriösen Flecks mit dem Bunkerfeuer kann ausgeschlossen werden.“

Dabei schätzt Fiebing-Petersen Molony durchaus. Er kenne ihn sogar persönlich, da die Szene der Titanic-Experten überschaubar und gut vernetzt sei.

Die Außenhülle der „Titanic“ mit Markierungen von Imre Karácsonyi.
„Titanic Unseen: Titanic and Her Contemporaries - Images from the Bell and Kempster Albums“, Senan Molony & Steve Raffield, History Press Limited, 2016
Die Außenhülle der „Titanic“ mit Markierungen von Imre Karácsonyi.

Für seine Argumentation hat Karácsonyi das „Beweisfoto“ mit Markierungen versehen, um die Stelle des dunklen Flecks genauer zu lokalisieren. Das Bild zeigt den Fleck in grün, die Decks in gelb, Bullaugen in rot, Aussparungen für Taue in violett und das durch den Bunkerbrand laut Molony gefährdete Schott E links im Bild ebenfalls in grün.

Die Markierungen von der Außenhülle übertragen auf einen detaillierten Deckplan. Karte: Bruce Beveridge; Markierungen: Imre Karácsonyi
Die Markierungen von der Außenhülle übertragen auf einen detaillierten Deckplan. Karte: Bruce Beveridge; Markierungen: Imre Karácsonyi

Karácsonyi übertrug die Markierung auf einen Plan des britischen Titanic-Forschers Bruce Beveridge. Laut dem Titanic-Vereinsvorsitzenden Malte Fiebing-Petersen hat er die genauesten Titanic-Pläne erstellt, die es gibt.

Dort ist zu sehen, dass der „mysteriöse Fleck“ nicht bis Schott E reicht, sondern nur bis Schott D. „Der mysteriöse Fleck zieht sich von einem Laderaum der ersten Klasse bis über den Postladeraum. Ein Glühen des Stahls der Außenhaut an dieser Stelle, aus welchen Gründen auch immer, würde unmittelbar einen Großbrand in diesen Räumlichkeiten auslösen, da dort leicht entzündliche Materialien gelagert wurden“, schreibt Karácsonyi in einem Auszug aus einem Artikel, der in der Vereinszeitschrift „Der Navigator“ erscheinen soll und shz.de vorliegt. Auf der Innenseite des Flecks, das zeigt die Karte, hätten sich Ablagen für Gepäck und Behälter für Post befunden.

Deshalb, so die Schlussfolgerung, könne der auch zuvor schon bekannte Bunkerbrand zwar etwas mit dem Untergang der Titanic zu tun gehabt haben. Die deutschen und österreichischen Titanic-Experten schließen aber aus, dass das Foto ein schlüssiger Beleg für Molonys Behauptung sei.

Der „Deutsche Titanic-Verein von 1997 e.V“ ist nach eigenen Angaben mit knapp 450 Mitgliedern der zweitgrößte seiner Art weltweit gleich nach dem britischen. Die Mitglieder erforschen und dokumentieren alle Aspekte rund um die Titanic von der Technik über die gesellschaftlichen Aspekte des Untergangs bis zu Kleidung und Speisen an Bord. Im Juni soll in Köln das 20-jährige Bestehen gefeiert werden.

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