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Schadstoffe oder Überproduktion? : Warum H&M und Bestseller in Dänemark tonnenweise Kleidung verbrennen

vom
Aus der Onlineredaktion

Textilverbrennung ist bei Modeherstellern gängige Praxis. Die Erklärung von H&M klingt unglaubwürdig.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 16:41 Uhr

Roskilde | Die schwedische Modekette H&M und der dänische Textil-Gigant Bestseller (mit Marken wie Vero Moda, Jack & Jones, Selected und Only) verbrennen ungetragene Kleidung in Dänemark. Das berichtet das Magazin Operation X des dänischen Senders „TV2“.

Seit 2013 wirbt H&M damit, dass das Unternehmen Kleidung von Kunden wiederverwendet. Die Modekette im Zuge dieser Kampagne in den vergangenen vier Jahren 1.450 Tonnen Kleidung in Dänemark eingesammelt. Im gleichen Zeitraum habe das Unternehmen 58 Tonnen Textilien in Dänemark ins Kleider-Krematorium wandern lassen, berichtet „TV2“. Das entspricht rund 30.000 Paar Jeans im Jahr. Mehrere Mitarbeiter von Verbrennungsanlagen unter anderem in Roskilde haben dies dem Sender bestätigt. Es handele sich dabei um neue, ungetragene Kleidungsstücke mit Preisschildern.

Das Unternehmen wollte die Verbrennungen nach der ersten Anfrage des Senders erstmal nicht bestätigen. Man tue alles, um Schwund zu verhindern. Wirtschaftliche Gründe wurden dementiert. Als H&M jedoch mit Dokumenten über die tonnenweise Verbrennung neuer Kleider in Roskilde konfrontiert wurde, gestand das Unternehmen diese Praxis ein. Dabei handele es sich jedoch um Kleidung, die aus dem einen oder anderen Grund gesundheitsschädlich sei, heißt es. Darunter könnten sich auch Wasserschäden befinden.

Das dänische Unternehmen Bestseller räumt ein, dass 0,1 Promille der Textilproduktion verbrannt werden. Das entspricht etwa 49 Tonnen im Jahr. Dabei handele es sich ausschließlich um schadhafte Ware, die nicht wiederverwertet werden kann. „Generell können wir sagen: Bestseller hat kein wirtschaftliches oder umweltmäßiges Interesse daran, Produkte zu destruieren, mit denen alles in Ordnung ist“, schreibt Pressesprecher Jesper Stubkier.

Operation X hat einige der Jeans, die in Roskilde verbrannt werden sollten, auf Chemikalien und Bakterien getestet und die Darstellung widerlegt. Laut H&M waren die Jeans wegen zu hohen Bleigehaltes in einigen der Knöpfe kassiert worden. Das Labor Eurofins konnte dies in seinen Tests nicht bestätigen. Vielmehr fand Operation X einen viel höheren Bleigehalt im Reißverschluss einer anderen H&M Jeans. Sie wurde allerdings in einer Filiale in Kopenhagen gekauft. „Der Bleiwert entsprach da einem Siebtel des Grenzwertes", teilte der Sender mit.

<p>H&M-Näherinnen in Äthopien.</p>

H&M-Näherinnen in Äthopien.

Foto: imago/photothek

Für die Umwelt ist diese Praxis besonders verheerend. Meist werden die Kleidungsstücke unter niedrigen Standards in Niedriglohnländern wie Bangladesch oder Äthiopien hergestellt, dann in Containerschiffen nach Europa verschifft. Bei der Produktion wird mit viel Chemie gearbeitet und große Mengen an Wasser und Energie werden verbraucht.

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