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"Der Solist" : Wahres Drama um ein verwirrtes Genie

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Journalist Steve Lopez begegnet einem Obdachlosen, der beseelt auf seinem alten Cello spielt. Lopez entwickelt eine berührende Kolumne um ein Musikgenie, das unter Schizophrenie leidet.

"Der Solist" hätte leicht eine sentimentale Rührgeschichte werden können. Die Story liest sich wie ein Hollywood-Märchen: Ein Reporter der "Los Angeles Times" trifft auf einen obdachlosen, schizophrenen Mann, der unter einer Straßenbrücke leidenschaftlich und virtuos klassische Musik spielt. Er entpuppt sich als ein Musikgenie, das einst die berühmte Juilliard-Schule in New York besuchte, bevor ihn die Krankheit aus der Bahn warf.
Die wahre Geschichte des Kolumnisten Steve Lopez und des Cellisten Nathaniel Ayers verwandelte Regisseur Joe Wright mit viel Fingerspitzengefühl in ein Sozialdrama mit musikalischer Poesie, Humor und Tiefgang. Statt einer gewaltigen Bildsprache, wie in seinen Kostüm- und Liebesfilmen "Stolz und Vorurteil" und "Abbitte" beschränkt sich der britische Regisseur auf die fesselnde Realität eines Gegenwartsdramas.
Lopez entdeckte mehr als nur eine Story
Robert Downey Jr., der bereits in "Zodiac - Die Spur des Killers" und "Natural Born Killers" Reporter spielte, porträtiert den Kolumnisten Steve Lopez, der 2005 mit Nathaniel Ayers mehr als nur seine nächste Story entdeckte. Jamie Foxx, der sich in der Rolle des Musikers Ray Charles 2005 einen Oscar erspielte, verwandelt sich jetzt in ein verwirrtes, verwahrlostes Genie, das seine alten Instrumente mit wenigen Habseligkeiten in einem Einkaufswagen verstaut. Ayers lebt auf der Straße und spielt auf einem zerschundenen Cello, dem zwei Saiten fehlen.
"Eine Betoninsel mitten in der lauten Stadt war seine Konzerthalle", sagte Lopez der Deutschen Presse-Agentur dpa über seine erste Begegnung mit Ayers. Der Obdachlose hatte ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift "kleine Walt Disney Konzerthalle" bei sich. "Dieser Mann hatte offensichtlich Pech im Leben, aber er war charmant, spielte leidenschaftlich Cello, das war sehr inspirierend."
Die Geschichte hat kein "Happy End" im Stil Hollywoods
Lopez fand heraus, dass Ayers in den 70er Jahren an dem Juilliard-Konservatorium klassische Musik studiert hatte, dann aber nach Schüben von Schizophrenie die Ausbildung abbrach und auf der Skid Row von Los Angeles landete. Der Film führt die Hoffnungslosigkeit tausender Menschen, die in dem Armenviertel leben, vor Augen. Er zeigt, wie sich Ayers mit Lopez" Hilfe Schritt für Schritt in einer neuen Welt zurechtfindet, eine kleine Wohnung bezieht, mit Musikern der Philharmonie übt und sich mit ihnen anfreundet. Stark sind Szenen, in denen Wright den Zuschauern durch die Musik Einblick in Ayers eigene Welt gewährt.

Lopez steht nicht als barmherziger Samariter da, sondern als Mann mit Problemen und Selbstzweifel, der gleichermaßen von der ungewöhnlichen Freundschaft profitiert. "Ein Typ auf der Straße, den man gewöhnlich übersieht, wird plötzlich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben", erzählt Lopez. Doch die Geschichte hat kein "Happy End" im Stil Hollywoods. Ayers wird nicht von der Schizophrenie geheilt, er spielt nicht in einem Orchester, sondern weiterhin auf dem Bürgersteig in der Skid Row. Susannah Grant, die zuvor das Drehbuch für "Erin Brockovich - Eine wahre Geschichte" lieferte, hält sich an die Buchvorlage von Lopez, in der nichts beschönigt wird.
"Hollywood liebt die heldenhaften guten Vorsätze, aber dies ist einer der wenigen Filme, der genauso viel Wert auf den Weg zur Hölle legt", hielt die Kritikerin der "Washington Post" dem "Solist" zugute. In den USA spielte der Film trotz seiner Starbesetzung "nur" knapp über 30 Millionen Dollar ein. "Dies war kein Blockbuster-Material", sagt Lopez über den anspruchsvollen Stoff, doch die Darstellung seiner Freundschaft mit Ayers habe ihm gefallen. "Es war die perfekte Mischung aus Kunst, Kommerz und Sozialkommentar. Leider gibt es nur wenige Hollywoodfilme, die dies überhaupt erst versuchen."

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erstellt am 09.Dez.2009 | 12:54 Uhr

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