Luciafest : Von Juleøl und lussekatter - so feiert der Norden das Weihnachtsfest

Die Lucia-Braut führt den Luciaumzug an – sie soll das Licht bringen. Das Luciafest wird in allen skandinavischen Ländern gefeiert.
Die Lucia-Braut führt den Luciaumzug an – sie soll das Licht bringen. Das Luciafest wird in allen skandinavischen Ländern gefeiert.

Am 13. Dezember feiern unsere nördlichen Nachbarn mit dem Luciafest das Fest des Lichts. shz.de hat noch viele weitere Weihnachtstraditionen aus Skandinavien zusammengestellt.

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13. Dezember 2017, 10:45 Uhr

Im hohen Norden wird Weihnachten besonders ausführlich und traditionsreich begangen. Dort, wo im Dezember mit Tageslichtlampen und Vitamin-D-Pillen nachgeholfen werden muss, wo Winter mitunter noch heißt, eingeschneit von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Anders als in Deutschland geht es dort eher ausgelassen als allzufestlich zu.

Mit Julklapp, Julenissern und all den mit Ikea eingeschwämmten Dalapferden und Julböcken sind einige skandinavische Traditionen über die Grenzen bereits in deutsche Wohnzimmer geschwappt – doch wie sieht die Weihnachtszeit in Dänemark, Schweden und Co. wirklich aus? Und wo wohnt eigentlich der Weihnachtsmann?

Dänemark

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dpa
 

Mit Weihnachten ist es den Dänen sehr ernst. Das erkennt man nicht nur an den vielen Traditionen rund um das Fest – mit dem ersten Advent wird Dänemark Weihnachts – oder Juleland. Und mit der Weihnachtszeit erreicht die berühmte Hyggeligkeit ihren Zenit. Mit der julehygge, der Weihnachts-Gemütlichkeit, haben die Dänen ein ganz eigenes Wort für das wohlige Weihnachtsgefühl. Sinnbild dafür ist in der Vorweihnachtszeit wohl Tondern. Die Weihnachtstadt rund um die Alte Apotheke, in der das ganze Jahr über Weihnachten herrscht, lädt dazu ein, einen Blick über die Grenze in dänische Gepflogenheiten zu werden.

 

Traditionell wird die Zeit bis Weihnachten mit dem Kalenderlys überbrückt – der Weihnachtskerze, die jeden Tag ein Stückchen weiter herunterbrennt. Begleitet wird das Weihnachtslicht vom Adventskalender und in vielen Haushalten auch von einer ursprünglich deutschen Tradition: dem Adventskranz. Im dänischen Fernsehen werden in den Tagen bis zum Fest verschiedene Serien als Kalender gezeigt – für die Erwachsenen oft politisch angehaucht.

Der Nikolaus schafft es nicht bis in den hohen Norden, dafür wird, wie auch in Schweden, Norwegen und Teilen Finnlands, am 13. Dezember das Luciafest gefeiert. Eine Tradition, die ihren Ursprung in Schweden hat. In den christlichen Kirchen ist dies der Gedenktag der heiligen Lucia, vor der Gregorianischen Kalenderreform fiel mit diesem Datum außerdem der kürzeste Tag des Jahres zusammen – mit Lucia begann die Zeit des Lichts. Die heutige Form des Luciafests ist in Skandinavien wenig kirchlich geprägt. An Schulen, in Kindergärten und in Altenheimen singen Kinder in weißen Gewändern das Lucialied. Ihnen voran geht de Lucia-Braut mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf. Als traditionelles Gebäck zum Luciafest dürfen Lussekatter (Luciakatzen) nicht fehlen.

Kulinarisch hat die Weihnachtszeit in Dänemark einiges zu bieten. Angefangen mit dem traditionellen Anstich des Weihnachtsbiers juleøl im November beginnt aber auch die Zeit der süßen Trunkenheit. Fast schon ein Stadtfest feiern die Dänen, wenn das hochprozentige Saisonbier mit der Lakritznote zum ersten Mal in den Bars ausgeschenkt wird. Auch Glögg, ein skandinavischer Glühwein, wird auf dänischen Weihnachtsmärkten in rauen Mengen konsumiert. Die nötigen Toleranzpfunde erarbeitet sich der Däne unter anderem beim Julefrokost, einem großen Buffet aus warmen und kalten Speisen, dass an den Weihnachtsfeiertagen mit der Familie und in der Vorweihnachtszeit unter Arbeitskollegen und Freunden veranstaltet wird.

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Flickr/Karl Baron

Am 23. Dezember feiern Familien in Dänemark den lillejuleaften, den „kleinen Weihnachtsabend“. Gemeinsam wird der Wohnung an diesem Abend der letzte weihnachtliche Schliff gegeben und der Baum in den dänischen Nationalfarben rot und weiß geschmuckt. Nicht selten verirrt sich ein Dannebrog in die weihnachtliche Dekoration oder gar in Girlanden direkt an den Baum. Kleine Männchen mit roten Mützen, die Julenisser, machen einen wichtigen Teil der dänischen Weihnachtsdekoration aus. Den Wichteln stellen die Dänen am lillejuleaften traditionell eine Schale Milchreis auf den Dachboden oder vor die Haustür – vielleicht, um die Helferlein des Weihnachsmannes gnädig zu stimmen. Aber auch die Familie bekommt am kleinen Weihnachtsabend Milchreis zu essen – den traditionellen ris à l'amande. Wer die versteckte Mandel im Milchreis findet, bekommt ein zusätzliches Geschenk.

Der Heilige Abend wird, wie in Deutschland auch, im Kreise der Familie verbracht. Nach dem Weihnachtsessen, traditionell bestehend aus Geflügel oder Schweinebraten mit Rotkohl und kandierten Kartoffeln, tanzt die Familie um den Weihnachtsbaum. Erst dann werden die Geschenke geöffnet.

Was den Weihnachtsmann betrifft, haben die Dänen ihre ganz eigene Theorie. Während allgemein angenommen wird, dass er in Finnland zuhause ist, vermutet man ihn in Dänemark auf ganz eigenem Territorium. Die Dänen sind sich sicher: Der Weihnachtsmann lebt im Norden Grönlands.

Schweden

Schwedische Weihnachten – das ist Bullerbü in Reinform. Viele schwedische Weihnachtstraditionen sind auch über die nationalen Grenzen hinaus bekannt. Astrid Lindgren sei Dank. Dabei unterscheidet sich Weihnachten in Schweden nur wenig von der dänischen Tradition. Auch in Schweden wird auf eine ausgiebige Adventszeit bestanden. Weihnachten ist hier das wichtigste Fest des Jahres.

Mit dem ersten Advent beginnt auch in Schweden die sehnlich erwartete Vorweihnachtszeit. Dann öffnen in den Städten die Weihnachtsmärkte ihre Pforten und es wird reichlich Glögg ausgeschenkt. Allgegenwärtig ist im weihnachtlichen Schweden der Julbock, ein aus Stroh gefertigter Ziegenbock und Symbol für die Weihnachtszeit per se. Die Figur hat ihren Ursprung in der schwedischen Mythologie, in der vor den Wagen des Gottes Thor zwei Ziegenböcke gespannt waren. Ein 13 Meter hoher Julbock, der Gävlebocken, wird jedes Jahr auf dem Schlosspark des Städtchens Gävle errichtet und per Webcam in die Welt übertragen. Auch das Dalapferd, ganzjähriges Symbol für Schweden und beliebtes Touristensouvenier, findet in der Weihnachtszeit vermehrt Verwendung als beliebtes Dekoelement.

Zu einem festen Bestandteil in der schwedischen Weihnachtskultur hat sich die Konzertveranstaltung „O, Helga Natt“ (Oh, Heilige Nacht) gemausert. Mit rund 20.000 Live-Zuschauern und etlichen mehr vor dem heimischen Fernseher singen schwedische Künstler seit 2001 weihnachtliche Lieder. Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit ist in Schweden natürlich das Luciafest am 13. Dezember. Bereits am Morgen finden im ganzen Land Lucia-Umzüge statt – angeführt von der Lucia-Braut.

Auch in Schweden wird der Weihnachtsbaum bereits am 23. Dezember geschmückt – jedoch erst dann, wenn die Kinder im Bett sind. Neben Strohsternen und Kugeln sind auch hier häufig Girlanden mit der schwedischen Nationalflagge Teil der Christbaumdekoration.

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Flickr/elizaraxi

Der 24. Dezember beginnt in Schweden mit einem Besuch bei Nachbarn und Freunden. Eine besonders skurrile Weihnachtstradition: Ab 15 Uhr wird Donald Duck geschaut – erst danach kann das Julbord, das traditionelle Weihnachtsessen, beginnen. Das schwedische Weihnachtsmahl ist nichts für Vegetarier: Neben diversen Fischsorten und Meeresfrüchten werden die von Ikea bekannten Köttbullar oder Weihnachtswurst gereicht.

In Schweden steht der Baum nicht in einer Ecke, sondern meist mitten im Weihnachtszimmer. Das Tanzen um den Weihnachtsbaum hat in Schweden Tradition. Erst dann dürfen die Geschenke, die nicht etwa vom Weihnachtsmann, sondern von den Kobolden Tomte, Tomtebisse und Nisse geliefert wurden, geöffnet werden. Während schwedische Kinder sich nach der Bescherung im Weihnachtsrausch befinden, schlagen sich die kleinen Kobolde vor der Tür die Bäuche voll – mit dem Milchbrei, der ihnen dort stehen gelassen wurde.

Vor allem im ländlichen Schweden werden an Heiligabend die Haustüren und Fenster offen gelassen, damit Nachbarn und Freunde kleine Geschenke hereinwerfen können.

Norwegen

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Flickr/Frogn Kommune
 

 

In Norwegen wird im Winter das Tageslicht besonders knapp. Umso üppiger sind daher die Straßen und Häuser mit Lichterketten und Kerzen beleuchtet. Selbst an den Mastspitzen der Schiffe sind Weihnachtsbäume angebracht – natürlich mit Lichterketten. Die Zeit bis Weihnachten überbrücken Norweger mit Adventskalendern. Neben der gekauften Schokoladenvariante ist vielerorts die traditionelle und figurfreundliche Standardversion im Einsatz: Eine mit 24 Nelken gespickte Orange.

Einen hohen Stellenwert haben auch in Norwegen weihnachtliche Alkoholika. In ländlichen Regionen wird das Juleøl noch selbst gebraut, aber auch die norwegischen Brauereien haben sich im Winter dem malzigen Getränk verschrieben. Auch für die Linie ist gesorgt: Sieben Plätzchensorten wandern den Norwegern in der Weihnachtszeit direkt auf die Hüften.

Wie in allen skandinavischen Ländern stellt auch in Norwegen das Luciafest den vorweihnachtlichen Höhepunkt dar. Am Lille Julaften, dem 23. Dezember müssen die Kinder früh ins Bett: Dann werden auch in Norwegen die Weihnachtsbäume geschmückt. Anders als in Deutschland ist die Kultsendung „Dinner for One“ Teil der norwegischen Vorweihnachtstradition und wird dort bereits am 23. Dezember ausgestrahlt.

Am Heiligen Abend läuten um 17 Uhr im ganzen Land die Kirchenglocken. Vor allem in Süd- und Westnorwegen besuchen viele Familien anschließend den traditionellen Weihnachtsgottesdiest. Die Beschaffenheit des anschließenden Weihnachtsessens variiert je nach Region. Weit verbreitet sind Rippchen, zu denen die Erwachsenen sich mit Aquavit und Weihnachtsbier versorgen. Kinder trinken Weihnachtsbrause, so genannte Julebrus, die es nur in der Weihnachtszeit im Supermarkt zu kaufen gibt. Fester Bestandteil des Weihnachtsessens ist Julekaker, eine Art Christstollen mit Rosinen, Nüssen und Kardamon. Auch Norweger pflegen den Brauch, eine Mandel im Milchreis zu verstecken, der am Weihnachtsabend als Dessert serviert wird. Wer die Mandel findet, wird mit Glück für das ganze Jahr und einem Marzipanschwein belohnt.

Im Anschluss an das Festmahl erwarten die Kinder den Weinachtsmann, der in Norwegen als Julenisse bekannt ist. Der Julenisse ist der Überlieferung nach eine Mischung aus Nikolaus und norwegischem Fjordtroll. Und natürlich kommt er – da besteht unter den Norwegern kein Zweifel – von einem Fjord in Nordnorwegen. Damit er sich nicht zu Unsinn angestiftet fühlt, wird er mit einer Schüssel Milchreis auf der Fensterbank gnädig gestimmt. Nach der Bescherung wird das Norwegische Weihnachten zu einer ausgelassenen Party mit fröhlichen Liedern, Tanz und viel Alkohol.

Die Zeit nach Heiligabend wird in Norwegen als „Romjul“ bezeichnet. Sie erstreckt sich bis zum Jahreswechsel. Offiziell endet die Weihnachtszeit jedoch erst am 6. Januar. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ziehen die Kinder von Haus zu Haus, um ihren Nachbarn Weihnachtsständchen zu singen – in der Regel mit einer Belohnung in Form von Süßigkeiten. Der 26. Dezember spielt sich für Erwachsene Norweger dann hauptsächlich in Clubs und Bars ab und setzt der Besinnlichkeit ein jähes Ende.

Finnland

 

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Flickr/islandjoe

In Finnland ist alles etwas anders, doch die Weihnachtsfreude teilen sich die Finnen mit ihren skandinavischen Freunden. So wird mit der Pikkujoulu – der kleinen Weihnacht – bereits im November eine Vorabversion dessen zelebriert, was den finnischen Dezember dominiert. Meist handelt es sich dabei um Firmenweihnachtsfeiern, aber auch im Freundeskreis wird sich schon früh auf die Weihnachtszeit eingestimmt. Den offiziellen Auftakt der Weihnachtszeit stellen aber die zahlreichen Adventskonzerte dar, die am ersten Advent im ganzen Land stattfinden.

Anders als bei den skandinavischen Nachbarn wird in Finnland der Nikolaustag gefeiert – als finnischer Unabhängigkeitstag ist der 6. Dezember zugleich gesetzlicher Feiertag. Eine Woche später folgt dann das Luciafest.

Weihnachtsfein machen die Finnen ihre Häuser und den Tannenbaum am Abend des 23. Dezember. Da der Berg Korvatunturi in Finnland die hochoffizielle Heimat des Joulupukki, des finnischen Weihnachtsmannes ist, kommt dieser an Heiligabend persönlich in die Häuser. Die zu bescherenden Kinder haben sich dann bereits in weiser Voraussicht als Weihnachtselfen verkleidet.

Vor der Bescherung steht in Finnland aber ein ganzer Tag mit traditionellem Festprogramm. Bereits um 12 Uhr beginnen in Finnland die Weihnachtsfeierlichkeiten mit der Ausrufung des Weihnachtsfriedens in der Stadt Turku. Diese über 500 Jahre alte Tradition wird im ganzen Land im Fernsehen übertragen. In früheren Zeiten wurde der Weihnachtsfrieden sehr ernst genommen: Wer es wagte, in den zwölf Weihnachtstagen ein Verbrechen zu begehen, musste mit dem doppelten Strafmaß rechnen. Am Nachmittag und dem frühen Abend widmen sich die Finnen ihren Toten. Die Friedhöfe werden besucht und weihnachtlich geschmückt – am heiligen Abend brennen auf fast allen Gräbern Lichter. Bevor das Weihnachtsessen schließlich auf den Tisch kommt, steht in den meisten Familien ganz stereotyp ein gemeinsamer Saunagang an. So aufgewärmt machen sich die Finnen über den Weihnachtsschinken, den Joulukinkku her, bevor die Kleinen sich auf ihre Geschenke stürzen dürfen.

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Flickr/Visit Lakeland

Der 24. Dezember ist in Finnland der wichtigste Weihnachtstag. Am 25. Dezember trifft sich die Nachbarschaft bei der morgendlichen Weihnachtsmesse, am zweiten Weihnachtstag wird in ländlichen Regionen meist ausgelassen Schlitten gefahren – auch das ist in Finnland Tradition, denn mit Schnee ist auch in Zeiten des Klimawandels im hohen Norden noch zu rechnen.

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