zur Navigation springen

"Wüstenblume" : Vom Nomadenmädchen zur UN-Botschafterin

vom

Der Film "Wüstenblume" ist eine bewegende Verfilmung der Lebensgeschichte von Waris Dirie - nach ihrem autobiografischen Bestseller.

Eine der ergreifendsten Szenen des Films kommt am Ende, wenn die Journalistin das erfolgreiche Model Waris Dirie fragt, welcher Tag ihr Leben veränderte. "Das war doch bestimmt der Tag, an dem der Fotograf Terry Donaldson Sie entdeckt hat?", fällt ihr die Reporterin ungeduldig ins Wort. "Nein. Das war nicht der Tag, der mein Leben veränderte", antwortet die gebürtige Somalierin mit ruhiger Stimme. "Wollen Sie wirklich wissen, welcher Tag mein Leben veränderte?", fragt das Model zurück - und erzählt von dem Tag in der somalischen Wüste, als eine Beschneiderin ihr im Alter von fünf Jahren in einem unbeschreiblich grausamen Ritual mit Rasierklingen die Klitoris und die Schamlippen entfernt hat.
Der Film "Wüstenblume" ist eine bewegende Verfilmung der Lebensgeschichte von Waris Dirie - nach ihrem autobiografischen Bestseller, den weltweit mehr als elf Millionen Menschen gelesen haben. Ohne Kitsch und Pathos gelingt es der deutsch-amerikanischen Regisseurin Sherry Hormann und ihrem Team, die an ein Märchen erinnernde Geschichte vom afrikanischen Nomadenmädchen, das zum internationalen Topmodel aufsteigt, zu erzählen. Dabei konzentriert sich der Film, der von dem deutschen Oscar-Preisträger Peter Herrmann ("Nirgendwo in Afrika") produziert wurde, auf die entscheidenden Momente im Leben von Waris Dirie in London, mit Rückblenden auf ihre Kindheit in der somalischen Wüste und ihre Karriere in New York.
Szenen mit atemberaubenden Bildern aus der Wüste
Geboren in der Wüste Afrikas, wächst Waris im ständigen Kampf ums tägliche Überleben auf. Als sie mit 13 Jahren zwangsverheiratet werden soll, flieht sie, um dem Willen ihres Vaters zu entkommen. Tagelang irrt das Mädchen durch die Wüste, bis es schließlich die somalische Hauptstadt Mogadischu erreicht. Eine Tante verschafft ihr eine Stellung als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London - wo sie jahrelang das Haus nicht verlassen darf. Doch Waris lässt sich nicht unterkriegen, flieht vor der Abschiebung und landet auf der Straße. Doch mit Hilfe ihrer neuen Freundin Marilyn und ihrem unbändigen Überlebenswillen rappelt sich die junge Frau immer wieder auf - bis sie von einem bekannten Fotografen entdeckt wird.
Mit dem in Äthiopien geborenen Model Liya Kebede konnte eine Hauptdarstellerin gefunden werden, die Waris Dirie nicht nur verblüffend ähnlich sieht, sondern dem Film mit ihrer Naivität und Verletzlichkeit auch eine besondere Authentizität verleiht. Zusammen mit Golden-Globe-Gewinnerin Sally Hawkins ("Happy-Go-Lucky"), die Waris quirlige Chaotenfreundin Marilyn spielt, sind die beiden ein unschlagbares Team. Aber auch die Nebenrollen sind mit Timothy Spall als vom Leben gezeichneten Fotografen Donaldson, Juliet Stevenson als arrogante Modelagenturchefin und Craig Parkinson als Waris Scheinehemann exzellent besetzt. Die Szenen mit atemberaubenden Bildern aus der Wüste spielen zum größten Teil Laiendarsteller.
Dabei wird das schwierige Thema "Weibliche Genitalverstümmelung", dem nach Schätzungen der UNO jeden Tag 6000 Frauen und Mädchen zum Opfer fallen, mit großer Sensibilität und Einfühlungsvermögen angegangen. Die Szenen in der Wüste, in einem Londoner Krankenhaus und der Moment, als Waris Marilyn von ihrem schrecklichen Geheimnis erzählt, gehen unter die Haut - ohne die Darsteller bloßzustellen. Am Ende lauscht der Zuschauer bewegt den Worten von Waris Dirie, die vor der UNO in New York von ihren Erlebnissen berichtet und sich seit Jahren für ein weltweites Verbot der unmenschlichen Prozedur einsetzt: "Ich habe es überlebt. Aber meine beiden Schwestern nicht."

zur Startseite

von
erstellt am 22.Sep.2009 | 02:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen