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Vom Kinn in die Kopfhaut - Wenn Haare umverteilt werden

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Berlin (dpa/tmn) - Der skeptische Blick der Ehefrau, die Spitze des Kollegen, ein Foto vom eigenen Hinterkopf: Realisiert ein Mann, dass er unaufhaltsam kahler wird, ist das bitter. Haartransplantationen können helfen. Aber sie haben ihren Preis - nicht nur finanziell.

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erstellt am 27.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Der skeptische Blick der Ehefrau, die Spitze des Kollegen, ein Foto vom eigenen Hinterkopf: Realisiert ein Mann, dass er unaufhaltsam kahler wird, ist das bitter. Haartransplantationen können helfen. Aber sie haben ihren Preis - nicht nur finanziell.

Eine Haartransplantation hat nichts mit Magie zu tun. Es kommen keine neuen Haare hinzu, sondern die alten werden auf dem Kopf neu verteilt. Das sollten sich Patienten klarmachen, sagt Reza Azar vom Zentrum für moderne Haartransplantation in Berlin. Jedes neue Haar auf der Oberkopfglatze hat seinen Preis: Es fehlt woanders. Die Lücken sind nicht immer unsichtbar.

Die Folgen genetischen, also erblich bedingten Haarausfalls sind meist Geheimratsecken oder eine Oberkopfglatze. Der Haarkranz hingegen wird oft erst im hohen Alter licht. Azar bezeichnet ihn deshalb als «Safe Zone». In den meisten Fällen entnehmen Ärzte Haare aus dieser sicheren Zone und pflanzen sie an den kahlen Stellen wieder ein. Betroffen seien hauptsächlich Männer, sagt der plastische Chirurg. Ein prominenter Betroffener ist Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund: Er hat sich Haare in die Geheimratsecken transplantieren lassen.

Mediziner unterscheiden die FUE-Technik, bei der die Haare einzeln entnommen werden, und die Streifentechnik, bei der der Arzt Hautstreifen am Hinterkopf des Patienten entfernt, die er anschließend in die einzelnen Haarwurzeln zerlegt. Die FUE-Methode ist sehr zeitaufwendig. «Wenn ich 2500 Transplantate einzeln entnehme und wieder einsetze, kann das drei Tage dauern.» Für die Streifentechnik brauche ein Arzt nur etwa einen Tag.

Allerdings komme der Patient bei der Streifentechnik nicht ohne Narben davon. Die entfernte Haut sei etwa 17 bis 20 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit. Der Chirurg näht die Lücke wieder zu, eine längliche, 4 bis 5 Millimeter breite Narbe bleibt zurück. Weil die Haut im Nacken oft bewegt werde, könne die Narbe auch größer werden, warnt Azar. Nach der FUE-Operation bleiben nur kaum sichtbare Mikronarben zurück.

Ein Nachteil beider Methoden: Die transplantierten Haare fallen nicht mehr aus. Darauf weist Peter Volk vom Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten hin. Das klingt zwar zunächst gut, sieht aber merkwürdig aus, wenn auch der Haarkranz im Alter irgendwann lichter wird, am Oberkopf aber immer noch volle Locken wachsen.

Habe sich ein Patient Haare nach der FUE-Methode transplantieren lassen, könne er im Alter immerhin noch den ganzen Kopf rasieren, um die ungewöhnliche Verteilung der kahlen und der behaarten Stellen zu verstecken, sagt Azar. Nach der Streifenmethode seien an einem kahl rasierten Kopf aber immer die Narben zu sehen.

Haare müssten nicht zwangsläufig vom Hinterkopf stammen, sagt der Chirurg. Auch Brust- oder Barthaare könnten Ärzte an die kahlen Stellen setzen. Allerdings seien Barthaare vergleichsweise kräftig und könnten am vorderen Kopf auffallen. Der Patient sollte sie sich daher nicht an allzu auffällige Stellen setzen lassen.

Da die Transplantation von anderen Körperstellen etwas aufwendiger sei, koste sie ungefähr 1000 bis 2000 Euro mehr als die Verpflanzung vom Hinterkopf. Der Preis für die gesamte Transplantation variiere je nach Größe der kahlen Stelle. Er liegt laut Azar zwischen circa 3000 Euro für kleine Geheimratsecken und rund 12 000 bis 15 000 Euro für eine komplette Oberkopfglatze.

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