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Mode-Geschichte : Vom Badegewand zum Bikini: Sylt war den Bond-Girls voraus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einst waren die Badegäste an Sylter Stränden in viel Stoff gehüllt. Nach und nach wurde die Kleidung knapper.

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erstellt am 07.Aug.2015 | 14:16 Uhr

Wirklich populär wurde der Bikini in Deutschland eigentlich erst, als 1963 „James Bond – 007 jagt Dr. No“ in die Kinos kam. Auf Sylt dagegen war man der Zeit voraus: Diese drei Grazien wanderten schon zwei Jahre früher im Zweiteiler durchs Dünengras. Alles über die Bademode früher und heute:

Die Geschichte des Badeanzugs lässt sich bis ans Ende des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Allerdings passen Ausdrücke wie Badegewand, Badekleid oder auch Badekostüm wesentlich besser zu der Kleidung, mit der auch auf Sylt die badenden Damen damals die ersten Gehversuche ins kühle Nass unternahmen. Denn die ersten Badegewänder zeichneten sich noch durch einen hohen Stoffanteil sowie eine üppige Verwendung von Rüschen, Blenden und Volants aus. Es war absolut verpönt, ja sogar sittenwidrig, viel Haut zu zeigen. Deshalb war es auch modisch schick, große Badekappen und und lange Badestrümpfe zu tragen.

Familienbad im „Trikot“ war der letzte Schrei um 1910. Auf große Badekappen wurde Wert gelegt.
Familienbad im „Trikot“ war der letzte Schrei um 1910. Auf große Badekappen wurde Wert gelegt. Foto: Fotos: Archiv Sylter Geschichten
 

Etwas freizügiger war der Badeanzug des Mannes, meist blau-weiß oder rot-weiß gestreift. Doch auch schon damals tauchten allmählich kurze, enganliegende dreieckige Herrenbadehosen auf – eine Revolution für den Mann. Männer und Frauen gingen trotz des vielen Stoffs am Körper streng getrennt voneinander in die Nordsee.

An den Sylter Stränden mauserte sich der Badeanzug langsam vom rein sportlichen, zweckgebundenen Kleidungsstück zum attraktiven Modeartikel. Schon 1926 wurden bei einer Modenschau in Berlin Badeanzüge für Frauen gezeigt, die für damalige Verhältnisse sehr freizügig waren.

Im Blümchen-Zweiteiler mit passender Kappe im Jahr 1937.
Im Blümchen-Zweiteiler mit passender Kappe im Jahr 1937.
 

Konservativen Kreisen war die neue Bademode allerdings ein Dorn im Auge; sie sahen die Moral in Gefahr. Und so griff die preußische Regierung 1932 mit dem sogenannten Zwickelerlass ein, der festlegte, welche Teile des Körpers beim Baden zu verhüllen waren. Dieser wurde in der nationalsozialistischen Zeit jedoch schnell wieder aufgehoben, da sich die gleichgeschaltete FKK-Bewegung für mehr Freiheit in der Badebekleidung einsetzte.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm der amerikanische Einfluss auf Europa auch in Bademodefragen stetig zu. Freizügigkeit in puncto Haut setzte sich der Bikini als neuer Trend durch. Als Erfinder des knappen Zweiteilers gilt der Franzose Louis Réard, eigentlich Maschinenbauingenieur von Beruf, der die Dessous-Boutique seiner Mutter in Paris führte. Er hatte beobachtet, dass Frauen am Strand die Höschen an Beinen und Bund aufrollten, um mehr Sonnenbräune einzufangen. Daraufhin kürzte er das Kleidungsstück nochmals radikal und erklärte das Ergebnis als „kleiner als der kleinste Badeanzug“. Im Sog der Bikini-Welle wurden in den fünfziger Jahren auch die Einteiler immer enger und knapper.

Sie weiß, was in Sachen Bademode auf Sylt angesagt ist: Petra Boettiger vom Westerländer Traditionsmodehaus HB Jensen beobachtet seit 15 Jahren, was Frau am Strand so trägt. „In diesem Sommer dreht sich ganz viel um das Thema Mix and Match“. Heißt: Es gibt nicht nur eine Bikinihose und ein dazugehöriges Oberteil, sondern Tops, Shorts oder auch dazu passenden Tuniken. Und Badeanzüge? Sollten die nicht wieder modern sein? „Das wollen uns die Frauenmagazine glauben machen“, sagt Boettiger. In Wahrheit aber würden weiter 80 von 100 Frauen, die sich neue Bademode kaufen, zum Bikini greifen. Neben Mustern liegen vor allem Aquatöne im Trend. Extrem ausgefallene Bademode, wie beispielsweise Tangas, gehen kaum über den Verkaufstresen. Boettiger: „Das ist wahrscheinlich eher was für südlichere Länder. Auf Sylt badet man in normaler Badekleidung – oder nackt.“

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