Schüsse in Lüttich : Vier Tote bei Geiselnahme in Belgien – Terror-Ermittlungen laufen

Polizisten untersuchen den Tatort, an dem zuvor Schüsse gefallen sind.

Polizisten untersuchen den Tatort, an dem zuvor Schüsse gefallen sind.

Unter den Toten sind auch zwei Polizisten. Belgien schaltet das nationale Krisenzentrum ein.

shz.de von
29. Mai 2018, 14:19 Uhr

Lüttich | Ein mutmaßlicher Terrorist hat nach offiziellen Angaben am Dienstag im belgischen Lüttich zwei Polizisten und einen Mann in einem Auto erschossen, bevor er selbst von Sicherheitskräften getötet wurde. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen, wie ein Sprecher der Behörde bestätigte. Es gebe Elemente, die auf eine terroristische Tat schließen ließen. Informationen zu Täter und Motiv nannte der Sprecher aber noch nicht. Nach Medienberichten soll es ein Haft-Freigänger gewesen sein.

Der Ablauf

Die dramatischen Ereignisse begannen um 10.30 Uhr, wie Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten. Demnach griff ein mit einem Messer bewaffneter Mann zwei Polizisten in der Innenstadt von hinten an und stach auf sie ein. Schließlich entwand er ihnen den Angaben nach ihre Dienstwaffen und erschoss sie.

Anschließend soll der Täter einen 22-jährigen Mann in einem Auto erschossen haben, bevor er in eine nahe Schule rannte und dort eine Mitarbeiterin als Geisel nahm. Dort griff den Angaben nach eine Spezialeinheit ein und erschoss den Verdächtigen. Dieser habe zuvor noch das Feuer eröffnet. Mehrere weitere Polizisten seien verletzt worden, erklärten die Ermittler weiter.

Die Schüler des Lütticher Gymnasiums Léonie de Waha seien in Sicherheit, betonte der Bürgermeister von Lüttich, Willy Demeyer. Das Gebäude wurde nach seinen Angaben geräumt und die Kinder und Jugendlichen in mehrere andere Schulen gebracht. Das Gymnasium soll am Mittwoch geschlossen bleiben. Schülern und Personal stehe psychologische Hilfe zur Verfügung, hieß es weiter.

Der belgische König Philippe und Ministerpräsident Charles Michel machten sich unmittelbar nach der Tat auf nach Lüttich. Die königliche Familie drückte den Angehörigen des tödlichen Angriffs ihr Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat", schrieb sie auf Twitter.

König Philippe von Belgien kommt zu einem Treffen in der Polizeizentrale von Lüttich.
dpa

König Philippe von Belgien kommt zu einem Treffen in der Polizeizentrale von Lüttich.

 

Premierminister Michel sprach von "feiger und blinder Gewalt": "All unsere Unterstützung für die Opfer und ihre Angehörigen." In Lüttich wurde im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt, für Mittwoch ist eine Schweigeminute geplant.

Der belgische Innenminister Jan Jambon schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, das nationale Krisenzentrum prüfe die Situation. Das Krisenzentrum erklärte, die Terror-Warnstufe im Land bleibe auf der zweitniedrigsten Stufe. "Im Moment ändert sich nichts", sagte ein Sprecher laut Belga.

Ein Twitter-Video zeigt die Evakuierung der Straße d’Avroy in der Innenstadt von Lüttich:

 

Belgien war in der Vergangenheit das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten davon töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Die Terrorwarnstufe wurde erst vor einiger Zeit wieder auf Stufe zwei herabgesetzt, ein Anschlag gilt demnach als "wenig wahrscheinlich". Behörden, Medien und Bürger sind jedoch nach wie vor sensibilisiert. Die höchste Terrorstufe liegt bei vier.

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