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Nach Atomunglück in Japan : Vier Jahre nach der Katastrophe: Fukushima will Olympia

vom

19.000 Menschen kostete die verheerende Flutwelle in Japan das Leben. Vier Jahre nach dem GAU gibt sich Fukushima selbstbewusst. Doch die Stadt steht noch immer vor enormen Herausforderungen.

Fukushima | Japan gedenkt der Opfer der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe von vor vier Jahren. Etwa 19.000 Menschen kamen an jenem 11. März 2011 durch die gewaltige Flutwelle ums Leben oder werden bis heute vermisst.

Ein Erdbeben hatte die fatale Flutwelle ausgelöst. 9,0 erreichte das Beben auf der Richterskala. Damit war es das schwerste in Japans bisheriger Geschichte. Bis zu 30 Meter hoch war der Tsunami, der mehr als 260 Küstenstädte verwüstete. Eine Million Häuser wurden dabei komplett zerstört oder beschädigt.


Zum Sinnbild der Katastrophe wurde weltweit jedoch der GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn durch dieses Desaster zumindest niemand direkt getötet wurde. Es war der schwerste Atomunfall seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. 40 Jahre kann es nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco dauern, bis das Kraftwerk endgültig gesichert ist. 11.500 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser wurden ins Meer geleitet.

Angesichts dieser Zahlen ist es verwunderlich, dass ausgerechnet die Stadt Fukushima Interesse daran zeigt, im Rahmen der Olympischen Sommerspiele, die 2020 in Tokio stattfinden sollen, Baseball- und Softball-Wettbewerbe auszurichten. Medienberichten zufolge erhofft sich die noch immer im Aufbau befindliche Stadt, dadurch „schädliche Gerüchte“ zu entkräften.

Twitter-User reagieren mit schwarzem Humor auf die selbstbewussten Pläne:

Doch auch vier Jahre nach der Katastrophe steht Fukushima vor enormen Herausforderungen. Ein Überblick über die Lage in der Atomruine.

Brennstäbe

Auch nach vier Jahren weiß niemand, wo sich die in den Reaktoren 1, 2 und 3 geschmolzenen Brennstäbe genau befinden. Die weiterhin extrem hohe Strahlung verhindert den Zugang. Nachdem versuchsweise ferngesteuerte Geräte eingesetzt wurden, um die Lage im Inneren zu erkunden, haben Wissenschaftler nun mit einem Experiment begonnen, bei dem sie mit Hilfe kosmischer Strahlen durch die Reaktoren „hindurchschauen“ und „Schatten“ des Brennstoffs ausmachen wollen ähnlich wie bei Röntgenaufnahmen. Solche sogenannten Myonen werden auch in der Vulkanforschung und bei der Suche nach geheimen Kammern in Pyramiden eingesetzt. Der Atombetreiber Tepco und die Regierung hoffen, in 2020 mit der Bergung des Brennstoffs beginnen zu können.

Abklingbecken

Lange Zeit galt ein Abklingbecken in rund 30 Metern Höhe im beschädigten Reaktorgebäude 4 als eine der größten Gefahrenquelle auf dem Akw-Gelände. Die dort gelagerten rund 1500 Brennstäbe hat Tepco inzwischen erfolgreich geborgen. Doch auch im Reaktor 3 liegen noch 514 abgebrannte und 52 unbenutzte Brennstäbe. Deren Bergung gestaltet sich jedoch wegen der massiven Schäden an dem Reaktorgebäude schwierig. Es liegen noch viele Trümmerteile sowie ein 35 Tonnen schweres Gerät in dem Becken. Es soll nun im April herausgeholt werden. Doch die Strahlung ist mit über 100 Millisievert pro Stunde an vielen Stellen weiter extrem hoch und erschwert die Arbeiten.

Verstrahltes Wasser

Bei der weiter notwendigen Kühlung der Reaktoren fallen gewaltige Mengen Wasser an. Zusätzlich dringt täglich Grundwasser in die beschädigten Fundamente ein und vermischt sich mit dem verstrahlten Kühlwasser. In 1000 Tanks lagern bereits rund 200.000 Tonnen kontaminiertes Wasser. Mit einem Filtersystem will der Betreiber Tepco bis Mai die Menge an radioaktivem Strontium in dem Wasser senken und in einem weiteren Jahr das Wasser dann von sämtlichen radioaktiven Partikeln säubern. Im Sommer 2016 hofft Tepco sagen zu können, dass von dem Wasser „fast kein Risiko“ mehr ausgeht.

Eisring

Als weitere Schutzmaßnahme plant Tepco einen unterirdischen Eisring um die Reaktoren 1 bis 4, der das Gelände gegen eindringendes Grundwasser abdichten soll. Kühlflüssigkeit wird dazu durch Rohre im Boden unter den Reaktoren geleitet, bis das Grundwasser gefriert.

Dieser Eisring soll zudem verhindern, dass kein Wasser mehr nach außen dringt. Die Arbeiten verzögern sich jedoch, wann mit der Kühlung begonnen wird, steht laut Tepco noch nicht genau fest. Ob sich die aus dem Tiefbau bekannte Methode bewährt, ist noch unklar.

Über Jahre hinweg an einem Standort betrieben wurde sie bisher nicht.

Atomarbeiter

Rund 6000 Arbeitskräfte im Schnitt sind in der Atomruine tagtäglich unter schwierigsten und gefährlichen Bedingungen beschäftigt. Ein Teil von ihnen ist beim Betreiber Tepco angestellt, die übrigen wurden über Subunternehmen angeheuert. Wiederholt gab es Berichte über Missstände wie unzureichende Anweisungen oder unterschlagene Lohnzahlungen. Auch die Yakuza soll bei der Rekrutierung von Hilfskräften die Finger im Spiel haben. Tepco lässt regelmäßig Umfragen unter den Beschäftigten durchführen, nach eigenen Angaben mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen der Männer zu verbessern.

Lebensmittelsicherheit

Lebensmittel, die in Japan den Handel kommen, sind nach Angaben der Behörden sicher. Überall im ganzen Land, nicht nur in Fukushima, werden Lebensmittel regelmäßig auf Radioaktivität hin untersucht. Das japanische Gesundheitsministerium veröffentlicht die Daten jede Woche. Werden die Grenzwerte für radioaktive Partikel wie Cäsium überschritten, dürfen die betroffenen Lebensmittel nicht verkauft werden. Die Provinzverwaltung von Fukushima veröffentlicht dabei die Einzelheiten zu Lebensmitteln, die nicht verkauft werden dürfen.

 
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erstellt am 06.Mär.2015 | 10:51 Uhr

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