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Gefechte um Rebellen-Enklave : Viele Tote bei IS-Angriff auf nordsyrische Stadt Marea

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Die Terrormiliz stürmt die Außenbezirke der Rebellenstadt Marea in Nordsyrien. In der Region sind über 100.000 Menschen eingeschlossen.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2016 | 14:20 Uhr

Damaskus | Kämpfer der Terrormiliz IS haben die Außenbezirke einer der letzten beiden Rebellenstädte nördlich von Aleppo in Syrien gestürmt. Die Dschihadisten, die bereits in den vergangenen Tagen in der Region gegen Aufständische in der Nähe der türkischen Grenze vorgerückt waren, hätten am Samstag die Verteidigungsanlagen der Stadt Marea überrannt, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Am Stadtrand lieferten sich Rebellen und IS-Kämpfer heftige Gefechte - Dutzende Menschen seien dabei gestorben.

Seit fast fünf Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura geht davon aus, dass in dem Krieg inzwischen bereits 400.000 Menschen getötet worden sind. Die Friedensgespräche waren zuletzt ins Stocken geraten.

Marea - etwa 20 Kilometer südlich der türkischen Grenze gelegen - ist neben Asas die einzige größere Stadt, die in der Enklave noch von Rebellen kontrolliert wird. Das Rebellengebiet grenzt im Osten an den Herrschaftsbereich des IS und im Westen an Kurdengebiete.

Erst kürzlich war der IS in das strategisch wichtige Gebiet vorgerückt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) flohen Zehntausende vor den Dschihadisten und sind nun in der Region um Asas eingeschlossen. Den Rebellen droht dort ein totaler Zusammenbruch. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und HRW gehen von 165.000 Vertriebenen aus, die rund um Asas Zuflucht gesucht haben. Unter diesen sind aber auch Flüchtlinge der vergangenen Wochen und Monate.

Karl Schembri vom Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC) sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Situation sei beispiellos. „Das gesamte Gebiet um Asas ist komplett unsicher und Tausende Zivilisten und Hunderte Helfer sind in die Konfliktzone geraten.“ Ein örtlicher Aktivist berichtete, dass Rebellen einen Ort an die kurdischen Truppen übergaben, um im Gegenzug den Abzug von Zivilisten aus dem belagerten Marea zu ermöglichen. Dabei werde es sich vor allem um Kinder, Frauen und Verwundete handeln. Auf türkischem Staatsgebiet schlugen derweil erneut Raketen ein. Diese wurden wahrscheinlich aus Gebieten der Terrormiliz IS abgeschossen.

IS-Angriffe auch im Irak

Im Irak starteten die Dschihadisten am Sonntag einen Überraschungsangriff auf die Stadt Hit etwa 140 Kilometer westlich von Bagdad. Der Ort sei mit Artilleriefeuer und Selbstmordattentätern angegriffen worden, berichtete ein Armeesprecher. Allerdings sei die Attacke zurückgeschlagen und 40 IS-Kämpfer getötet worden. Auch sechs Regierungssoldaten seien gestorben.

Die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amaq dagegen gab vor, der Islamische Staat habe die Hälfte der Stadt eingenommen und seinerseits 40 Kämpfer der Regierung getötet.

Die Terrormiliz ist im Irak massiv unter Druck: Die Kurden im Land meldeten am Sonntag den Beginn eines Großangriffs auf die Extremisten im Norden. Der Vorstoß der von der Bundeswehr unter anderem mit Waffen unterstützten Peschmerga-Kämpfer ziele auf Stellungen der Dschihadisten etwa 45 Kilometer nordöstlich ihrer Hochburg Mossul, sagte ein Befehlshaber.

In Falludscha westlich Bagdads kreisten irakische Einheiten zur Vorbereitung des angekündigten Sturms auf die IS-Hochburg die Stadt weiter ein. Die im Januar 2014 vom IS eroberte Stadt ist nach Mossul die wichtigste Bastion der Dschihadisten im Irak.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte die USA wegen ihrer Unterstützung kurdischer Milizen gegen den IS in Syrien. Erbost zeigte er sich über Fotos von US-Soldaten mit Uniformabzeichen der YPG, der Miliz der syrischen Kurdenpartei PYD.

Die US-Spezialeinheiten sollen Kurdentruppen beim Vormarsch auf die IS-Hochburg Al-Rakka unterstützen. Der Sprecher der US-Armee im Irak, Steve Warren, nannte das Tragen der Abzeichen unangebracht, verwies aber auf eine alte Praxis von Spezialkräften bei der Zusammenarbeit mit fremden Einheiten.

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