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Anschläge in Afghanistan und Pakistan : Viele Tote bei Anschlag auf Polio-Impfzentrum und Konsulat

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Fast zeitgleich verüben Extremisten Anschläge auf ein Impfzentrum in Pakistan und ein Konsulat im Osten Afghanistans.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 14:40 Uhr

Quetta | Bei Anschlägen in Pakistan und Afghanistan haben Extremisten mehr als 20 Menschen getötet. In der südwestpakistanischen Stadt Quetta starben mindestens 15 Menschen bei einem Taliban-Selbstmordattentat auf eine Einrichtung für Impfungen gegen die Kinderlähmung. Fast zeitgleich griffen Bewaffnete am Mittwochmorgen in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad das pakistanische Konsulat an. Sieben Polizisten und drei Angreifer kamen ums Leben. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Polio betrifft meist Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren. Die Virus-Erkrankung gilt in weiten Teilen der Welt, auch in Deutschland, als ausgerottet – vor allem Dank der Impfungen. In Europa gab es zuletzt in der Ukraine zwei Polio-Fälle, dort mangelt es laut WHO an Impfstoff, nur die Hälfte der Kinder ist geimpft.

„Kinder sind nicht ums Leben gekommen“, sagte ein Arzt im zivilen Krankenhaus der Stadt Quetta, der ungenannt bleiben wollte. Polizeisprecher Dilawar Khan sagte, bei der starken Explosion am Mittwoch seien 13 Polizisten und zwei Zivilisten gestorben. 25 Menschen seien durch Bombensplitter verletzt worden, zwei von ihnen schwer - meist handele es sich dabei um Sicherheitskräfte.

Die Leiterin der Anti-Polio-Initiative in Pakistan, Ayesha Farooq, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Polizisten in Quetta hätten sich gerade versammelt, um Teams zu begleiten, die später rund um die Stadt Kinder impfen sollten. Dann habe der Attentäter seinen Sprengsatz gezündet. Der Polizei zufolge starben 13 Beamte und zwei Zivilisten. Auch unter den 25 Verletzten seien viele Sicherheitskräfte. Zu dem Anschlag bekannte sich die pakistanische Talibangruppe Tehrik-e Taliban.

Kinder wurden bei dem Anschlag auf ein Polio-Impfzentrum nicht getroffen.

Kinder wurden bei dem Anschlag auf ein Polio-Impfzentrum nicht getroffen.

Foto: dpa

Pakistan hatte zwei Tage zuvor eine Initiative zur Polio-Impfung von 2,4 Millionen Kindern gestartet. Impfkampagnen werden in dem Land streng bewacht. Manche Extremisten denken, die Impfungen seien eine Verschwörung zur Sterilisierung von Muslimen, andere, dass Impfhelfer westliche Spione seien. Rund 100 Polizisten und Krankenschwestern wurden seit 2012 bei Angriffen von Islamisten auf Impfteams getötet.

Pakistan und Afghanistan sind die einzigen Länder, in denen Kinder noch an der gefährlichen Kinderlähmung erkranken. Farooq kündigte eine Fortsetzung der Impfungen an.

Tehrik-e Taliban war Ziel großer Militäroffensiven, nachdem einige Kämpfer im Dezember 2014 an einer vom Militär betriebenen Schule in Peschawar 136 Kinder massakrierten. Die Armee gibt an, seitdem mehr als 3500 Taliban getötet zu haben.

Der Polizeichef von Quetta, Manzoor Sarwar Chaudhry, sagte, es habe sich „mindestens um eine Sieben-Kilo-Bombe“ gehandelt. „Wir untersuchen noch, ob es die Tat eines Selbstmordattentäters war.“

Fast zeitgleich gab es am Mittwochmorgen in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad einen Anschlag nahe dem pakistanischen Konsulat. In der Innenstadt sprengte sich ein IS-Kämpfer mit einer Autobombe in die Luft. Anschließend kämpften Sicherheitskräfte fast vier Stunden gegen zwei weitere Extremisten, die sich in ein leerstehendes Haus geflüchtet hatten. Bei dem Gefecht starben neben den beiden IS-Mitgliedern nach Angaben des Innenministeriums sieben Polizisten.

Seit dem Sommer hat die Zahl amerikanischer Drohnenangriffe und afghanischer Militärschläge gegen den IS in Ostafghanistan stark zugenommen. Der Oberbefehlshaber der Nato-Mission Resolute Support, John Campbell, sagte im Dezember, der IS arbeite dort auf eine feste Basis hin und verfüge mittlerweile über 1000 bis 3000 Kämpfer.

Das pakistanische Außenministerium ermahnte die afghanische Regierung in einer Stellungnahme, ihre Einrichtungen zu schützen. Pakistanische Einrichtungen sind in Afghanistan bisher nicht angegriffen worden.

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