zur Navigation springen

Mordanklage in den USA : Video zeigt: Weißer Polizist schießt auf Schwarzen

vom

Der Polizist sagt, er habe unter Todesangst geschossen. Ein Passantenvideo zeigt ein anderes Bild des Vorfalls.

Charleston | In den USA sorgt ein neuer Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze für Aufsehen. Nach tödlichen Schüssen auf einen 50-jährigen Afroamerikaner wurde am Dienstag ein weißer Polizist im Bundesstaat South Carolina offiziell wegen Mordes angeklagt. Der 33-Jährige hatte nach dem Vorfall in der Stadt North Charleston vom vergangenen Samstag angegeben, er habe um sein Leben gefürchtet, nachdem ihm der anscheinend unbewaffnete Afroamerikaner bei einer Verkehrskontrolle seine Elektroschock-Waffe entrissen habe.

Zuletzt hatten in den USA mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze Empörung ausgelöst:

Eric Garner: Der 43-Jährige wird Mitte Juli 2014 bei einem Polizeieinsatz in New York getötet. Er stirbt an den Folgen eines Würgegriffs. Er wurde des illegalen Zigarettenverkaufs verdächtigt. Der Mann litt an Asthma. Es wird keine Anklage gegen den weißen Polizisten erhoben.
Tamir Rice: Der 12-Jährige stirbt Ende November 2014 in Cleveland im Bundesstaat Ohio nach Schüssen aus einer Waffe eines weißen Polizisten. Eine Waffenattrappe, die der Junge in den Händen hielt, befanden die Beamten für echt. Der Polizist schoss binnen Sekunden auf den Teenager.
Rumain Brisbon: Der 34-Jährige wird in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona im Dezember 2014 von einem weißen Polizisten erschossen. Zwei Schüsse treffen den Mann. Bei einer Auseinandersetzung vermutete der Polizist eine Waffe in der Tasche Brisbons.
Michael Brown: In Ferguson (Missouri) kommt es zu tagelangen Unruhen, nachdem im August 2014 ein Beamter den unbewaffneten afroamerikanischen Teenager Michael Brown erschossen hatte.

Ein Video, das unter anderem der „New York Times“ zugänglich gemacht wurde, zeigt indessen, dass der Beamte dem vierfachen Vater mehrfach in den Rücken schoss, während dieser zu fliehen versuchte. Der Zeitung zufolge feuerte der Polizist acht Mal auf den Familienvater. Aus Szenen des Videos könnte laut Berichten auch hervorgehen, dass der Beamte anschließend seine Elektroschock-Waffe neben den Toten legte und sie ihm - nicht wie behauptet - entrissen wurde. Das Video soll von einem Passanten stammen.

Der 50-Jährige sei fünfmal getroffen worden, viermal davon im Rücken, berichtete die Charlestoner Zeitung „Post and Courier“ unter Berufung auf den Anwalt der Familie des Getöteten. Die Bundespolizei FBI will den Fall nach Angaben des US-Justizministeriums in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden untersuchen.

Der Bürgermeister von North Charleston sagte dem Blatt zufolge, der Polizist habe eine falsche Entscheidung getroffen. „Wenn man falsch liegt, liegt man falsch“, sagte Keith Summey auf einer Pressekonferenz. Die Gouverneurin des Bundesstaats, Nikki Haley, erklärte, die Schüsse seien nicht hinnehmbar.

Ein Experte in Sachen Polizeigewalt nannte die Szene auf dem Video ungeheuerlich. „Der Mensch flüchtet. Er hat keine Waffe. Und er hat sich nicht umgedreht“, sagte Samuel Walker, emeritierter Professor der Universität Nebraska der Zeitung „Post and Courier“. Für die Schüsse des Polizisten auf den Flüchtenden geben es keine Rechtfertigung.

Laut „Post and Courier“ war der 50-jährige Schwarze rund zehnmal inhaftiert, zumeist wegen nicht geleisteter Unterhaltszahlungen für seine Kinder. Sein Bruder sagte dem Blatt, er sei vermutlich geflüchtet, weil er nicht wieder wegen versäumter Zahlungen festgenommen werden wollte.

Bürger der Stadt mit rund 100.000 Einwohnern riefen für Mittwoch zu einem Protestmarsch vor dem Rathaus auf. Die Hälfte der Bevölkerung ist laut „New York Times“ schwarz.

Unterdessen wurden erstmals nach den Unruhen in der US-Stadt Ferguson zwei Afroamerikaner in den Stadtrat gewählt. Wie die „St. Louis Post-Dispatch“ berichtete, sind nun drei der sechs Stadträte in Ferguson schwarz. Die neu gewählten Stadträte gelten als moderat. Kandidaten, die weitreichende Veränderungen in der Polizei und Gerichtsbarkeit von Ferguson gefordert hatten, kamen demnach nicht zum Zug. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 30 Prozent, dreimal so hoch wie bei den letzten Wahlen für den Stadtrat vor zwei Jahren, schrieb die „New York Times.“

zur Startseite

von
erstellt am 08.Apr.2015 | 11:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert