Seltenes Tier im Grossen Belt : Video: Weißer Schweinswal in der Ostsee gesichtet

Der weiße Schweinswal ist ein extrem seltenes Tier.
Der weiße Schweinswal ist ein extrem seltenes Tier.

In 100 Jahren gab es nur 15 Sichtungen weißer Schweinswale. Jetzt schwimmt ein Exemplar zwischen Stralsund und Fünen in der Ostsee.

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17. Juni 2015, 10:07 Uhr

Stralsund/Fünen | Ein extrem seltener weißer Schweinswal ist in der Ostsee gesichtet worden. Ein Wassersportler hatte das Tier bereits am 4. Juni in der Ostsee im Großen Belt (Dänemark) entdeckt und gefilmt, wie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, am Mittwoch sagte. Das Video zeigt das Tier nahe der Große-Belt-Brücke in Dänemark:

Schweinswale, eine der kleinsten Zahnwalarten, kommen in allen Ozeanen vor. Gesichtet wurden weiße Exemplare der bis zu 2,5 Meter großen Meeressäuger unter anderem im Schwarzen Meer sowie im Atlantik. 2007 wurde ein weißes Exemplar dokumentiert, als es unter der Golden Gate Bridge von San Francisco durch schwamm.

Bislang wurden nach Benkes Angaben in den vergangenen 100 Jahren weltweit nur Sichtungen von 15 weißen Schweinswalen dokumentiert. „Wir nehmen an, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das bereits 2008 im Großen Belt und 2012 bei Fehmarn gesichtet wurde.“

Der Schweinswal leide unter einem genetischen Defekt, offenbar dem sogenannten Leuzismus. Bei diesen Tieren habe die Haut keine farbstoffbildenden Zellen (Melanozyten). „Der weiße Schweinswal in der Ostsee ist quasi der kleine Bruder von Moby Dick“, sagte Benke scherzhaft. Der im Roman von Hermann Melville 1851 beschriebene legendäre weiße Wal gehört zur größten Zahnwal-Gruppe, den Pottwalen.

Ein genauer Fotoabgleich soll jetzt endgültige Sicherheit bringen, ob es sich um dasselbe Tier handele, das bereits in den Vorjahren in der Ostsee gesichtet wurde, wie die Stralsunder Meeresbiologin Anja Gallus sagte. Die räumliche Nähe spreche aber dafür.

Auch erste Erkenntnisse ließen sich dann ableiten. „Sollte es das identische Tier sein, dann wissen wir, dass es trotz seines auffälligen Aussehens über Jahre hinweg erfolgreich jagen kann“, sagte Gallus. Bei den Schweinswalen ist der Rücken normalerweise grau und die Unterseite hell, damit die eleganten Schwimmer im Wasser nicht zu schnell von Fressfeinden entdeckt werden können. Als natürliche Feinde gelten die Schwertwale.

Neueste Hinweise aus den Niederlanden und Schottland sprächen dafür, dass zumindest in der Nordsee auch Kegelrobben Jagd auf Schweinswale machen, wie Gallus sagte. Darauf deuten Bissspuren an Schweinswal-Kadavern. Für die Ostsee gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Kegelrobben Schweinswale angreifen. Schwertwale kommen in der Ostsee nicht vor. „Hier fehlen den Schweinswalen die natürlichen Feinde.“

In der Ostsee leben zwei Schweinswal-Populationen: die Beltsee-Population mit schätzungsweise 12.000 bis 20.000 Tieren und die seltene Ostseeschweinswal-Population mit rund 450 Tieren. Die Ostseeschweinswale unterscheiden sich nicht nur räumlich, sondern auch morphologisch von der größeren Beltsee-Population. Zur Beltsee-Population gehört nach Angaben der Forscher offenbar auch das nun gesichtete weiße Exemplar.

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