zur Navigation springen

Attentat auf Kölner Bürgermeisterin : Verteidiger fordert maximal 15 Jahre für Angreifer von Henriette Reker

vom

Die Bundesanwaltschaft beantragt eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Mordes. Der Angeklagte gibt die Tat zu, bestreitet aber Reker töten zu wollen.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 13:15 Uhr

Köln | Im Prozess um das Attentat auf die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat der Verteidiger eine Strafe von maximal 15 Jahren Haft beantragt. „Man muss seine schwere psychische Erkrankung strafmildernd berücksichtigen“, sagte Rechtsanwalt Jasper Marten am Mittwoch am Düsseldorfer Oberlandesgericht über seinen Mandanten. Was aus der Kindheit des Angeklagten bekannt sei, lasse einen schaudern. Auch wenn er noch nie derart von einem Mandanten beleidigt und zurückgewiesen worden sei, werde er dessen Wunsch berücksichtigen und zur Beweisaufnahme keine Stellung nehmen.

Die parteilose Politikerin Reker wurde bei dem Attentat lebensgefährlich verletzt und lag während ihrer Wahl an die Stadtspitze im künstlichen Koma. Frank S. war unmittelbar nach der Bluttat noch am Tatort festgenommen worden. Er gestand die Tat.

Im Ergebnis, nicht im Strafmaß, stimme er aber mit der Bundesanwaltschaft überein, sagte der Anwalt in seinem Plädoyer. Die Bundesanwaltschaft hatte die Tat als versuchten Mord gewertet und lebenslange Haft beantragt. Der Angeklagte bezeichnete die Äußerungen seines Anwalts als „unglaublich“ und bestritt erneut eine Tötungsabsicht: „Die Beweisaufnahme ist auf stümperhaft manipulierten Akten und Asservaten aufgebaut“, sagte der 44-Jährige. Er sei bei bester Gesundheit und klarem Verstand: „Die Gutachten wurden einfach gefälscht.“ Der psychiatrische Gutachter Prof. Norbert Leygraf hatte Frank S. eine paranoid-narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert. Er sei dennoch voll schuldfähig.

Der Angeklagte verglich sich mit dem Attentäter der ermordeten britischen Labour-Abgeordneten Jo Cox: „Dieser Mann wollte töten. Jeder, der einmal zusticht, hat keine Tötungsabsicht. Ich wollte Reker nur verletzen.“ Der früher zur rechten Szene gehörende Angeklagte hatte Reker einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin ein großes Jagdmesser in den Hals gerammt und sie lebensgefährlich verletzt. Als Motiv hatte er Rekers Flüchtlingspolitik genannt.

Das Gericht will das Urteil am 1. Juli verkünden.

Zur Person: Henriette Reker

  • Henriette Reker (59) ist die erste Frau an der Spitze Kölns. Vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin war sie fünf Jahre lang Sozialdezernentin in Nordrhein-Westfalens größter Stadt. Als parteilose Kandidatin wurde sie unterstützt von CDU, FDP und den Grünen. Im Wahlkampf versprach sie einen „tiefgreifenden Wandel“ und kündigte an, durch diverse Skandale in der Domstadt verloren gegangenes Vertrauen in Politik und Verwaltung zurückzugewinnen.
  • Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln geriet Reker erneut in den Fokus: Ihre Empfehlung an Frauen, eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten, sorgte für Empörung und Spott. Später distanzierte sie sich von dieser Empfehlung: „Ich hätte mir im Nachhinein diese unglückliche Aussage mit der Armlänge ersparen können“, sagte sie in einer Bilanz ihrer ersten 100 Tage im Amt.
  • Reker ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach dem Jurastudium arbeitete sie in Bielefeld, Münster und Gelsenkirchen, bevor sie 2010 nach Köln zurückkehrte. Zehn Jahre lang sammelte sie Verwaltungserfahrung als Dezernentin in Gelsenkirchen. Verheiratet ist Reker mit dem australischen Golflehrer Perry Somers.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen