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Flug MS804 von Egypt Air : Vermisstes ägyptisches Flugzeug soll abgestürzt sein

vom
Aus der Onlineredaktion

66 Menschen sollen an Bord sein. Der Kontakt zur Maschine brach um 2.45 Uhr über dem Mittelmeer ab. Die ägyptische Armee sucht nach dem Flugzeug.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 08:24 Uhr

Paris/Kairo | Das vermisste ägyptische Passagierflugzeug ist Informationen aus der Regierung in Kairo zufolge abgestürzt. Dies hätten erste Suchergebnisse ergeben, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Kreisen des Luftfahrtministeriums in der ägyptischen Hauptstadt. Die Absturzursache sei noch unklar. Es könne sich sowohl um technisches Versagen wie auch einen Terroranschlag handeln.

In den vergangenen Monaten gab es im Zusammenhang mit Ägypten mehrere aufsehenerregende Vorfälle im Flugverkehr. Erst Ende März entführte ein Mann mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels eine Egypt-Air-Maschine nach Zypern. Niemand wurde verletzt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen getötet wurden, hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Das Flugzeug der Airline Egyptair war am späten Mittwochabend mit 66 Menschen an Bord von Paris aus nach Kairo gestartet. Der Kontakt brach nach Angaben der Fluggesellschaft 280 Kilometer vor dem ägyptischen Festland ab.

Nach Egyptair-Angaben gab die Passagiermaschine ein automatisches Notsignal ab, dieses hätten Rettungskräfte des Militärs um 4:26 Uhr erhalten. Die Armee bestritt jedoch, Notrufmitteilungen bekommen zu haben. Die Maschine war gegen 2.30 Uhr vom Radar verschwunden. Zuvor hatte die Fluggesellschaft von 2.45 Uhr gesprochen. Eigentlich sollte die Maschine um 3.15 Uhr in der früh in Kairo landen. Der Airbus habe sich auf einer Höhe von mehr als 11.000 Metern befunden und war gerade erst etwa 16 Kilometer in den ägyptischen Luftraum vorgedrungen.

Hintergrund: Egyptair ist die staatliche Fluggesellschaft Ägyptens

Egyptair ist die staatliche Fluggesellschaft Ägyptens. Die Airline ist seit 2008 Teil des internationalen Luftfahrtbündnis Star Alliance, zu dem auch die Lufthansa gehört. Die Gesellschaft betreibt eine Flotte aus rund 80 Maschinen und fliegt vor allem mit modernen Flugzeugen der großen Hersteller Boeing und Airbus. Das Durchschnittsalter der Flieger lag laut Egyptair zuletzt bei rund 10 Jahren. Damit liegt die Airline im üblichen Rahmen, bei der Lufthansa sind die Maschinen im Schnitt ein wenig älter, bei Emirates etwa deutlich jünger. Das häufigste Muster ist die Boeing 737 mit 20 Flugzeugen, gefolgt vom Airbus A320 mit 13 Maschinen.

Die Fluglinie wurde im Mai 1932 gegründet und war nach eigenen Angaben damit die erste Airline im Nahen Osten und in Afrika.

In Kairo wurde ein Krisenstab eingerichtet. Das Luftfahrtministerium teilte mit, der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismael sei im Hauptquartier des Krisenstabes eingetroffen und mache sich ein Bild von der Lage. Er habe alle betroffenen Behörden angewiesen, alles Mögliche zur Lösung der Krise zu tun.

Egyptair gab auch die Nationalitäten der gelisteten 56 Passagiere des vermissten Flugs MS804 bekannt. Deutsche standen nicht auf der via Twitter veröffentlichten Liste. 30 Menschen - und damit der Großteil - kamen aus Ägypten, 15 sind Franzosen, außerdem 2 Iraker. Laut Egyptair waren zudem ein Brite, ein Belgier und ein Portugiese an Bord gelistet. Hinzu kommt jeweils ein Passagier aus Kanada, Kuwait, Saudi-Arabien, dem Sudan, dem Tschad und Algerien. Außerdem befanden sich offiziellen Angaben zufolge sieben Crewmitglieder und drei Sicherheitsleute an Bord.

 

Angaben aus Kairoer Behördenkreisen zufolge entsandte die Armee Flugzeuge, um das Gebiet der mutmaßlichen Unfallstelle über dem Mittelmeer abzusuchen. Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommunikation nachgezeichnet. Diese endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland.

 

Auch zwei Flugzeuge der griechischen Luftwaffe und eine griechische Fregatte nehmen laut griechischen Medienberichten an der Suche nach dem vermissten Flieger teil. Die Suchaktion sei mit den ägyptischen Behörden vereinbart worden, hieß es.

Nach Angaben des zuständigen Ministeriums brach der ägyptische Luftfahrminister Scherif Fathi am Donnerstag einen Besuch in Saudi-Arabien ab und machte sich auf den Weg nach Kairo.

Hintergrund: Dramen in Ägyptens Luftverkehr

März 2016

Ein Airbus der ägyptischen Gesellschaft Egyptair wird auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo entführt und landet auf dem Flughafen von Larnaka auf Zypern. Stunden später lässt der ägyptische Luftpirat alle Geiseln frei und gibt auf. Unklarheit herrscht bis zuletzt über das Tatmotiv. Zyprische Regierungsvertreter schließen einen Terrorhintergrund aus.

Oktober 2015

Ein russischer Airbus stürzt nach dem Start vom Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Insassen kommen ums Leben. Eine ägyptische Untersuchungskommission erklärt im Dezember, sie sehe keine Hinweise auf einen Terrorakt. Russland geht jedoch weiterhin von einem Anschlag aus. Auch Regierungen im Westen erklären, ein Attentat sei wahrscheinlich. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekennt sich zu einem Anschlag.

September 2014

Beim Absturz einer militärischen Transportmaschine nahe der Oase Al-Fajumin südöstlich von Kairo werden sechs Soldaten getötet. Als Ursache nennt ein Armeesprecher technische Defekte.

Januar 2012

Sicherheitskräfte am Flughafen Kairo finden an Bord eines libyschen Flugzeuges eine Gasbombe. Der Sprengsatz wird entschärft. Wäre er explodiert, hätte es eine „Katastrophe“ gegeben, sagt ein Flughafensprecher. Die Maschine war mit der Bombe im Handtuch-Fach der Bordtoilette von Tripolis nach Kairo geflogen.

Januar 2004

Beim Absturz einer Boeing 737 der ägyptischen Gesellschaft Flash Airlines über dem Roten Meer vor Scharm el Scheich kommen alle 148 Insassen ums Leben, darunter 135 Urlauber aus Frankreich. Als Ursachen für das Unglück gelten eine technische Panne kurz nach dem Start und Sicherheitsmängel der Billig-Airline.

Oktober 1999

Vor der US-Ostküste wird eine Boeing 767 der Egyptair mit 217 Menschen an Bord vermisst. Radardaten ergeben, dass die Maschine aus 10.000 Metern auf die halbe Höhe absackte, wieder auf 7300 Meter hochkam und schließlich in die See stürzte. US-Ermittler vermuten, dass der ägyptische Ersatzpilot die Maschine in Selbstmordabsicht abstürzen ließ. Niemand überlebt.

 
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