"Bright Star" : Verbotene Liebe: John Keats Skandal-Briefe im Kino

Als sich der schwermütige Poet John Keats und die Schneiderin Fanny Brawne ineinander verlieben, bekommen sie gleich von zwei Seiten Gegenwind. Foto: dpa
Als sich der schwermütige Poet John Keats und die Schneiderin Fanny Brawne ineinander verlieben, bekommen sie gleich von zwei Seiten Gegenwind. Foto: dpa

Regisseurin Jane Campion begibt sich auf die Spuren des Dichters John Keats und schildert eine flammende, tragische Liebe im prüden 19. Jahrhundert.

shz.de von
22. Dezember 2009, 11:07 Uhr

Wer die Liebe im Kino nur mag, wenn sie "happy" endet, ist hier im falschen Film. Doch für Freunde echter Romantik, von Poesie und sinnlicher Zartheit ist "Bright Star" ein betörendes Weihnachtsgeschenk. Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion begibt sich in ihrem Werk auf die Spuren des britischen Dichters John Keats und schildert eine flammende, tragische Liebe im prüden 19. Jahrhundert.
Campion hat vor 16 Jahren mit "Das Piano" als einzige Frau bisher die Goldene Palme des Festivals von Cannes gewonnen. Seither hat sie viele Filme in historischem Ambiente mit klugem Blick auf die Geschlechterverhältnisse gedreht. Nun setzt sie das unziemliche Begehren zweier ganz besonderer Menschen in der prüden viktorianischen Gesellschaft in sagenhaft schöne Bilder um.
Kreatives Nähen und brotlose Dichtkunst
Der englische Poet Keats (1795-1821), gespielt von Ben Whishaw aus "Das Parfüm", war vor seinem frühen Tod an Tuberkulose zwei Jahre lang in Fanny Brawne verliebt. Die junge, kesse Frau vertrieb sich ihre Wartezeit auf den richtigen Mann mit kreativem Nähen - heute wäre sie wahrscheinlich Modedesignerin. Brawne lebte zeitweilig sogar mit Keats unter einem Dach. Doch eine Heirat war unmöglich, weil Keats kein Geld hatte und seine Gedichte damals kaum Anerkennung fanden. Der beseelte Briefwechsel des Paares, lange nach Keats Tod veröffentlicht, sorgte seinerzeit für einen Skandal.
Jane Campion hat das Drehbuch zu "Bright Star - Meine Liebe. Ewig" gemeinsam mit dem britischen Keats-Biografen Andrew Motion geschrieben. Es ist ein Genuss, die Menschen auf der Leinwand reden zu hören. Gleichzeitig lädt die Regisseurin die Bilder dieser hoffnungslosen Hingabe, die durch Keats" Krankheit noch schmerzhafter wird, sinnlich auf: Die Gedichte finden ihren Widerhall im Licht, in den berauschenden Farben der Natur, der Textur von handgewebten Stoffen, gelockten Haarsträhnen, locker verknoteten Kordeln und Momenten innigster Nähe.
Ein Frauenfilm? "Natürlich", sagte die Regisseurin in Cannes. "Ich kann doch nicht anders. Ich sehe die Welt durch meine Augen und kann nicht aus meiner Haut." Um den frech-anmaßenden Ton der jungen Fanny Brawne zu finden, habe sie sich allerdings Unterstützung bei ihrer Teenager-Tochter Alice geholt. "Denn ich bin nicht wirklich witzig", bekannte Campion. Den richtigen Ton treffen auch die Schauspieler in "Bright Star": Die Traurigkeit, aber auch die Strahlkraft dieser Liebe wird von Abbie Cornish und Ben Whishaw wundervoll verkörpert. Whishaw ist ganz der glühende, schwankende Künstler. Und die Australierin Cornish (27) geht mit rosiger Frische ganz in ihrer Rolle auf.

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