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Neue Studie zu Mikroplastik : Unsichtbares Plastik: Die Gefahr im Leitungswasser

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159 Proben beweisen eine erschreckende Entwicklung: Die Welt vermüllt. Auch im Trinkwasser schwimmen Plastik-Partikel.

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erstellt am 06.Sep.2017 | 10:31 Uhr

Delaware | Überall auf der Welt ist Leitungswasser durch Mikroplastik verunreinigt. Das zeigt eine neue Studie von Wissenschaftlern im Auftrag von Orb Media. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ unter Berufung auf die Ergebnisse berichtet, sind in etwa 83 Prozent der Proben Plastik-Partikel nachgewiesen worden. In mehr als einem Dutzend Länder hatten die Forscher 159 Proben entnommen.

Die neue Analyse zeigt die enormen Ausmaße der Verunreinigung der Umwelt mit Mikroplastik. Bislang lag der Fokus immer auf der Kontamination der Ozeane. Dass auch das Trinkwasser belastet ist, verdeutlicht die Gefahr, die beispielsweise von Plastik in Kosmetika oder Shampoos ausgeht. Jedes Jahr werden 300 Millionen Tonnen Plastik produziert und nur 20 Prozent recycelt. 

Spitzenreiter sind die USA, wo 94 Prozent der Proben Mikrofasern enthielten. Proben wurden hier beispielsweise im Kongressgebäude, dem Hauptbüro der Umweltbehörde und im Trump Tower in New York entnommen. Der Libanon und Indien belegten die nachfolgenden Ränge.

Das Leitungswasser in europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Deutschland und Frankreich, weisen die niedrigsten Verunreinigungen auf. Dennoch wurden auch hier in 72 Prozent der Fälle Mikropartikel nachgewiesen. Durchschnittlich wurden in einer 500-Milliliter-Probe in den USA 4,8, in Europa 1,9 Plastikfasern gefunden.

Dr. Sherri Mason von der University of New York in Fredonia überwachte die Analyse für Orb Media. Die Expertin für Mikroplastik sagt: „Wir haben genug Daten über die Auswirkung auf die Tierwelt gesammelt, um uns Sorgen zu machen.“ Wenn es die Tierwelt betreffe, dann auch uns. Richard Thompson, Forscher an der Universität Plymouth fand bereits heraus, dass Mikroplastik in rund einem Drittel des gefangenen Fisches in Großbritannien steckt.

Eine kleine Studie aus Irland hatte im Juni ebenfalls Mikroplastik in Trinkwasser-Proben gefunden. „Wir kennen die gesundheitlichen Auswirkungen nicht, weshalb wir sofort handeln müssen, um rauszufinden, was die Risiken sind“, sagte die für die Studie verantwortliche Wissenschaftlerin Anne Marie Maho vom Galway-Mayo Institute of Technology. Dabei gehe es um die Plastikpartikel und die Chemikalien und Krankheitserreger, die daran haften. Sofern sie nur noch Größen im Nanometer-Bereich haben, seien sie in der Lage, in Zellen einzudringen und somit auch in Organe, sagt Maho. Die Orb-Analyse registrierte Partikel mit einer Größe von 2,5 Mikrometer – 2500 Mal größer als ein Nanometer.

Die globale Mikroplastik-Verschmutzung macht auch eine Studie aus Deutschland deutlich. Die Forscher Gerd und Elisabeth Liebezeit veröffentlichten Ergebnisse, wonach in 24 Biersorten Plastik nachgewiesen werden konnte. Vermutlich stammen sie aus Fleece-Stoffen, Teppichen und anderer Bekleidung. Die Mikrofasern gelangen vermutlich beim Waschen oder Trocknen in die Umwelt. Während Wäschetrockner Fasern in die Luft pusten, könnte eine einzige Waschmaschinenladung rund 700.000 Fasern in die Umwelt leiten.

Eine Studie aus Frankreich fand 2015 heraus, dass in Paris drei bis zehn Tonnen Mikroplastik quasi aus der Luft fallen auf die Stadt fallen. Die Fasern seien demnach auch in der Luft in Wohnungen und Häusern nachzuweisen. Beim Einatmen gelangen die Stoffe dann in die Lunge und den Kreislauf – mit bislang unerforschten Auswirkungen.

Wasserfilter oder das Umsteigen auf Wasser aus Flaschen gibt keine Sicherheit. Denn auch in Mineralwasser aus der Flasche wurde Mirkoplastik nachgewiesen.

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