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Nach Rauswurf wegen Überbuchung : United, Delta, Eurowings: Airlines und ihre Passagier-Skandale

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„Der Kunde ist König“ – mit diesem Motto nehmen es manche Airlines offenbar nicht ganz so genau. Einige Fälle aus den letzten Jahren.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 12:57 Uhr

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit macht die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines mit dem gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers Negativschlagzeilen. Doch mit diesem Skandal ist die Airline nicht allein. Eine Auswahl aus den letzten Jahren.

Passagier filmt stundenlangen Ryanair-Albtraum

Fast acht Stunden mussten Ryanair-Passagiere auf dem Weg von London nach Porto im Februar 2014 warten – vier am Gate und weitere vier im parkenden Flieger. Erst waren Windböen Schuld an der massiven Verzögerung, später kam nach Angaben der Billig-Airline ein Betankungsproblem hinzu. Doch Erklärungen gab es für die Passagiere im Flugzeug nicht – und auch keinerlei Verpflegung.

Immer wieder griff einer der Fluggäste zur Kamera, um die Zustände zu dokumentieren. Den Bitten mehrerer Passagiere nach Wasser, Essen oder Klimatisierung wurde nicht nachgekommen. Auch das Flugzeug verlassen durften die Menschen an Bord aus Sicherheitsgründen nicht.

Schließlich alarmierten einige Fluggäste die Polizei, welche den Passagieren Zugang zum Terminal verschaffte.

Zwölf Stunden nach dem geplanten Start wagten sich einige der gebeutelten Passagiere wieder an Bord – und schafften es dieses Mal an ihr Ziel.

 

American Airlines wirft Passagierin raus – weil sie weint

Nach der Standpauke eines Stewards reagierte eine Passagierin auf einem American-Airlines-Flug im Oktober 2015 nicht so gefasst wie vom Bordpersonal erwartet – und wurde aus der Maschine komplementiert.

Die Frau hatte zuvor auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz den Mittelgang blockiert und wurde daraufhin von einem Flugbegleiter unsanft angeschnauzt. Wegen des ruppigen Tones brach die Passagierin in Tränen aus, was schließlich zum Rausschmiss der Frau führte.

Mitreisende reagierten empört, ein im Internet kursierendes Video von dem Vorfall wurde inzwischen gelöscht.

 

Eurowings lässt 90 Passagiere auf dem Rollfeld stehen

Erst verspätete sich der Flug, dann hob das Eurowings-Flugzeug ab – vor der Nase zahlreicher Passagiere, die im Juni 2016 von Düsseldorf nach Dresden fliegen wollten.

Ein Fluglotsenstreik in Italien war Schuld daran, dass der ursprüngliche Flugplan nicht eingehalten werden konnte. Zwei Stunden später als erwartet befanden sich die 110 Passagiere endlich im Bus auf dem Weg zu ihrem Flieger. Doch nur die ersten 40 hoben auch tatsächlich ab. Den restlichen von ihnen kam das Nachtflugverbot in die Quere – der Pilot wollte vorher starten. Sie konnten aus dem Bus nur noch sehen, wie sich ihr Flieger ohne sie auf den Weg zur Startbahn machte – immerhin: Ihr Gepäck war an Bord.

 

Delta Airlines lässt schwarze Ärztin nicht helfen

„Sucht sofort einen Arzt an Bord“ hieß es auf einem Delta-Airlines-Flug im Oktober 2016, als ein Passagier zusammenbrach. Die Gynäkologin Tamika Cross meldete sich kurzerhand, wurde von der Stewardess jedoch mit den Worten „Oh nein, Süße, nimm deine Hand wieder runter. Wir sind auf der Suche nach richtigen Ärzten, Krankenschwestern oder jemandem mit medizinischer Erfahrung. Wir haben gerade keine Zeit, für diesen Quatsch“ abgewürgt. Tamika Cross ist farbig. In einem emotionalen Facebook-Post wirft sie der Airline Rassismus vor.
 

 

Dort schildert sie, wie die Flugbegleiterin Referenzen von ihr einforderte, während der Fluggast weiter weggetreten war. Ein weißer Mann wurde schließlich zu dem Kranken durchgelassen – ganz ohne Fragen. Erst später wurde auch Cross zur Behandlung hinzugezogen, die Flugbegleiterin entschuldigte sich für ihr Verhalten.

 

Delta-Airlines wirft Youtube-Star aus dem Flugzeug – weil er arabisch spricht?

Im Dezember 2016 macht Delta erneut Negativschlagzeilen. Glaubt man der Darstellung von Youtuber Adam Saleh wurde er aus dem Flugzeug komplementiert, weil er auf arabisch mit seiner Mutter telefonierte und sich einige Fluggäste daraufhin unwohl in seiner Gegenwart fühlten. Auf Twitter teilte Saleh ein Video.

Während einige Fluggäste seinen Abgang bejubeln, setzen sich andere für den Youtuber ein.

Im Internet jedoch kursiert eine komplett andere Darstellung des Falls. Demnach soll der für Pranks bekannte Youtuber die Fluggäste mit arabischen Rufen provoziert haben. Die Airline selbst beteuert, Saleh und sein Freund haben sich an Bord störend verhalten und immer wieder laut gerufen.

 

United Airlines wirft Passagierinnen wegen Leggings aus dem Flugzeug

Zwei Teenager durften im März 2017 nicht mit der Fluggesellschaft United Airlines fliegen, weil sie Leggings trugen. Die Empörung in den sozialen Netzwerken war groß, nachdem Twitter-Userin Shannon Watts dort ihren Unmut über den Verweis der beiden Mädchen kundtat.

United selbst begründet ihr Vorgehen damit, dass die beiden mit einem speziellen Flugpass für Airline-Angehörige und Freunde reisen wollten. Dieser bringe gewisse Kleidungsvorschriften mit sich.

 

British Airways verweigert Seniorin den Toilettengang

Erst vor wenigen Tagen verweigerte die Fluggesellschaft British Airways einer 87-Jährigen während einer 90-minütigen Wartezeit auf dem Rollfeld den Gang zur Toilette. Die Frau nässte daraufhin ein und musste den 13-stündigen Flug von Los Angeles nach London in nasser Kleidung verbringen. Passagiere berichteten, die Frau habe den ganzen Flug über geweint.

Die Airline beruft sich auf ihre Sicherheitsrichtlinien, wonach alle Passagiere in ihren Sitzen bleiben müssen, sobald sich das Flugzeug am Boden bewegt habe.

 

United Airlines wirft Passagier gewaltsam aus überbuchtem Flug

Im aktuellen Fall hat United Airlines einen Passagier gewaltsam aus der Kabine entfernen lassen, weil das Flugzeug überbucht war. Videos von dem Vorfall zeigen, wie Sicherheitspersonal einen Mann über den Boden des Kabinengangs zum vorderen Ausgang des Flugzeuges zieht. Andere Fluggäste schauen fassungslos zu. Offenbar unter Schock sagt der Mann später mehrfach: „Tötet mich einfach!“ und „Ich muss nach Hause.“

Der Flug war überbucht, weil eine United-Crew mit an Bord sollte, die am nächsten Morgen in Louisville eingesetzt werden sollte. Nachdem kein Fluggast freilwillig seinen Sitz räumen wollte, wählte die Fluggesellschaft vier zufällige Passagiere aus. Der dann gewaltsam hinausgezogene Passagier ging nicht auf das Angebot ein, mit der Begründung, er sei Arzt und müsse am nächsten Tag Termine mit Patienten in Louisville einhalten.

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