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Anschlag in Villingen-Schwenningen : Unbekannte werfen Granate auf Flüchtlingsunterkunft

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Der Stift war gezogen, doch explodiert ist sie nicht: Bombenexperten sprengten die Handgranate am Freitagmorgen.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 10:45 Uhr

Villingen-Schwenningen | Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt. Nach dpa-Informationen landete eine scharfe Handgranate auf dem Gelände der Unterkunft im Schwarzwald-Baar-Kreis. Der Sicherheitssplint war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht.

Sicherheitskräfte entdeckten den Sprengkörper rechtzeitig. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Entschärfer sprengten die Handgranate in der Dattenbergstraße. Ob ein Zünder vorhanden war, ist bisher nicht bekannt. Zuvor hatte die Feuerwehr  eine Wasserversorgung aufgebaut und eine Landwirt mit Stroh einen Schutzwall gelegt, berichtet der „Schwarzwälder Bote“. Menschen kamen nicht zu Schaden. 20 Bewohner mussten kurzzeitig in einem anderen Gebäude unterkommen.

Innenminister Reinhold Gall (SPD) forderte die Mitarbeiter in seinem Zuständigkeitsbereich auf, sich von der grassierenden „Hysterie“ in der Flüchtlingskrise nicht anstecken zu lassen. In einem internen Schreiben hieß es: „Wir werden die Lage bewerten wie sie ist und nicht wie sie scheint, wir werden dem Rechtsstaat weiter konsequent Geltung verschaffen, wir werden Vernunft walten lassen, wo andere Aktionismus an den Tag legen.“

Im Südwesten gab es nach Auskunft des Innenministeriums vom Freitag im vergangenen Jahr 68 Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte. In Deutschland wurden im gleichen Zeitraum mit 173 Gewalttaten mehr als sechsmal so viele Übergriffe verzeichnet wie noch 2014, hatte das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitgeteilt. Besonders extrem ist die Zunahme bei den Brandstiftungen, wo die Zahl im Jahresvergleich von 6 auf 92 stieg. Seit dem 1. Januar 2016 hat das BKA weitere 10 Gewalttaten gegen Asylunterkünfte erfasst.

Die Gesamtzahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte stieg um mehr als das Fünffache von 199 auf 1005. Davon wurden 901 Taten als politisch motivierte Kriminalität (PMK) dem rechten Spektrum zugeschrieben. Im gesamten Jahr 2014 waren es noch 199 Straftaten gewesen, von denen 177 als PMK-rechts gewertet wurden.

Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil hat derweil eine Sonderkommission „Container“ eingerichtet. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen. Einzelheiten wollte die Polizei im Laufe des Tages mitteilen.

 

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