Silvesternacht in Mecklenburg-Vorpommern : Unbekannte sprengen Teile des historischen Borwin-Brunnens in Güstrow

Ständig umlagert war der Borwinbrunnen – der Anlass ist ein trauriger.
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Ständig umlagert war der Borwinbrunnen – der Anlass ist ein trauriger.

Unbekannte beschädigen das Bauwerk mutwillig durch eine Explosion. Der Schaden ist immens. Die Polizei sucht Zeugen.

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01. Januar 2018, 17:11 Uhr

Die unglaubliche Tat macht am Neujahrsmorgen deutschlandweit Schlagzeilen: Teile des historischen Borwinbrunnens in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) wurden in der Silvesternacht abgesprengt! Wie ein Lauffeuer ging die Meldung durch die Barlachstadt. Die Verbreitung von Fotos und eines Videos über die Tat in sozialen Netzen löste einen regelrechten Pilgerstrom aus, Menschen aus der ganzen Stadt machten sich auf den Weg, um das kaum Begreifliche mit eigenen Augen zu sehen. Empörung weit und breit. „Es ist unfassbar!“, sagt ein Mann, der seinen Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen will. Seine Sorge: „Wer so etwas tut, dem ist noch mehr zuzutrauen.“ Ähnlich die Reaktionen der meisten Passanten. Stadtpräsident Andreas Ohm, ebenfalls vor Ort, zieht ein trauriges Fazit: „Güstrow hat einen Anlaufpunkt mehr.“

 

Zu möglichen Tätern konnte oder wollte die Polizei am Montag noch keine Aussagen treffen. Nur dies zu den Fakten: In der Silvesternacht, gegen 1 Uhr, hätten Unbekannte einen „pyrotechnischen Gegenstand“ an der oberen Wasserschale des Brunnens auf dem Pferdemarkt mitten in der Altstadt angebracht und zur Explosion gebracht. Die Kraft der Explosion bewirkte, dass ein wesentliches Element des Sandsteinmonuments massiv beschädigt wurde. Knapp die Hälfte der oberen Wasserschale ist weggesprengt. Die Trümmer landeten zum Großteil im Wasserbecken, größere und kleine Brocken liegen verstreut im Areal rund um den Brunnen.

Der Borwinbrunnen in nGüstrow wurde von Pyrotchnik massiv beschädigt. 
Foto: Leserfoto: Bernd Sternhagen

Der Borwinbrunnen in nGüstrow wurde von Pyrotchnik massiv beschädigt.

 

„Was das wohl kosten wird, das wieder zu reparieren?“, fragt sich Ursula Haase. Stadtpräsident Ohm, Rechtsanwalt, weiß aus beruflicher Erfahrung, dass solche Leute oft auch kein Geld haben, um die Schäden zu begleichen. „Ich befürchte, das wird wieder bei der Stadt hängen bleiben.“ Die Polizei trifft nur sehr vage Aussagen, schätzt zunächst auf mehrere zehntausend Euro und möchte später auf gut 50.000 Euro präzisieren. „Das wird nicht reichen“, vermutet Philipp da Cunha aber schon jetzt. Der Güstrower Landtagsabgeordnete wohnt in Sichtweite des Tatortes und hat Auswirkungen der Detonation im Haus gespürt.

Da Cunha erinnert an Brandschäden aus der berüchtigten Silvesternacht 2003 an dem Denkmal, das an Stadtgründer Fürst Borwin erinnern soll. Damals hatte ein zügelloser Mob mit Raketen ein Feuer in der gegenüberliegenden Post ausgelöst und anschließend die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr beim Löschen behindert und beschossen. Die Reparatur des Brunnens habe später 40.000 Euro gekostet, weiß da Cunha noch. Lange hatte es gedauert, der Täter habhaft zu werden. Die Klage der Stadt vor Gericht brachte minimale Monatsraten ein, am Ende gab es, um überhaupt zu einem nennenswerten Schadensersatz zu kommen, einen Vergleich.

Der Kriminaltechnische Dauerdienst des Rostocker Polizeipräsidiums war noch in der Nacht vor Ort und sammelte Beweismittel. Über Ergebnisse hielten sich die Ermittler noch bedeckt. Ein Sprecher gibt sich vorsichtig optimistisch, da das Geschehen von Beobachtern, möglicherweise sogar Beteiligten, publik gemacht wurde. Erschütternd und zugleich bezeichnend für eine wohl absichtliche Zerstörung: Auf einem Video wird die Sprengung von Jubelschreien begleitet.

Die Polizei hofft jetzt, Personen identifizieren zu können. Und sie baut auf die Mithilfe möglicher Zeugen der Straftat und bittet diese, sich bei der Güstrower Polizei (Telefon 03843/2660) zu melden. Bereits am Montag seien „laufend Meldungen“ von Bürgern eingegangen.

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