Eurovision Song Contest 2017 : Ukraine schließt russische ESC-Teilnehmerin Julia Samoilova aus

Julia Samoilova sitzt seit ihrer Kindheit im Rollstuhl.

Julia Samoilova sitzt seit ihrer Kindheit im Rollstuhl.

Weil sie 2015 „illegal“ auf der Krim auftrat, hat der ukrainische Inlandsgeheimdienst die Sängerin nun geblacklistet.

shz.de von
22. März 2017, 14:57 Uhr

Die Ukraine hat die russische ESC-Kandidatin Julia Samoilova vom Eurovision Song Contest im Mai in Kiew ausgeschlossen. Der Grund ist ein Auftritt der Sängerin auf der Krim im Jahr 2015. Das berichtet die BBC. Seit 2014 ist die Halbinsel von Russland annektiert. Der Besuch sei „illegal“ gewesen, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU mit.

Der früher als Grand Prix bekannte Eurovision Song Contest soll laut Statuten eigentlich unpolitisch sein.

Die 27-Jährige bestätigte, 2015 auf der Krim gesungen zu haben. Dies ist laut ukrainischen Gesetzen aber verboten. Wer die Krim bereisen will, muss dies über die Festlandukraine tun, alles andere ist aus ukrainischer Sicht illegal. Sie dürfe für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen, sagte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch.

Russland und die Ukraine sind seit der Annexion der Krim zerstritten. Beide beanspruchen die Halbinsel für sich. Im Osten der Ukraine wird noch immer gekämpft. Die Ukraine wirft Russland vor, Separatisten mit Waffen zu unterstützen. Die Entscheidung dürfte das ohnehin seit Jahren schwer beschädigte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine weiter belasten. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen. Unter anderem gibt es keine direkten Flugverbindungen mehr zwischen den beiden kulturell, wirtschaftlich und historisch eng mit einander verbundenen Nachbarstaaten.

Das Außenministerium in Moskau kritisierte den Schritt umgehend. „Das ist ein weiterer empörender, zynischer und unmenschlicher Akt der Kiewer Behörden“, sagte Vizeaußenminister Grigori Karassin. Kritiker in Russland hatten bereits einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen am Dienstag abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, hatte er gesagt. Der frühere Kulturminister Michail Schwydkoj verurteilte die Entscheidung der Ukraine als Fehler und Dummheit. „Wenn ein Land einen internationalen Wettbewerb ausrichtet, muss es auch den Teilnehmern Zugang verschaffen“, forderte er.

Der präsidentennahe Kiewer Politologe Taras Beresowez kommentierte auf Facebook: „Das Gesetz hat triumphiert. Julia Samoilowa ist bestraft. So wird es mit jedem sein, der die Normen des ukrainischen und internationalen Rechts missachtet. Die Krim gehört zur Ukraine!“

Der SBU hat mindestens 140 weitere russische Künstler auf eine Blacklist gesetzt. Kiew trägt den Eurovision Song Contest in diesem Jahr aus, nachdem im Vorjahr die Sängerin Jamala in Schweden für die Ukraine gewann. Ihr Song „1944“ handelte von Josef Stalins Massendeportationen von Krimtataren während des Zweiten Weltkriegs.

Samoilova nahm 2013 an Faktor A teil, der russischen Version von X-Factor. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 sang sie bei der Eröffnungszeremonie. Am 12. März 2017 wurde sie intern als russische Teilnehmerin für den ESC ausgewählt. Dort sollte sie den Song „Flame Is Burning“ singen. Die Halbfinale finden am 9. und 11. Mai statt, das Finale am 13. Mai, unter anderem mit der deutschen Teilnehmerin Isabella Levina Lueen. Die Veranstalter kündigten an, die Situation genau zu beobachten. Man wolle doch eine Lösung finden, damit Samoilowa an dem Wettbewerb teilnehmen könne, sagte der Sprecher der European Broadcasting Union, Dave Goodman, der Agentur Tass.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ ist die Situation für die Ukraine ein Dilemma. Einerseits ruft das Einreiseverbot für eine gehbehinderte Sängerin möglicherweise Proteste auf, andererseits würde eine Ausnahmeregelung die ukrainischen Besitzansprüche der Krim vermindern.

(mit dpa)

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