Stärke 7,5 : Über 100 Tote bei Erdbeben in Afghanistan, Pakistan und Indien

Ein Verletzter wird in  Mingora (Pakistan) ins Krankenhaus gebracht.
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Ein Verletzter wird in  Mingora (Pakistan) ins Krankenhaus gebracht.

Selbst über 1300 Kilometer vom Epizentrum entfernt war das Beben zu spüren. Eine Karte zeigt die betroffenen Orte.

shz.de von
26. Oktober 2015, 16:02 Uhr

Faisabad | Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,5 hat die Hindukusch-Region getroffen und mehr als 100 Menschen getötet. Stromnetze und Kommunikationsverbindungen brachen in Teilen Pakistans und Afghanistans und Nordindiens zusammen, Häuser stürzten ein, Straßen wurden blockiert. Überall rannten Menschen in Panik auf die Straßen. Das Zentrum des Bebens lag in der dünn besiedelten Bergregion Badachschan im Nordosten Afghanistans. Dort kostete eine vom Beben ausgelöste Massenpanik zahlreiche Schülerinnen das Leben.

Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr, am 25. April, gab es ein großes Himalaya-Erdbeben der Stärke 7,8, dessen Zentrum in Nepal lag. Damals starben rund 9000 Menschen, 900.000 verloren ihr Zuhause. Bereits 2005 zerstörte ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,5 die Region Kaschmir. 75.000 Menschen starben.

Die Zahl der Toten allein in Pakistan stieg bis Montagabend (Ortszeit) auf 100, es gab Hunderte Verletzte. Die meisten Opfer gebe es in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und in den Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan, sagte ein Sprecher von Premierminister Nawaz Sharif. Hier rechneten die Behörden mit steigenden Opferzahlen. Viele Menschen wurden von herabfallenden Trümmerteilen getroffen. Das Beben habe länger als eine Minute gedauert und schwere Schäden angerichtet, sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Die betroffene Region ist das Dreiländereck von Afghanistan, Pakistan und Tadschikistan.

In einer Schule in der nordafghanischen Provinz Takhar löste das Beben eine Massenpanik aus, bei der mindestens zwölf Schülerinnen starben. Die Mädchen hätten panisch versucht, ihre Schule zu verlassen, sagte der Chef des Provinzkrankenhauses, Hafisullah Sapai. Dabei seien 39 weitere Schüler verletzt worden. Mindestens sechs Menschen starben in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, wie die Polizei mitteilte.

Der Gouverneur der Provinz Badachschan sagte, er befürchte, dass mehrere Wohngebiete in dem Berggebiet stark betroffen seien.

Das Potsdamer Geoforschungszentrum registrierte eine Stärke von 7,5, ebenso die US-Erdbebenwarte. Das Zentrum des Bebens lag rund 70 Kilometer südlich der afghanischen Stadt Faisabad, wo die Bundeswehr bis 2012 ein Außenlager unterhielt.„Was es günstiger macht ist, dass das Beben sehr tief ist, also 205 Kilometer“, sagte Professor Frederik Tilmann vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) der dpa.

In Pakistan forderte die Regierung Streitkräfte, Polizisten, lokale Beamte und zivile Helfer dazu auf, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren. Ein Augenzeuge in Abbottabad berichtete der Zeitung „Dawn“, in seiner Region seien mehrere Erdrutsche ausgelöst worden. Das Militär ist im Einsatz, um Schäden zu beseitigen und Verletzte zu bergen. General Raheel Sharif twittert:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Earthquake update:Army troops directed to carry out immediate rescue work in any affected areas without waiting for formal orders-1</p>&mdash; AsimBajwa (@AsimBajwaISPR) <a href="https://twitter.com/AsimBajwaISPR/status/658583057696473088">26. Oktober 2015</a></blockquote>

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Erdrutsche blockierten auch die Hauptverbindungsstraße zwischen Pakistan und China. Nach Angaben der Verkehrsbehörde steckten tausende Reisende in der abgelegenen Region fest. Auch im Swat-Tal gebe es viele Schäden, schrieb die pakistanisch-kanadische Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy auf Twitter. In der Hauptstadt Islamabad fiel wegen des Bebens das Fernsehen aus.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">My driver family house in Shangla destroyed just spoke to friends in Swat, there is a lot of damage in some area <a href="https://twitter.com/hashtag/earthquake?src=hash">#earthquake</a></p>&mdash; Sharmeen Obaid (@sharmeenochinoy) <a href="https://twitter.com/sharmeenochinoy/status/658583048330547200">26. Oktober 2015</a></blockquote></center>

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Im nordindischen Kaschmir brachen die Handy-Netze zusammen. Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt Neu Delhi und in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu zu spüren.

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Indiens Premierminister Narendra Modi bot den betroffenen Regionen Hilfe an. Er betonte, dies gelte auch für Pakistan - das ist der Erzfeind Indiens. Erst Stunden vor dem Erdbeben war an der Waffenstillstandslinie zwischen den beiden Atommächten noch geschossen worden, dabei hatte es auf beiden Seiten Tote gegeben.

Auf Twitter gab es weitere Augenzeugenberichte:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">An image from Islamabad where cracks appeared in a complete building <a href="https://twitter.com/hashtag/Earthquake?src=hash">#Earthquake</a> <a href="https://t.co/7ZcjOxUcyU">pic.twitter.com/7ZcjOxUcyU</a></p>&mdash; Farhan Khan Virk (@FarhanKVirk) <a href="https://twitter.com/FarhanKVirk/status/658582539951611904">26. Oktober 2015</a></blockquote></center>

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<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">OMG! Image from Hunza where an entire glacier has come falling down.. <a href="https://twitter.com/hashtag/Earthquake?src=hash">#Earthquake</a> <a href="https://t.co/jnJWgLTvgS">pic.twitter.com/jnJWgLTvgS</a></p>&mdash; Farhan Khan Virk (@FarhanKVirk) <a href="https://twitter.com/FarhanKVirk/status/658580857574154240">26. Oktober 2015</a></blockquote>

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<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Powerful earthquake of magnitude 7.7 jolts Lahore; evacuation of Arfa Technology Park. Hope everyone is safe. <a href="https://t.co/rdwp39s7ul">pic.twitter.com/rdwp39s7ul</a></p>&mdash; Umar Saif (@umarsaif) <a href="https://twitter.com/umarsaif/status/658578670559350784">26. Oktober 2015</a></blockquote>

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<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Cracks appeared throughout all the floors at work place. &#10;<a href="https://twitter.com/hashtag/Earthquake?src=hash">#Earthquake</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Peshawar?src=hash">#Peshawar</a> <a href="https://t.co/DwORWSnfVH">pic.twitter.com/DwORWSnfVH</a></p>&mdash; Naveed Ahmad Khan (@NavidAhmadKhan) <a href="https://twitter.com/NavidAhmadKhan/status/658592723105128448">26. Oktober 2015</a></blockquote>

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Wie werden Erdbeben gemessen?

Bei der Messung von Erdbeben wird die Stärke der Bodenbewegung angegeben (Magnitude). Weltweit treten jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf. Etwa 800 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat den Wert 8. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise unterschiedliche Auswirkungen haben. Meist gilt:

- Stärke 1-2: nur durch Instrumente nachzuweisen 
- Stärke 3: nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren 
- Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden 
- Stärke 6: mäßiges Beben, Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen 
- Stärke 7: starkes Beben, oft katastrophale Folgen und Todesopfer 
- Stärke 8: Großbeben mit vielen Opfern und schweren Verwüstungen

Früher wurde die Erdbebenstärke einheitlich nach der Richterskala bestimmt. Der amerikanische Geophysiker Charles Francis Richter hatte die Skala 1935 speziell für Kalifornien ausgearbeitet. Heute wird sie nur noch eingeschränkt eingesetzt, auch weil das Verfahren nur bei Erschütterungen in der Nähe der Messstationen zuverlässige Werte liefert (Lokalmagnitude).

Mittlerweile werden mehrere Skalen parallel verwendet. Derzeit gilt die sogenannte Momentmagnitude als bestes physikalisches Maß für die Stärke eines Bebens. Sie bestimmt das gesamte Spektrum der seismischen Wellen bei Erdstößen. Die meisten Skalen ergeben zumindest bei schwächeren Beben ähnliche Werte wie die Richterskala, erlauben aber eine genauere Differenzierung bei schweren Beben.

 
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