"Chloe" : Treuetest mit fatalen Folgen

Amanda Seyfried als Chloe (l.) und Julianne Moore als Catherine Stewart in dem Thriller 'Chloe': Die Ärztin Catherine und der Musikprofessor David führen eine perfekte Ehe, bis Catherine das Callgirl Chloe engagiert, um seine Treue zu testen. Foto: ddp
Amanda Seyfried als Chloe (l.) und Julianne Moore als Catherine Stewart in dem Thriller "Chloe": Die Ärztin Catherine und der Musikprofessor David führen eine perfekte Ehe, bis Catherine das Callgirl Chloe engagiert, um seine Treue zu testen. Foto: ddp

In dem düsteren Erotikthriller "Chloe" gerät ein Treuetest völlig außer Kontrolle: Callgirl "Chloe" scheint ein perfides Spiel mit den Eheleuten Catherine und David zu treiben.

shz.de von
20. April 2010, 04:18 Uhr

Catherine (Julianne Moore) hat die böse Vorahnung, dass sie von ihrem Ehemann David (Liam Neeson) betrogen wird. Immerhin hält sich der Musikprofessor täglich im süßen Dunstkreis attraktiver Studentinnen auf. Um die Treue ihres Gatten auf die Probe zu stellen, heuert sie ein blutjunges Callgirl an. Chloe (Amanda Seyfried) soll sich unverblümt an David heranschmeißen. Nur wenig später meldet das Freudenmädchen Vollzug. Doch Catherine ist sich unsicher, ob Chloe tatsächlich die Wahrheit sagt.
Mit seinem neuen Filmprojekt wagt sich der renommierte Autorenfilmer Atom Egoyan ("Das süße Jenseits") an einen düsteren Erotikthriller heran. Ein überhastet angesetzter Treuetest gerät in "Chloe" vollkommen außer Kontrolle. Denn schon nach kurzer Zeit deutet sich an, dass das titelgebende Callgirl ein perfides Spiel mit den von Julianne Moore ("The Big Lebowski") und Liam Neeson ("Kinsey") gespielten Eheleuten treibt.
Der Film skizziert eine fatale Dreiecksbeziehung
Egoyan lässt den Film als Ehedrama beginnen, schwenkt dann zur dezenten Erotik über, um schließlich bei einem fatalen Thriller im Stil von "9 Wochen" oder "Eine verhängnisvolle Affäre" zu landen. Nachwuchsschauspielerin Amanda Seyfried, die den meisten Zuschauern als Sängerin aus der "Mamma Mia!"-Verfilmung bekannt sein dürfte, erweist sich in der Rolle des jungen Luders als hinterhältig und berechnend. Ihre verzweifelte Auftraggeberin entwickelt sich vom vermeintlichen Betrugsopfer zur unwissenden Mittäterin. Der Film skizziert eine fatale Dreiecksbeziehung, aus der jemand als Verlierer herausgehen muss. Nur wer das sein wird, ist die große Frage.
"Chloe" ist ein schnörkelloser Erotikthriller, der sich gekonnt an seinen Vorbildern orientiert. Der Spannungsbogen baut sich kontinuierlich auf, und auch die Atmosphäre passt. Egoyan versteht sein Handwerk. Dem Film fehlt es allerdings an inhaltlichen Überraschungen. Wer sich in diesem Genre heimisch fühlt, wird "Chloe" rasch durchschauen.
Erneut übt der Regisseur unterschwellig Kritik an der neuen Medienwelt
Ein interessanter Nebenaspekt ist, dass Egoyan nach "Simons Geheimnis" zum zweiten Mal in Folge unterschwellig Kritik an der neuen Medienwelt übt. So zeigt er in "Chloe", wie eine Liebesbeziehung herzlos per Webcam beendet wird. Oder er lässt seine Protagonisten über die haptischen Wonnen von CDs schwadronieren, die sinnlicher seien als sterile MP3-Downloads. Mit dem Internet wird sich der kanadische Filmemacher mit armenischen Wurzeln und ägyptischem Geburtsort wohl nicht mehr anfreunden.
Nach einigen hochklassigen Dramen ist Egoyan mit "Chloe", rein inhaltlich betrachtet, diesmal nur ein durchschnittlicher Thriller gelungen. Ein Kinobesuch lohnt sich wegen der stimmungsvollen Inszenierung und der namhaften Besetzung trotzdem.

"Chloe", Thriller, USA/Kanada 2009, 96 Minuten, FSK: 12, Regie: Atom Egoyan, Darsteller: Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried u.a.

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