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Tatort heute : Trauriger Fall für das neue Schwarzwald-Duo

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Es ist die Premiere für die Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg. Lohnt sich der Tatort? Unsere Kritik.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 12:14 Uhr

Neues Team, neues Glück? Wir müssen schnell entscheiden, ob uns die „Tatort“-Neulinge Franziska Tobler und Friedemann Berg (Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner) sympathisch sind oder nicht. Schnell, weil nicht nur der erste Eindruck zählt, sondern weil uns die Mordgeschichte sofort in ihren Bann zieht. Und der Schwarzwald – als verschneite Idylle, gehüllt in schaurige Soundelegien, wie wir sie eher aus den unterkühlten Mordbiotopen Skandinaviens kennen („Wallander“, „Lund“, „Dicte“).

Die Neu-Kommissare Tobler und Berg spielen da zunächst nur zweite Geigen. Müssen reagieren statt zu agieren. Denn als in der kleinen Waldsiedlung Goldbach eine Elfjährige erschossen wird und ein Nachbarsjunge verschwindet, dreht sich erst einmal alles um die Kinder.

Es waren drei, die im Unterholz gespielt haben. Nur eines ist zurückgekehrt. Klar, dass die Eltern, ja, das ganze Dorf in Aufruhr sind. Denn viele der zumeist jungen Familien (unter anderem  Godehard Giese, Victoria Mayer) waren aus der Stadt hierher gezogen, damit ihre Kinder gesund und sicher aufwachsen. Und nun dieses Unglück. Ging hier etwa, quasi im Märchenwald, ein Kindermörder um?

Zum Glück haben Bernd Lange (Buch) und Robert Thalheim (Regie) diesen ersten „Schwarzwald-Tatort“ etwas komplexer angelegt als eine aufgeregte Treibjagd. Dröseln sie doch akribisch die sozialen und seelischen Verwerfungen auf, die der gewalttätige Einbruch ins Glück bewirkt. Aus Liebenden werden Fremde, aus Freunden Feinde. Die wohlbehütete Idylle zerbricht.

Leider geht das auf Kosten unserer Neulinge, die mühsam den Ereignissen hinterherstapfen und kaum eigene Akzente setzen können. Wagner und Löbau schlagen sich zwar tapfer, deuten ihr Potenzial als eigenwillige Charaktere trotz 08/15-Habitus an. Doch so richtig knistern kann das neue Duo heute noch nicht.

Sei's drum. Der Fall ist sowieso schon nach 30 Minuten gelöst, als – aufpassen! – die Kommissare den Einschusswinkel in das Schuss-Opfer bestimmen. Zu dumm!

„Tatort – Goldbach“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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