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Germanwings-Flug 4U9525 : Trauerfeier im Kölner Dom: „Da ist er wieder, dieser Schock“

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Etwa 500 Angehörige nahmen bei der Trauerfeier im Kölner Dom Abschied von den Toten der Germnwings-Katastrophe. Unter den rund 1400 Gästen waren auch Gauck und Merkel.

Köln | Deutschland vereint in Schmerz: Bei einer bewegenden Trauerfeier im Kölner Dom haben Angehörige, Bevölkerung und die Spitze des Staates der Opfer des Germanwings-Absturzes gedacht. Die Erschütterung war auch dreieinhalb Wochen nach der Katastrophe noch greifbar. Mit bewegenden Worten des Trostes ist den 150 Toten gedacht worden. Seit dem Germanwings-Absturz sind die Menschen nach Worten von Bundespräsident Joachim Gauck in Trauer und Schmerz verbunden. „Es ist etwas zerstört worden, das in dieser Welt nicht mehr geheilt werden kann“, sagte Gauck am Freitag beim Trauergottesdienst im Kölner Dom vor rund 1400 Gästen, darunter 500 Angehörige. „Da ist er wieder, dieser Schock, der uns am 24. März getroffen hat.“

Die Germanwings-Maschine war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Copilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht.  Insgesamt starben 150 Menschen.

Zu Trauer und Schmerz komme die schreckliche Erkenntnis: „Dieser eine hat die vielen anderen mit in den Tod gerissen, den er für sich selber gesucht hatte. Uns fehlen Worte für diese Tat“, sagte Gauck. „Vielleicht ist es ja das, was uns so sehr erschreckt hat: die Sinnlosigkeit des Geschehens. Wir sind konfrontiert mit einer verstörenden Vernichtungstat.“ Bei vielen Menschen sei die Trauer in Wut und Zorn umgeschlagen. Aber auch die Angehörigen des Copiloten hätten einen geliebten Menschen verloren.

Bloße Worte seien zu schwach, um zu trösten, sagte Kardinal Rainer Woelki. Aber dass so viele Menschen in diesem Moment Mitleid und Beileid zeigten, „das soll Ihnen Trost sein“. Die Hinterbliebenen seien nicht allein „in diesen Stunden der Einsamkeit“. Zu dem Gottesdienst waren auch Staatsgäste wie Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel gekommen.

„Unbegreifliches ist geschehen. Und Unbegreifliches wurde getan“, sagte Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Viele Tränen seien geweint worden, seit es dunkel wurde, „erst in einem Herzen, dann in den Herzen so vieler anderer“. Und so viele Tränen blieben nun ungeweint, Tränen der Freude, der Rührung. „Nie sind wir mehr Mensch, als wenn wir weinen.“ Und nie brauche es mehr Menschlichkeit anderer. „Familien, Häuser und Nachbarschaften, Schulen, Dörfer und Städte, ein ganzes Land, ja mehr als nur ein Land, rücken zusammen im Aushalten-Müssen und im Begreifen-Wollen.“ Man teile „Kräfte und Ohnmacht“, betonte Kurschus in ihrer Predigt.

Zahlreiche Kränze wurden vor dem Kölner Dom abgelegt. Foto: dpa
Zahlreiche Kränze wurden vor dem Kölner Dom abgelegt. Foto: dpa

Die Betroffenen seien auf ganz unterschiedliche Weise verzweifelt, tief traurig und versteinert vor Schmerz, sagte Woelki. Vielen sei das Liebste im Leben genommen worden. Liebe mache das Leid so schmerzlich. Aber gebe sie nicht auch die Kraft, das Leid zu ertragen, fragte der Erzbischof. Jeder werde sich an die kostbaren Momente mit den Lieben erinnern. Sie seien unzerstörbar. Die Christen glaubten an das ewige Leben. „Wir glauben, dass diese 150 Menschen nicht verschwunden und ins Nichts gegangen sind, als sie aus der Welt geschieden sind.“

Auch Regierungsvertreter von Spanien und Frankreich haben Angehörigen und Freunden der Germanwings-Opfer ihr Mitgefühl ausgesprochen. Der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz sagte: „Wir müssen versuchen, die entstandene Lücke mit Liebe und vor allem mit Hoffnung zu füllen.“ Die große Anteilnahme nach dem Unglück habe gezeigt, dass die Menschen in Europa vereint seien - egal, aus welchem Land sie kämen.

Der französische Staatsminister Alain Vidalies sagte laut Simultanübersetzung während der Fernseh-Übertragung: „Im Namen des Präsidenten der französischen Republik, im Namen des französischen Volkes, das diese Katastrophe bewegt und schockiert hat, bringe ich mein Mitgefühl zum Ausdruck gegenüber allen Familien, gegenüber allen Hinterbliebenen“. Frankreich stehe auch weiter an der Seite der Trauernden.

Für jeden der Toten brannte am Freitag eine weiße Kerze im Kölner Dom. „Es sind 150 Opfer“, hatte Woelki vor dem Gottesdienst betont. Das Urteil über den Copiloten müsse man Gott überlassen.

Mit Kerzen wollten die Menschen an die Germanwings-Opfer gedenken. Foto: dpa
Mit Kerzen wollten die Menschen an die Germanwings-Opfer gedenken. Foto: dpa

Kleine Engel sollen den Angehörigen und Helfern der Germanwings-Katastrophe symbolisch Halt und Zuversicht geben. Die Holzengel lagen im Kölner Dom an jedem Platz. Die Engel sollten dazu ermutigen, trotz aller Trauer nach Quellen der Kraft und Bestärkung zu suchen, sagte ein Notfallseelsorger.

Kardinal Woelki, Präses Kurschus und zwei Notfallseelsorger überreichten die Holzfiguren stellvertretend an eine Angehörige sowie an Bundespräsident Gauck, stellvertretend für Hinterbliebene aus den verschiedenen Ländern, sowie an den spanischen Innenminister Jorge Fernández Díaz für die Opfer aus Spanien. Der französische Staatsminister Alain Vidalies und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nahmen je einen Engel als Zeichen der Dankbarkeit für die Helfer und Einsatzkräfte entgegen. Germanwings-Chef Thomas Winkelmann erhielt einen Engel stellvertretend für die Mitarbeiter aller Fluggesellschaften.

Bei dem anschließenden staatlichen Trauerakt wandten sich Bundespräsident Joachim Gauck und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit bewegenden Ansprachen an die Hinterbliebenen.

Kurz vor dem Gottesdienst war die Stimmung in Köln gedrückt. Vor dem abgesperrten Dom wurden erste Blumen niedergelegt. Auf vielen Werbetafeln der Innenstadt waren am Freitag statt bunter Bilder schwarze Trauerschleifen zu sehen - mit der Flugnummer 4U9525 der in den französischen Alpen zerschellten Maschine. „Köln trauert“, hieß es in den sozialen Netzwerken. Für ganz Deutschland war Trauerbeflaggung angeordnet.

Die Polizei sperrte den Kölner Dom für die Trauerfeier ab.
Die Polizei sperrte den Kölner Dom für die Trauerfeier ab. Foto: dpa

Die Trauerfeier sollte den Hinterbliebenen zeigen, dass sie in ihrem Schmerz nicht allein stehen, sondern dass viele Menschen mit ihnen fühlen. Bürgerinnen und Bürger können das Geschehen auf Großbildschirmen verfolgen. ARD, WDR, Phoenix, n-tv und N24 übertragen die Trauerfeier live im Fernsehen.

150 Menschen starben bei dem Absturz. Foto: dpa
150 Menschen starben bei dem Absturz. Foto: dpa
 

Am Rande der Veranstaltung kam es zu einem Zwischenfall: Eine Frau, die sich als angebliche Lufthansa-Pilotin Zugang zu der Trauerfeier im Kölner Dom verschaffen wollte, ist vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden. Die 55-Jährige sei mit gefälschtem Ausweis und offensichtlicher Uniform-Kopie aufgefallen, bestätigte ein Polizeisprecher einen Bericht der „Kölnischen Rundschau“. Die Frau aus Oberhausen habe eine Anzeige wegen Urkundenfälschung erhalten.

Mit einer ganzseitigen Traueranzeige in mehreren großen Tageszeitungen hat die Lufthansa erneut der Todesopfer gedacht. „Wir trauern um unsere Passagiere und Kollegen, die am 24. März 2015 bei dem Flugzeugunglück der Germanwings in der Nähe von Seyne-les-Alpes ihr Leben verloren haben“, heißt es in der Anzeige der Lufthansa Group, die am Freitag in mehreren überregionalen Blättern veröffentlicht wurde. „Wir werden sie nie vergessen.“ Angehörigen, Freunden und Kollegen der Verstorbenen gehöre das aufrichtige Mitgefühl der Lufthansa. „Wir werden Ihnen beistehen.“ Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte bereits bei einem Besuch der Unfallstelle in den französischen Alpen langfristige Hilfen für die Hinterbliebenen zugesagt. Spohr sowie die Spitze der Fluggesellschaft Germanwings nehmen ebenfalls an der Kölner Trauerfeier teil.

Auch am größten Standort der Lufthansa haben rund 1500 Mitarbeiter der 150 Todesopfer des Germanwings-Absturzes gedacht. Die Beschäftigten in Frankfurt verfolgten am Freitag die Live-Übertragung des zentralen Trauergottesdienstes im Kölner Dom, wie das Unternehmen mitteilte. Zuvor hatte das Vorstandsmitglied Karl Ulrich Garnadt in der A380-Wartungshalle am Flughafen einige Worte an die Mitarbeiter gerichtet.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 10:23 Uhr

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