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Balearen in Spanien : Touristensteuer auf Mallorca: Das müssen Urlauber wissen

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Die neue Abgabe macht Urlaub auf den Balearen teurer. Sie ist umstritten. Wie Touristen davon betroffen sind.

Palma de Mallorca | Urlaub auf den spanischen Baleraen wird teurer: Das Regionalparlament der Inselgruppe hat die Einführung einer Touristensteuer beschlossen. Ab 1. Juli wird sie auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera erhoben. Die Reisebranche ist darüber nicht begeistert. Und auch Umweltschützer bemängeln die Abgabe, die ihnen zu kurz greift. Für Urlauber hat sie kostenspielige Folgen.

Es ist bereits der zweite Anlauf zur Einführung einer Touristenabgabe auf Mallorca. Von Mai 2002 bis Oktober 2003 hatten Urlauber schon einmal eine Übernachtungssteuer zahlen müssen. Die Ökosteuer wurde jedoch wieder abgeschafft, nachdem die Unternehmer der Tourismusbranche dagegen Sturm gelaufen waren. Die Abgabe hatte dazu geführt, dass viele deutsche Urlauber der Insel den Rücken kehrten.

Durch die umstrittene Steuer will die Regionalregierung zu einem umweltverträglichen Massentourismus kommen. Man erhofft sich Einnahmen von 50 bis 80 Millionen Euro im Jahr. Die Gelder sollen zur Erhaltung der Umwelt und zur Verbesserung des touristischen Angebots verwendet werden. „Die Besucher werden dazu beitragen, das Paradies der Balearen zu erhalten“, sagte der Tourismusminister Biel Barceló.

Doch es gibt Kritik: „Das ist ein direkter Angriff auf die weltweite Konkurrenzfähigkeit der Balearen-Inseln“, betonte der Hotelierverband FEHM am Mittwoch in einer Erklärung. Die Steuer bürde den Urlaubern auf Mallorca und den Nachbarinseln zusätzliche Kosten auf. „Was mit den Einnahmen geschehen wird, bleibt im Unklaren“, beklagte der Verband.

Klagen kommen sogar von Umweltschützern: Die Abgabe greife zu kurz, bemängeln sie. „Das ist eine verpasste Chance“, heißt es vom Verband GOB. Der Zusammenschluss hätte es gerne gesehen, dass die Regierung auch Maßnahmen zu einer Beschränkung der Touristenzahl und zu einer Reduzierung des Angebots an Unterkünften beschlossen hätte. Die Umweltschützer halten dies für dringend notwendig, zumal da für diesen Sommer eine neue Rekordzahl von Urlaubern erwartet wird.

Die auf den Balearen regierende Koalition von drei Linksparteien hatte monatelang über die Details der Touristenabgabe gestritten. Dabei ging es vor allem darum, wofür die Gelder verwendet werden sollen. Man einigte sich auf einen Kompromiss, der nach Ansicht von Branchenexperten den Nachteil hat, dass nun ziemlich unklar ist, wozu die Einnahmen dienen sollen.

Die „Mallorca Zeitung“ wies auf einen weiteren Schwachpunkt hin: Es würde den Behörden schwer fallen, die Abgabe bei den Gästen privat vermieteter Ferienwohnungen einzuziehen. Und dieser Bereich hat in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen.

Und so sind Urlauber von der Touristensteuer betroffen:

Wie hoch ist die Abgabe im Detail?

Die Höhe ist nach der Art der Unterkunft gestaffelt. Der Höchstsatz von zwei Euro pro Nacht und pro Person wird in Fünf-Sterne- und Vier-Sterne-Plus-Hotels sowie in Appartements der 4-Schlüssel-Kategorie erhoben. Am unteren Ende der Liste stehen die Pensionen, Campingplätze, Herbergen und Berghütten mit je 0,50 Euro. Diese Sätze gelten für die Hochsaison von Anfang Mai bis Ende Oktober. In der Nebensaison von Anfang November bis Ende April reduzieren sich die Beträge auf jeweils die Hälfte. Das heißt: Den Mindestsatz von 0,25 Euro pro Nacht müssen Urlauber zahlen, die in der Nebensaison in Pensionen, Herbergen, Berghütten oder auf Campingplätzen untergebracht sind. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren wird die Abgabe nicht berechnet.

Wie sieht es mit privat vermieteten Objekten aus?

In privaten Wohnungen und Häusern, die an Touristen vermietet werden, müssen die Urlauber eine Abgabe von einem Euro pro Nacht in der Hochsaison und von 0,50 Euro in der Nebensaison zahlen. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass sich diese Privatunterkünfte rechtlich zum Teil in einer Grauzone bewegen - die Eintreibung der Gelder dürfte sich hier schwierig gestalten.

Sind auch Kreuzfahrttouristen von der Abgabe betroffen?

Ja, auch auch sie müssen die Abgabe zahlen. Pro Nacht beträgt diese für die Kreuzfahrtpassagiere einen Euro in der Hoch- und 0,50 Euro in der Nebensaison.

Wie wird bezahlt?

Die Abgabe zahlt im Prinzip der Urlauber an den Hotelbetreiber oder den Vermieter der Privatwohnung. Diese müssen das Geld an das Finanzamt abführen. Die Zahlung erfolgt laut Gesetz „zu einem beliebigen Zeitpunkt während des Aufenthalts“. Wie die Hotelbetreiber dies konkret handhaben, dürfte weitgehend ihnen selbst überlassen bleiben. Die genauen Details zur Anwendung des Gesetzes müssen noch beschlossen werden.

Wird die Abgabe beim Pauschalurlaub gleich in den Preis einberechnet?

Ob die Veranstalter die Abgabe bei Pauschalurlauben übernehmen, weiß man beim Deutschen Reiseverband (DRV) noch nicht. Der DRV kritisiert die Einführung der Steuer, weil die Balearen dadurch teurer werden und Urlauber mit kleinem Budget - etwa Familien - sich so eventuell für preiswertere Ziele entscheiden werden.

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erstellt am 23.Jun.2016 | 18:18 Uhr

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