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Totschlag auf dem Alexanderplatz - Haft

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Nach dem Urteil bleiben viele Fragen zum gewaltsamen Ende von Jonny K.

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Berlin | Zehn Monate nach dem Prügeltod des 20-jährigen Jonny K. hat das Berliner Landgericht sechs Schläger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Ex-Boxer (20) bekam mit viereinhalb Jahren Jugendhaft die höchste Strafe. Onur U. ist laut gestrigem Urteil der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Die tödliche Attacke hatte bundesweit eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Die anderen fünf Angeklagten im Alter zwischen 19 und 25 Jahren wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Mit dem Strafmaß gegen Onur U. lag das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünfeinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Für seine Komplizen hatte sie zwischen zweieinhalb und drei Jahren gefordert. Die Verteidiger hatten für die sechs Angeklagten Bewährungsstrafen beantragt.

Jonny K. wurde im Oktober 2012 wie aus dem Nichts in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes mit Tritten und Schlägen malträtiert. Er starb wenig später an Gehirnblutungen. Die Angreifer kannten Jonny K. nicht. Ob er durch den Sturz auf das Straßenpflaster oder die Misshandlungen starb, konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Bei dem Angriff war auch ein Freund schwer verletzt worden. Jonny K. hatte ihm beistehen wollen.

Der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck sagte, das Geschehen habe nicht lückenlos geklärt werden können. Die Angeklagten hätten nicht alles zu ihrer Tatbeteiligung gesagt. Onur U. habe den ersten Schlag gesetzt - einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht - und damit das Signal für die Gruppe zum Zuschlagen gegeben. Es habe Fußtritte gegeben, als Jonny schon am Boden lag.

Die Männer hatten Schläge und Tritte eingeräumt, jedoch keine Verantwortung für den Tod von Jonny K. übernommen. Auch Onur U. bestritt bis zuletzt einen Angriff auf das schmächtige Opfer. In seinem Schlusswort hatte sich der 20-Jährige bei der Familie des Opfers entschuldigt. Zur Urteilsverkündung war die Schwester des Opfers, Tina K., mit ihrer Mutter erschienen. Sie engagiert sich seit dem Tod ihres Bruders gegen Gewalt. Sie hatte vor dem Urteil gesagt, sie könne keine Reue bei den Männern erkennen. Der vorbestrafte Onur U. war zunächst in die Türkei geflüchtet, stellte sich erst nach Monaten. Sein Verteidiger will in Revision gehen.

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