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Landgericht Aurich : Tote Millionärin aus Ostfriesland – Erster Prozesstag nach zehn Minuten beendet

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Nach dem Tod einer Millionärin aus Leer wurde der Mann wegen Totschlags angeklagt. Der 55-Jährige wollte sich am Dienstag nicht äußern.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 11:18 Uhr

Aurich | Der gewaltsame Tod einer wohlhabenden Galeristin aus dem ostfriesischen Leer wird voraussichtlich einen langwierigen Prozess nach sich ziehen. Weil sich der 55 Jahre alte Angeklagte nach Angaben seines Anwalts vorerst nicht äußern will, muss sich das Landgericht Aurich an Indizien orientieren. Zu Beginn des Verfahrens lehnte der Angeklagte eine Stellungnahme zu der Anklageschrift ab, so dass das Verfahren am Dienstag nach kurzer Zeit vertagt wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seine vermögende Vermieterin in der Nacht zum 22. Oktober bei einem Streit in ihrem Galerie-Café in Bingum (Kreis Leer) getötet zu haben. Dabei stach er ihr mit einem Messer in den Hals und durchtrennte ihre Halsschlagader. Das Opfer verblutete. Der Mann habe der Kunsthändlerin auch noch mehrmals mit einem Barhocker auf den Kopf geschlagen, hieß es in der Anklage weiter. Danach brachte er die Leiche in ein Waldstück bei Seevetal nahe Hamburg. Dabei benutzte er den Wagen der Frau, der später in Hamburg gefunden wurde.

Die Leiche der Galeristin, die auch mehrere Immobilien besaß, war erst im März unter Grünabfällen entdeckt worden. Vorausgegangen waren erfolglose Suchaktionen der Polizei an der Ems in Ostfriesland und an der Autobahn zwischen Hamburg und Bremen.

Bei dem Streit seien der Angeklagte und die Frau alkoholisiert gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Annette Hüfner bei Verlesung der Anklage. Welche Rolle der Alkohol dabei genau gespielt hat, soll ein psychiatrischer Gutachter klären. Weitere Details wie das Motiv und Einzelheiten der Tat sind bisher unklar. Der Angeklagte hatte nach seiner Verhaftung nur eingeräumt, die Leiche weggebracht zu haben, das Verbrechen bestritt er jedoch. Zu Prozessbeginn wurde er mit Handschellen ins Gericht gebracht. Dort machte der gebürtige Bochumer lediglich Angaben zu seinen Personalien.

Das Gericht hat sich auf einen umfangreichen Indizienprozess eingestellt. Bislang sind 32 Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren wird am Montag (8.) fortgesetzt. Im April hat die Staatsanwaltschaft Aurich Anklage gegen den 55 Jahre alten Mann erhoben. Der Mann sitzt bereits seit November in Untersuchungshaft.

Der Liveblog zur Verhandlung zum Nachlesen:

 

Was zuvor geschah: Auto in Hamburg entdeckt

Seit dem Vormittag des 26. Oktobers 2016 wurde die Galeristin Gerda B. aus Leer vermisst. Das Auto der 66-jährigen Millionärin wurde ein paar Tage später in Hamburg gefunden. Der graue Jaguar ist der Polizei schon vorher länger aufgefallen. Doch er parkte ordnungsgemäß in Ottensen. Die Polizei plante daraufhin umfangreiche Suchmaßnahmen.

Anfang November, schon kurz nach dem Verschwinden der Millionärin, wurde ein Mann festgenommen. Im November gestand der 55-Jährige den Transport der Frauenleiche. Er stritt aber ab, die Frau getötet zu haben. Die Polizei gab damals der Öffentlichkeit bekannt, dass der Festgenommene mit der Leiche im Auto aus Ostfriesland quer durch Norddeutschland gefahren ist. Irgendwo an der Autobahn 1 zwischen Bremen und Hamburg legte er die Tote unter Reisig ab, fuhr weiter nach Hamburg und parkte den Wagen dort ordnungsgemäß, so vermutete die Polizei.

Nach der Festnahme des Verdächtigen und seiner Aussage dazu, wo er die Leiche abgelegt hatte, wurde immer wieder nach der Frau gesucht - monatelang ohne Erfolg. Zahlreiche groß angelegte Suchaktionen mit Spürhunden, Drohnen und mit einem Sonarboot brachten kein Ergebnis.

Hinweise gegen 55-Jährigen

Die Mordkommission in Leer ist fest davon überzeugt, dass die wohlhabende Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Hinweise darauf gab es offensichtlich genug: In einem Café in Bingum, das die Galeristin bis zu ihrem Verschwinden betrieb, hat die Polizei Blut des Opfers gefunden. Hinweise fanden sich auch im Auto des Opfers. Das Landeskriminalamt habe den Wagen „von links auf rechts gedreht“, sagte Oberstaatsanwältin Katja Paulke im November.

Fund der Leiche

Am 5. März, rund fünf Monate nach dem spurlosen Verschwinden der Millionärin aus dem ostfriesischen Leer, fand ein Spaziergänger die Leiche der Frau. Bedeckt mit Grünabfällen fand der Mann die Tote in einem Waldstück bei Seevetal südlich von Hamburg, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich, Katja Paulke, am 6. März.

Wie die Frau starb, ist noch unklar. Die Polizei ist von Anfang an davon ausgegangen, dass sie getötet wurde. „Hinsichtlich der Todesursache konnte noch kein abschließendes Ergebnis erzielt werden“, sagte Staatsanwältin Paulke nach der Obduktion der Toten.

Der Verdächtige

Der gebürtige Bochumer soll früher in Ludwigshafen, in Emden und in Hotels in Leer gewohnt haben. Zuletzt bezog der 55-Jährige eine Wohnung in der Villa des Opfers - ob es zu einem Verhältnis mit der Frau kam, ließ die Polizei offen. Damit bleibt auch ein Motiv unklar.

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