Neuer Vogelwart auf der Nordsee-Insel : Tore allein auf Trischen – ein Insel-Traum wird wahr

Auf zur Vogelschutzinsel: Biologe Tore Mayland-Quellhorst (l.) verlässt mit Inselversorger Axel Rohwedder den Friedrichskooger Hafen Richtung Trischen.
Auf zur Vogelschutzinsel: Biologe Tore Mayland-Quellhorst (l.) verlässt mit Inselversorger Axel Rohwedder den Friedrichskooger Hafen Richtung Trischen.

Tore Mayland-Quellhorst ist Absolvent der Uni Greifswald. Der 27-jährige Biologe ist bis Oktober allein auf der Insel.

shz.de von
21. März 2017, 18:11 Uhr

Einsamkeit pur erwartet Tore Mayland-Quellhorst in den kommenden Monaten: Der 27-Jährige ist der neue Vogelwart auf Trischen. Am Sonntag setzte der Biologe auf dem Boot von Axel Rohwedder auf die Insel über, auf der er während der kommenden Monate leben und arbeiten wird.

Trischen gilt als „schnellste Insel der Welt“. Sie verlagert sich mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 35 Metern pro Jahr in Richtung Osten. Das passiert, weil Trischen im Gegensatz zu den Inseln und Halligen vor der nordfriesischen Küste keinen festen Kern besitzt. Sie entstand vor rund 400 Jahren aus Sandbänken. Bis heute wird dieser abgelagerte Sand kontinuierlich durch Wasserströmung und Wind bewegt.

„Ein Großteil meiner Arbeit wird das Erfassen der Vögel ausmachen“, sagt der 27-Jährige. Die Brutbestände müssen gezählt werden und ebenso alle 14 Tage die Rastvögel. Hinzu kommen die Zugvögel, die im Frühjahr und im Herbst die Insel überqueren. Die Austernfischer trällern schon fleißig, und die Kormorane sitzen bereits in der Nähe der Nester, berichtet er nach einem Rundgang über die Insel: „Die ersten werden bald anfangen zu brüten.“ Auch die Möwen-Kolonien hätten bereits stattliche Größen. „Fürs Nesterbauen ist es bei denen aber noch zu früh.“ In den Salzwiesen seien bereits Feldlerchen und Wiesenpiper - auch das seien typische Bewohner Trischens, erklärte der Biologe. Auf die Ankunft der Seeschwalben wartet er noch.

Für den Biologen geht damit ein Traum in Erfüllung: „Schon als Kind habe ich mich für Vögel interessiert“, sagt er. Bereits damals wollte er gerne auf eine Insel ziehen und die Tiere beobachten. Während des Zivildienstes habe es damals nicht gepasst. Inzwischen sieht es anders aus. „Ich bin gerade mit dem Studium fertig. Ich nutze jetzt die Zeit“, sagt er.

Tore Mayland-Quellhorst ist auf Trischen jetzt ganz alleine mit der Natur. Seit 1909 gehört die Insel zu den geschützten Seevogelfreistätten. Nur wenige Menschen dürfen sie betreten. Der 27-Jährige aus dem Landkreis Nienburg in Niedersachsen gehört jetzt zu diesem Kreis und muss auch darauf achten, dass niemand auf die Insel kommt, der dort nicht hingehört, dass Schiffe weit genug entfernt bleiben und Flugzeuge nicht zu tief über das Eiland fliegen.

Auch die Kartierung der Vegetationslinien gehören dort zu seinen Aufgaben. Die Arbeitstage auf Trischen sind unregelmäßig. Sie richten sich nach Sonnenauf- und -untergang sowie nach den Tiden. Bis Oktober ist das sichelförmige Eiland sein Zuhause. Dort zu arbeiten, sei „eine ehrenvolle Aufgabe“, sagt er. Wie seine Vorgänger führt auch der frischgebackene Absolvent der Universität Greifswald einen Internet-Blog. Dabei berichtet der Biologe auch von seinen Vorbereitungen, von seinen Arbeitsutensilien: „Fernglas, Stativ, Computer“. Daneben hat er einige Bücher im Gepäck. „Fachliteratur natürlich, aber auch einige Romane“, sagt Tore Mayland-Quellhorst. „Zum Entspannen.“

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