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Nordrhein-Westfalen : Tödliches Autorennen in Mönchengladbach: Ermittler erheben Mordvorwurf

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Ein illegales Rennen forderte am Samstag ein Menschenleben. Zwei Fahrer flüchteten. Jetzt ist der Fall geklärt.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 09:52 Uhr

Mönchengladbach | Der Tod eines Fußgängers bei einem illegalen Autorennen im rheinischen Mönchengladbach war aus Sicht der Ermittler ein Mord. An dem Autorennen am Wochenende waren nach neuen Erkenntnissen der Polizei nicht nur zwei, sondern insgesamt drei Fahrer beteiligt.

In der Vergangenheit hat es in Deutschland immer wieder schwere Unfälle durch illegale Autorennen gegeben. Besonders großes Aufsehen erregte der Fall zweier Raser in Berlin, die ein Berliner Gericht Ende Februar wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte.

Drei mutmaßliche Raser seien festgenommen worden, teilte die Polizei am Montag mit. Unter den Festgenommenen ist auch der 28 Jahre alte Unfallfahrer, der unmittelbar nach dem Geschehen am frühen Samstagmorgen vernommen worden, dann aber zeitweilig wieder freigelassen worden war. Die beiden anderen Fahrer, ein 22 und ein 25 Jahre alter Mann, wurden am Sonntagabend festgenommen.

„Die Tat wird als Mord bewertet“, erklärte die Polizei. Es werde geprüft, ob die drei Männer einem Haftrichter vorgeführt werden. Das ist die Voraussetzung, die Verdächtigen in Untersuchungshaft zu nehmen.

Die Ermittlungen sind laut Polizei umfangreich. Unter anderem werden Videoaufnahmen ausgewertet. „Zeugen berichten, dass die Fahrer immer wieder versuchten, sich gegenseitig zu überholen“, hatte dazu ein Polizeisprecher gesagt. Auf einer vierspurigen Straße, auf der nur Tempo 40 gefahren werden darf, soll der 28-Jährige mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Fahrbahn des Gegenverkehrs gefahren sein.

Dort wollte ein 38 Jahre alter Mann die Straße überqueren. Der Fußgänger wurde beim Zusammenprall mit dem Auto so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb. Am Montag waren am Schauplatz noch die Markierungen der Spurensicherung zu sehen. Ein Holzkreuz, Blumen und Kerzen erinnern dort an den Tod des Mannes.

Das Geschehen entfachte erneut die politische Debatte um eine Strafverschärfung für illegale Straßenrennen. „Das sind keine Bagatellen, das muss härter geahndet werden“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) der „Rheinischen Post“ (Montag). „Angesichts der Entwicklung auf unseren Straßen halte ich es für vernünftig, dass wir rasch gesetzlich reagieren“, betonte er. Auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) und Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) äußerten sich ähnlich.

Tote und Verletzte bei illegalen Autorennen – eine Chronik:

Mai 2016 in Hagen

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen in Nordrhein-Westfalen werden fünf Menschen schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer hatten sich in der Nähe der Fernuni Hagen ein Rennen geliefert. Als eine 76 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr. Beide Raser stehen derzeit vor Gericht.

Mai 2016 in Berlin-Tegel

Nach einem Autounfall werden zwei Schwerverletzte aus einem brennenden Wagen gerettet. Ein Mercedes und ein BMW waren nebeneinander eine Straße entlanggerast. Möglicherweise lieferten sich die Fahrer ein illegales Rennen, bis der Mercedes gegen einen Baum krachte und in Brand geriet.

Februar 2016 in Berlin

In der Nähe der Berliner Gedächtniskirche fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Eines der Autos stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt.

Januar 2016 in Ludwigshafen

Bei einem illegalen Rennen verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

Dezember 2015 in Karlsruhe

Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen, bis es zum Unfall kommt. Beide Wagen rammen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer.

Juli 2015 in Köln

Ein BMW stößt bei hohem Tempo mit einem Mini zusammen. Der BMW-Fahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, überschlägt sich mehrmals, kollidiert mit Ampelanlagen und trifft schließlich einen 26-jährigen Radfahrer. Drei Tage lang kämpfte der Radler gegen den Tod. Doch er erlag seinen schweren Kopfverletzungen. Alles deutet auf ein vorangegangenes Rennen hin. Der Unfallverursacher, ein 27-jähriger Student, wird im Mai 2016 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Dreieinhalb Jahre wird dem Mann der Führerschein entzogen.

April 2015 in Köln

Zwei junge Männer rasen durch die Innenstadt. Bei Tempo 100 verliert einer der beiden die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto erfasst eine 19 Jahre alte Radfahrerin, die tödlich verletzt wird. Im Prozess waren die Verursacher des Unfalls Mitte April zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nach Auffassung des Landgerichts hatten die Angeklagten sich spontan über eine Strecke von mehreren Kilometern ein Kräftemessen geliefert. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, die beiden Autos seien mit hohem Tempo und quietschenden Reifen unterwegs gewesen.

März 2015 in Köln

Einer von zwei Rasern fährt mit seinem Wagen über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen.

April 2015 in Leverkusen

Während ein Radfahrer bei Grün die Straße überqueren will, fahren ein BMW und ein Opel viel zu schnell auf die Kreuzung zu. Der BMW erfasst den 20-Jährigen und verletzt ihn schwer.

Januar 2012 bei Freiburg

Nahe Freiburg sterben zwei Menschen nach einem illegalen Autorennen - eine unbeteiligte 27-Jährige und einer der Raser.

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