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Sauerstoffmangel im Meer : Todeszonen in der Ostsee nehmen dramatisch zu

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Untersuchungen zwischen Bornholm und Gotland zeigen: Das Wasser ist wärmer geworden. Im vergangenen Jahrhundert haben sich die Todeszonen mehr als verzehnfacht. Eine weitere Ursache für den Sauerstoffmangel ist auch der hohe Einsatz von Düngemitteln.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 10:17 Uhr

Aarhus | In der Ostsee hat sich die Fläche der sauerstoffarmen Todeszonen im vergangenen Jahrhundert mehr als verzehnfacht. Insgesamt wuchsen die Areale mit extremem Sauerstoffmangel zwischen 1898 und 2012 von 5000 auf 60.0000 Quadratkilometer an. Das berichtet ein dänisch-schwedisches Forscherteam um Jacob Carstensen von der Universität Aarhus.

Die Wissenschaftler untersuchten östlich der dänischen Insel Bornholm und um die schwedische Insel Gotland, wie sich Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffwerte in den vergangenen 115 Jahren entwickelt hatten. Dabei stellten sie fest, dass die Wassertemperatur in beiden Gebieten um zwei Grad Celsius stieg. Die Folge: Je höher die Temperatur des Wassers, desto weniger Sauerstoff kann sich darin lösen.

Vor Schleswig-Holsteins Küsten ist die Situation nicht ganz so dramatisch, denn in die westliche Ostsee strömt bei Westwindlagen frisches sauerstoffhaltiges Nordseewasser. Dennoch kommt es auch in den Förden zu Todeszonen, wenn die Wassertemperaturen stark ansteigen, und nach langen windstillen Perioden keine Durchmischung mit „Frischwasser“ stattfinden kann.

Ursache für die von den Wissenschaftlern erforschte kritische Lage ist die Erwärmung des Wassers. Noch gravierender aber wirken sich Nährstoffe etwa aus der Landwirtschaft aus, die über Flüsse in die Ostsee gespült werden. Sie lassen etwa Cyanobakterien sprießen, die sich stark vermehren und Sauerstoff verbrauchen. Die Forscher bezeichnen die Ostsee als die weltweit größte Sauerstoffmangelzone menschlichen Ursprungs. Überraschend gut sah es im Untersuchungsgebiet 1993 aus: Damals waren die Todeszonen auf das Maß von 1931 geschrumpft. Die Ostsee schien sich nach schwierigen Zeiten erholt zu haben. Doch die Studie zeigt, dass dies einem seltenen Ereignis geschuldet war: Zwischen 1982 und 1993 floss mehr Wasser aus der Ostsee in die Nordsee hinaus als auf umgekehrtem Weg hinein. Da die Nordsee mehr Salz enthält, sank in dieser Zeit der Salzgehalt der Ostsee. Die Schichten aus Wasser mit geringem und hohem Salzgehalt wurden durchlässiger.

Tiefen- und Oberflächenwasser tauschten sich stärker aus, mehr Sauerstoff gelangte in die Tiefe. Seit 1993 dehnten sich die sauerstoffarmen Zonen wieder aus und sind heute größer als je zuvor. Meeresbewohner haben dadurch einen kleineren Lebensraum.

Die Wissenschaftler sehen eine Möglichkeit, die Ostsee wieder gesünder zu machen: Die auf Felder ausgebrachten Düngemittel müssten verringert werden. 

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