zur Navigation springen

Angriff auf Country-Music-Konzert : Todesschütze in Las Vegas nutzte Kameras im Hotel

vom

Was den Todesschützen von Las Vegas zu seinem Massenmord bewog, liegt offenbar weiter im Dunkeln. Trump besucht Angehörige der Opfer in Las Vegas.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 07:26 Uhr

Las Vegas | Zwei Tage nach dem Blutbad bei einem Konzert in der US-Kasinometropole Las Vegas ist das Motiv des Todesschützen Stephen Paddock weiter unklar. Die Ermittler machten Fortschritte, hätten aber noch keine „vollständigen Antworten“, sagte Bezirkssheriff Joseph Lombardo am Dienstag vor Journalisten. US-Präsident Donald Trump wird Las Vegas am Mittwoch besuchen und dabei auch mit Angehörigen der Opfer zusammenkommen.

Der 64-jährige Paddock hatte am Sonntagabend (Ortszeit) von seinem Zimmer im 32. Stock eines Hotels auf Besucher eines Country-Music-Konzerts gefeuert. 58 Menschen starben, wie der zuständige Gerichtsmediziner am Dienstagabend (Ortszeit) sagte. Demnach schlossen bisherige Angaben über 59 Tote den Schützen ein. Dieser hatte sich selber getötet, als eine Spezialeinheit der Polizei sein Hotelzimmer stürmte. Die Zahl der Verletzten korrigierte Sheriff Lombardo am Dienstag mit gut 500 ebenfalls leicht nach unten.

Freundin des Täters in den USA angekommen

Wie er bestätigte, laufen Gespräche mit der Freundin des Täters, die häufig mit ihm auf Reisen war und dem Sheriff zufolge auf den Philippinen lokalisiert wurde. Sie ist in Begleitung von FBI-Beamten von den Philippinen in die USA geflogen und in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in Los Angeles angekommen, berichtete die „New York Times“ am späten Dienstagabend. Lombardo nannte die 62-jährige Marilou Danley eine „Person von Interesse“. So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht zwangsläufig als Tatverdächtige eingestuft werden.

 

Lombardo sagte, er erwarte in den nächsten Stunden „wesentliche Informationen“. Es blieb aber unklar, ob er sich dabei auf die Freundin bezog. Neue Rätsel gibt nach Medienberichten eine Geldüberweisung Paddocks in Höhe von 100.000 Dollar auf die Philippinen auf. Zunächst lagen aber keine Angaben darüber vor, ob sie kurz vor der Tat erfolgte und an wen das Geld konkret ging.

Die Tat war offenbar umfassend vorbereitet

Mittlerweile häufen sich die Hinweise darauf, dass Paddock seine Tat „umfassend“ vorbereitete, wie es Lombardo am Dienstag formulierte. So fand die Polizei nach weiteren offiziellen Angaben neben mehr als 20 Schusswaffen in der Hotelsuite im Mandalay Bay Hotel auch eine Kamera vor, die im Guckloch der Eingangstür installiert war. Zwei weitere waren im Flur angebracht. Nach Polizeiangaben sollten sie Paddock offenbar beim Eintreffen von Polizisten vorwarnen. Wie weiter bekannt gegeben wurde, fand die Polizei an 12 Waffen Vorrichtungen, die das Abfeuern von Schüssen beschleunigen können.

US-Fernsehsender zeigten am Dienstag offensichtliche Polizeiaufnahmen aus dem Hotelzimmer, die nach dem Blutbad gemacht wurden. Darauf sind unter anderem Waffen und zahlreiche Hülsen zu sehen. Ein Foto soll den leblosen Körper des Schützen auf dem Boden zeigen. Wie die Aufnahmen zu den Medien gelangten, wurde nicht bekannt. Lombardo nannte den Vorgang „besorgniserregend“. Die Polizei leitete eine interne Untersuchung ein.

<p>Das undatierte, von Eric Paddock veröffentlichte Foto zeigt seinen Bruder Stephen Paddock.</p>

Das undatierte, von Eric Paddock veröffentlichte Foto zeigt seinen Bruder Stephen Paddock.

Foto: dpa
 

Insgesamt stellte sie nach jüngsten Angaben vom Dienstagabend (Ortszeit) im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und in Reno 47 Schusswaffen sicher. Sie seien in Utah, Kalifornien, Texas und Nevada gekauft worden. Außerdem wurden Tausende Schuss Munition und Sprengstoff entdeckt – ein gewaltiges Arsenal.

Vor diesem Hintergrund ist die Debatte um die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen amerikanischen Waffengesetze wieder voll entbrannt. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer „vernünftige Reformen“. Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. „Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen.“

Trump erklärte am Dienstag: „Wir werden mit der Zeit über Waffengesetze sprechen.“ Der Republikaner hatte sich in der Vergangenheit - vor seiner Bewerbung ums Präsidentenamt - für „vernünftige begrenzte“ Waffenkontrollmaßnahmen ausgesprochen. Dann schwenkte er aber um, wohl auch mit Blick auf die mächtige Waffenlobby-Organisation NRA.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen