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Bürohundetag 2017 : Tierischer Kollege: So klappt's mit dem Bürohund

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Hunde polarisieren, erst recht am Arbeitsplatz. Dabei können sie eine gute Ergänzung zum Team sein.

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erstellt am 22.Jun.2017 | 15:34 Uhr

Der neue Kollege müffelt, wuselt, sabbert, lenkt ab und ist faul - das klingt nicht nach einer guten Ergänzung fürs Team, auch wenn er eigentlich ganz niedlich ist. Dabei gibt es die These, dass Hunde im Büro zur Verbesserung des Arbeitsklimas beitragen und psychischer Belastung am Arbeitsplatz entgegenwirken können. So propagiert es zumindest die Bürohunde-Lobby.

Tatsächlich gibt es den Bundesverband Bürohund (BVBH) - eine Interessengemeinschaft, die nach eigenen Angaben „dem dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben, mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegenwirken“ will. „Immer mehr Menschen kämpfen mit hohem Druck und chronischem Stress im Job, was schlimmstenfalls in einem Burnout und damit einer langen Krankschreibung endet“, sagt Markus Beyer, Gründer und erster Vorsitzender des BVBH. „Darunter leiden nicht nur die Betroffenen und ihr Umfeld, sondern auch für das Unternehmen sind solch stressbedingte Erkrankungen ein massives ökonomisches Problem.“ Ein Bürohund könne dabei helfen, den Erkrankungsverlauf zu unterbrechen, den Stresspegel der Mitarbeiter zu senken und schaffe eine entspanntere Arbeitsatmosphäre. Das sorge letztlich für eine höhere Produktivität, erklärt Beyer.

Ein Grund dafür, dass Hunde sich so positiv auf die Psyche auswirken können, sei das Hormon Oxytocin. „Das Hormon sorgt für unterschiedliche Prozesse im Körper“, sagte Beyer gegenüber der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“. Unter anderem stoße es die Produktion des Glückshormons Dopamin an. „Gleichzeitig sorgt es für mehr Empathie, also für mehr Verständnis für die Sichtweise des anderen.“ Hunde können demnach also sogar dafür sorgen, dass konstruktivere Lösungsansätze verfolgt werden.

Nicht nur das: Kommt der Hund mit zur Arbeit, ist auch das menschliche Arbeitstier dazu gezwungen, dann und wann eine kleine Bildschirmpause einzulegen - sei es, weil der tierische Kollege zur Stippvisite vorbeikommt oder einen Gang vor die Tür einfordert. Wieder ein Vorteil auch für das Unternehmen: Die Mitarbeiter bewegen sich mehr, auch an der frischen Luft - beugen also gesundheitlichen Beschwerden vor.

Der Besitzer selbst kann ganz praktische Vorteile daraus ziehen: „Wer seinen Hund mit zur Arbeit nimmt, muss ihn weder allein lassen noch eine Betreuung organisieren.“ Das kommt auch dem Hund zugute - insbesondere dann, wenn er nicht ganz auf der Höhe ist.

 

Doch nicht in jedem Unternehmen sind Bürohunde gern gesehen. Letztendlich hat der Arbeitgeber das Sagen: Er hat das Haus- und Weisungsrecht und kann tierische Bürogäste verbieten. Halten Arbeitnehmer sich nicht an die Ansage, riskieren sie eine Abmahnung und schlussendlich gar ihren Job.

Firmen wie Google oder Xing hingegen erlauben Hunde aber nicht nur, sie erheben sie gar zur Unternehmensphilosophie.

Dabei ist es nicht ganz so einfach, das Thema Bürohund polarisiert. Ebenfalls Xing war es, das in einer Umfrage herausfand: Viele Deutsche wollen das gar nicht - einen vierbeinigen Kollegen. Einer Umfrage des Karriereportals Monster.de aus dem Jahr 2015 zufolge sehen zwar 35 Prozent der Befragten Hunde im Büro als „sehr positiv“ an, beinahe ebenso viele (34 Prozent) hingegen bewerteten eine solche Aussicht als „sehr negativ“.

Hunde polarisieren - auch am Arbeitsplatz.

Hunde polarisieren - auch am Arbeitsplatz.

Foto: Monster.de

Wir haben uns umgehört - gehören Hunde ins Büro?

Hat der Chef jedoch zugestimmt, können Kollegen, denen das nicht passt, es nicht mit einem Einspruch verhindern, wie der Deutsche Anwaltverein (DAV) erläutert. Doch was, wenn dann etwas passiert und der Hund etwa zubeißt? Dann haftet in erster Linie der Besitzer des Tieres. Unter Umständen kann allerdings der Chef belangt werden - er hat mit der Erlaubnis die Gefahrensituation schließlich geschaffen.

Die rechtliche Lage erklärt der DAV im Video:

Wenn es nicht um gesundheitliche Einwände wie beispielweise eine Hundehaarallergie geht, könnte aber vielleicht ein Knigge für ein gemeinsames Auskommen sorgen: Ein Hund, der nicht ständig kläfft, fiept oder stinkt (an Regentagen natürlich schwieriger zu gewährleisten), wenig oder zumindest nicht hektisch herumwuselt und nicht pausenlos Haare büschelweise in allen Büros verstreut, hat wohl am ehesten Potenzial zum angenehmen Kollegen. Klar sollte jedenfalls sein, dass er stubenrein ist und sein Quietsche-Kau-Spielzeug sicherheitshalber zu Hause lässt, auch Bälle wirft man besser draußen und nicht auf dem Flur.

Selbst wenn das Unternehmen keine Einwände gegen Tiere im Büro hat, kann schlechte Stimmung vermieden werden, wenn der Hundebesitzer vorab mit seinen Kollegen sein Vorhaben bespricht und im Zweifel gemeinsam mit ihnen auf die Suche nach einem Kompromiss geht. Wichtig sei in so einem Fall, dass dem Hund räumliche Grenzen gesetzt werden, sagt Beyer: „Jeder Mitarbeiter muss die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob er Hundekontakt wünscht.“ Denn nicht jeder fühlt sich wohl in der Umgebung des vierbeinigen Kollegen. In einem großen Unternehmen sei eine Leinenpflicht auf dem Flur empfehlenswert. In jedem Büro sollte es bei Bedarf einen Raum geben, in dem Hunde keinen Zutritt haben und in den sich Mitarbeiter zurückziehen können.

Und auch der Hund hat Bedürfnisse, die sein Besitzer nicht ignorieren sollte: Ist die Geräuschkulisse im Büro oder der Publikumsverkehr dem Hund zuzumuten? Wie sieht es mit der Raumtemperatur aus? Liegen Gerüche in der Luft , die den Hund stressen oder ihm gar schaden? Gibt es einen Ort, an den sich der Vierbeiner zurückziehen kann? Denn: Ein Hund der sich wohl fühlt, kann wohl am besten den Erwartungen im Betrieb gerecht werden.

Und manchmal weiß der Hund sogar ganz von allein, wie er sich wo zu benehmen hat:

 

In diesem Sinne: Ab an die Arbeit.

(mit dpa)

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