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Großbritannien : Terror in London: Zwei Deutsche unter den Verletzten

vom

Nach dem Anschlag in der britischen Hauptstadt findet Premierministerin May zu einem neuen, härteren Tonfall: „Jetzt reicht's“

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2017 | 09:20 Uhr

London | Ein Lieferwagen rast auf der London Bridge in eine Gruppe von Passanten. Dann fährt er weiter zum nahe gelegenen Borough Market. Drei mutmaßliche Täter steigen aus und attackieren Menschen mit Messern. „Dies ist für Allah“, rufen die Terroristen nach Augenzeugenberichten, als sie auf ihre Opfer losgehen. Sie tragen Westen, die aussehen, als würden sie Sprengstoff enthalten. Diese stellen sich später als Attrappen heraus. So soll sich der Terroranschlag in London am Samstagabend nach ersten Erkenntnissen der Polizei ereignet haben. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden die Angreifer am Borough Market von Sicherheitskräften erschossen - acht Minuten nach Eingang des Notrufs. Die Polizei stuft die Vorfälle als Terrorattacken ein. Mindestens sieben Menschen kommen ums Leben, mindestens 48 Menschen werden verletzt, darunter zwei Deutsche.

Kurz vor der Parlamentswahl am Donnerstag und nur zwei Wochen nach dem Anschlag in Manchester ist die Lage in Großbritannien angespannt. Die Behörden wollen in den kommenden Tagen mehr Polizeibeamte für die Hauptstadt bereithalten. Premierministerin Theresa May fordert mehr Überwachung für Internet und Messengerdienste.

Bislang hat sich allerdings niemand zu dem Anschlag bekannt. Jedoch verwies Rita Katz, Direktorin der auf dschihadistische Propaganda spezialisierten Site Intelligence Group, darauf, dass Anhänger der IS-Terrorgruppe den Anschlag in ihren Foren und Chat-Kanälen feierten und den IS hinter der Tat vermuteten.

Die britische Premierministerin Theresa May kündigte dem radikalen Islamismus den Kampf angesagt. Sie wolle diese extreme Strömung in der britischen Gesellschaft „ausrotten“, kündigte die Regierungschefin am Sonntag - wenige Tage vor der Parlamentswahl - an. „Jetzt reicht's.“ Sie forderte mehr Überwachung für Internet und Messengerdienste. Der „Cyberspace“ biete Extremisten einen Rückzugsort für ihre Machenschaften, sagte sie. Dies dürfe man nicht dulden.

„Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern“, sagte May. Ihre Pläne richten sich nicht nur gegen Terroristen, sondern auch gegen den radikalen Islam. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ Mit dem Begriff „öffentlicher Dienst“ spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe „viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land“, betonte sie.

Der Borough Markt ist eine beliebte Touristenattraktion. Kurz nach dem Attentat ist schon gut ein Kilometer südlich der Brücke kein Durchkommen mehr. „Bitte gehen Sie zurück! Wir müssen hier absperren“, sagt ein Polizist ungeduldig. Polizeisirenen ertönen, Rettungswagen fahren vorbei, Blaulicht blitzt überall. Am Straßenrand stehen ratlose Menschen, die nicht wissen, wo sie hingehen sollen oder wie sie nach Hause kommen - viele noch in schicker Abendkleidung. Niemand hier hat etwas beobachtet. Viele Menschen am Straßenrand haben eben erst von den Ereignissen erfahren.

Die Polizei sperrte große Areale in der Stadt weiträumig ab. Sie bat die Menschen, nicht leichtfertig Videos und Bilder von den Tatorten in Umlauf zu bringen. Auf Twitter gibt die Polizei Verhaltenstipps für den Fall, dass man in eine terroristische Lage gerät: Rennen, bis man an einem sicheren Ort ist. Falls das nicht geht: Verstecken und das Telefon stumm schalten und - sobald man in Sicherheit ist, die Polizei rufen.

 

Die Polizei ging am Morgen davon aus, dass es über die drei erschossenen Verdächtigen hinaus keine weiteren Täter gebe. Man müsse aber noch weiter ermitteln, um dies mit hundertprozentiger Sicherheit sagen zu können, erklärte Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einer „gezielten und feigen Attacke“ auf unschuldige Londoner und Besucher. Erst im März fuhr in London ein Attentäter auf der Westminster-Brücke beim Parlament in eine Menschenmenge. Fünf Menschen starben damals, der Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Noch frischer ist die Erinnerung an den Terroranschlag von Manchester vor knapp zwei Wochen, als ein Selbstmordattentäter nach einem Konzert des Teenie-Stars Ariana Grande seine Bombe in einer Menschenmenge zündete und 22 Menschen mit in den Tod riss. Bei dem Terroranschlag waren mehr als 100 Personen verletzt worden.

 

Bestürzung über erneuten Anschlag

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich bestürzt. „Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit“, sagte die Kanzlerin in einer Erklärung. Die Kanzlerin bekräftigte, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus „fest und entschlossen“ an der Seite Großbritanniens stehe.

 

US-Präsident Donald Trump verurteilte die Terrorattacke scharf und drückte der britischen Premierministerin May telefonisch sein Beileid ausgedrückt. „Er (der Präsident) lobte die heroische Reaktion von Polizei und anderen Ersthelfern und bot die volle Unterstützung der US-Regierung bei der Untersuchung an sowie bei den Bemühungen, die Verantwortlichen für diese abscheulichen Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen“, teilte das Weiße Haus in der Nacht zum Sonntag mit.

 

Der französische Staatspräsidenten Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, Frankreich stehe nach der „neuen Tragödie“ an der Seite Großbritanniens. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“

Der russische Präsident Wladimir Putin ruft zum vereinten Kampf gegen den Terrorismus auf. „Dieses Verbrechen ist schockierend in seiner Grausamkeit und seinem Zynismus“, schrieb Putin am Sonntag in einem Telegramm an die britische Premierministerin Theresa May. Die Antwort darauf müssten gemeinsame Anstrengungen gegen die Terrorgefahr sein, sagte er einer Mitteilung des Kremls zufolge. Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

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