Nach Anschlägen im Februar : Terror in Kopenhagen: Bericht deckt Polizei-Schwächen auf

Der Attentäter soll die Polizei getäuscht haben, das Wachpersonal zu spät gekommen sein. Es gab bereits einen Rücktritt

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07. Mai 2015, 15:04 Uhr

Kopenhagen | Nach den Terroranschlägen in Kopenhagen im Februar ist in Dänemark Kritik an Sicherheitsdienst und Polizei laut geworden. Laut einem 140 Seiten starken Bericht, den die Polizei der dänischen Regierung am Mittwochabend vorlegte, verstrichen nach dem ersten Angriff auf ein Kulturcafé fast vier Stunden, bis sechs Beamte zum Schutz der örtlichen Synagoge abgestellt wurden.

Ein Attentäter erschoss am 14. Februar bei einem Angriff auf ein Kulturcafé in Kopenhagen, in dem eine Diskussion zur Meinungsfreiheit stattfand, einen Regisseur. In der Nacht darauf verübte der 22-Jährige den zweiten Anschlag auf eine Synagoge und tötete einen jüdischen Wachmann. Später wurde der Attentäter von der Polizei erschossen.

Vor dem zweiten Anschlag hatte der Attentäter die anwesenden Polizisten an der Nase herumgeführt, indem er sich betrunken stellte. Als er sich an einem Laternenpfahl festhielt, machten die Wachehaltenden Kommentare darüber, dass „er sich wohl übergeben wird“. Nur Sekunden vor dem Angriff hatte einer der Beamten die Hände in den Hosentaschen.

Darüber, wieviel Zeit zwischen dem ersten Angriff und dem Beginn der Bewachung der Synagoge verstrichen sei, habe der Sicherheitsdienst PET die Regierung zudem falsch informiert, kritisierte Dänemarks Justizministerin Mette Frederiksen.

Wenige Stunden vorher hatte PET-Chef Jens Madsen seinen Rücktritt angekündigt. Ob dieser im Zusammenhang mit dem Report stehe, sagte Frederiksen nicht, erklärte aber: „Es ist ganz klar, dass es in dieser Sache Grund zur Kritik gibt.“

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