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RTL-Enthüllungssendung : „Team Wallraff“: Erschreckende Bilder aus Behindertenwohnheim

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Eine Reporterin hatte undercover in mehreren Heimen angeheuert. Gegen die Mitarbeiter erhebt sie schwere Vorwürfe.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 11:21 Uhr

Köln | Es ist nur eine der verstörenden Szenen, die „Team Wallraff – Reporter undercover“ am Montagabend zeigte: Eine junge, schwer geistig behinderte Frau mit körperlichen Einschränkungen läuft durch den Flur ihres Wohnheims. Sie kann zwar eigenständig gehen, ist aber nicht vollkommen sicher auf den eigenen Beinen. Zudem kann sie Hindernisse nicht richtig einschätzen. Die junge Frau will sich an einer Gruppe von Betreuern vorbeischieben, übersieht aber das ausgestreckte Bein eines Mitarbeiters, der keine Anstalten macht, seinen Fuß einzuziehen. Und es passiert: Die junge Frau stolpert und kommt zu Fall. Doch es gibt keine Entschuldigung, kein Zu-Hilfe-Eilen. Stattdessen: Häme. „Sie hat zwei Füße. Ist zwar nicht zu glauben, aber ist so“, sagt einer der Kollegen. „Bis sie mal hinguckt, wo sie läuft“, ein anderer.

„Sie freuen sich, wenn jemand hilflos auf dem Boden liegt“

„Team Wallraff“ drehte mit versteckter Kamera in den Wohnheimen. Pflegeexperten Claus Fussek beurteilte das aufgezeichnete Material. Für ihn ist eindeutig eine Grenze überschritten. Er zeigt sich fassungslos. „Das ist mutwillig und das ist Vorsatz. Besonders beschämend ist, dass die umliegenden Mitarbeiter das für normal halten. Sie freuen sich, wenn jemand hilflos auf dem Boden liegt.“

Mehr als ein Jahr lang habe sich die „Team-Wallraff“-Reporterin Caro Lobig immer wieder als Praktikantin in zahlreichen Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen unter die Mitarbeiter gemischt, um die Zustände in den Einrichtungen zu überprüfen, heißt es in der Sendung. Missstände in drei Heimen und Werkstätten werden in der Ausstrahlung schließlich zum Thema gemacht.

Strafe für eingenässte Hose

Gezeigt werden Betreuer, die gemütlich ihre Raucherpause beenden, bevor sie einen um Hilfe bittenden Rentner auf die Toilette begleiten. Gezeigt wird eine Mitarbeiterin, die einen Mann mit schwerer Spastik in einem dunklen Zimmer sitzen lässt, als Strafe dafür, dass er in die Hose gemacht hatte. Und gezeigt wird eine Kollegin, die einen Bewohner beim Mittagessen beschimpft: „Hör doch mal auf zu schmatzen jetzt. Ist doch nicht mehr normal, solche Geräusche. Ist ja widerlich.“

„Widerlich, wie die Betreuerin mit dem Bewohner spricht“, lautet das Urteil von Simone Holderrieg, die die heimlich aufgezeichnete Szene im Nachhinein zu sehen bekommt. RTL zog die Psychologin zurate, um das Verhalten des Personals einschätzen zu lassen. Sie arbeitet als Supervisorin für Menschen in Pflegeberufen. Ihr Urteil: Auch hier sei eine Grenze überschritten.

Entsetzt und sprachlos macht die vom „Team Wallraff“ hinzugezogenen Experten auch eine weitere Beobachtung der Reporterin Lobig. Beim Mittagessen löffelt eine Bewohnerin einen weißen Joghurt und bekleckert sich um den Mund herum. Die Betreuer, die gemeinsam mit den Bewohnern essen, beginnen anzügliche Bemerkungen zu machen. Sie vergleichen den Nachtisch offensichtlich mit Sperma. „Mhm lasziv“, sagt einer. „Die Konsistenz ist sehr ähnlich. Es ist kein ganz durchgängiges Weiß. Klebt nicht ganz so sehr, aber...“ Pflegeberater Fussek ringt um Worte, als er die Bilder sieht. „Da fällt dir nichts mehr zu ein. Wie krank“, sagt er.

Juristische Konsequenzen

Zumindest für eines der Heime bahnen sich juristische Konsequenzen an. Der Betreiber, die Lebenshilfe Speyer, nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe die zuständige Prüfbehörde eingeschaltet, heißt es in der „Team-Wallraff“-Sendung. Die Behörde wiederum leitete den Fall an die Staatsanwaltschaft Frankenthal weiter. Hier laufen nun Ermittlungen wegen des Verdachts auf Misshandlung Schutzbefohlener.

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