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Krimi aus Köln : „Tatort“: Vom Tod der Träume

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Mord an einem Klavierspieler gibt Max Ballauf und Freddy Schenk Rätsel auf. Warum hat keiner dem Verletzten geholfen? In diesem „Tatort“ steckt mehr als nur ein Kriminalfall.

Was soll man tun, wenn es an der Haustür klingelt und sich ein blutverschmiertes Gesicht in der Kamera zeigt, ein Mann, der um Hilfe bittet? Polizei, Krankenwagen, Nachbarn alarmieren?

Die Bewohner eines Kölner Apartmenthauses jedenfalls tun gar nichts. Und so muss Daniel Gerber (Matthias Reichwald), der in der Nähe vor einer Bar von ein paar schnöseligen Jungbankern zusammengeschlagen wurde, an seinen inneren Verletzungen sterben. Am nächsten Morgen findet sich seine Leiche. Jedoch weit entfernt, am Rhein. Das ist das erste von vielen Rätseln, die Max Ballauf und Freddy Schenk heute zu lösen haben (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär). Und irgendwie ist es noch das kleinste.

Denn unbegreiflich ist, warum keiner dem jungen Mann geholfen hat. Nur, weil er ein erfolgloser Klavierkünstler war, der auf der Straße lebte? Also ein Penner, der in der noblen Gegend nichts verloren hatte?

Jeder der Bewohner hat eine andere Ausrede, so dass Ballauf und Schenk zunächst nicht weiterkommen. Bis Freddy sich – mehr, als seine Frau es zulassen würde – der aparten Kunstprofessorin Claudia Denk nähert (Ursina Lardi) und hinter das Geheimnis ihres luxuriösen Lebenswandels kommt. Aber ist das der Schlüssel für Gerbers Tod?

Die Geschichte von Jürgen Werner (Buch) ist sicher nicht spektakulär, aber für Regie-Wundertäter Andreas Kleinert allemal eine Steilvorlage, die seelischen Abgründe seiner Figuren auszuloten. Ihre Träume und Verletzungen, ihre Ideale und ihr Scheitern.

Auch wenn es dafür eines so konstruierten Todesfalls vielleicht nicht bedurft hätte, auch wenn die anmutige Ursina Lardi für ihre zwiespältige Rolle viel zu viel lächeln muss – Kleinert zeigt erneut, dass er ein Meister der Überhöhung und des Psychodramas ist. Und zwar so, dass trotzdem alles normal aussieht. Wie von nebenan, eben.

So kommt uns das kalte Grausen wohl erst nach dem Film – wenn uns bewusst wird, wie blind und leer unsere (eigenen?) Nachbarschaften mittlerweile sind. Was soll man tun?

 

„Tatort – Freddy tanzt“, 20.15 Uhr, ARD.

 

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erstellt am 01.Feb.2015 | 11:14 Uhr

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