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„Ihr werdet gerichtet“ aus Luzern : „Tatort“ nach der Sommerpause: Michael Kohlhaas anno 2015

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Mann tötet alle, die mit ihren Untaten vor Gericht bislang davongekommen sind: „Ihr werdet gerichtet“, heute um 20.15 Uhr in der ARD.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2015 | 14:17 Uhr

Nein, diesmal lässt er sich kein Handy im Elektro-Markt klauen. Und ums Veräppeln, wie zuletzt bei Lena Gehrkes „Prankenstein“, geht es ihm heute auch nicht. Im Gegenteil, Antoine Monot jr., dieser bärtig-knuddlige Sympathikus, er macht heute Abend blutigen Ernst.

Denn der untadelige Werkstatt-Chef Simon Amstad aus Luzern (Monot jr.) mutiert unverhofft zum Sniper und geht auf Menschenjagd. In seinem Fadenkreuz: Vergewaltiger, Kinderschänder, Unfallflüchtige. Vor allem jene, die mit ihren Untaten vor Gericht bislang davongekommen sind.

Zuerst müssen zwei Albaner dran glauben, die einen Mann zum Krüppel geprügelt haben. Dann ein Treuhänder, der mit seinem Auto leichtsinnig eine Mutter und ihr Kind getötet hat. Doch das ist erst der Anfang. Amstads Abschussliste ist lang. Da die Justiz und das neue Schweizer Strafgesetzbuch offenbar nicht mehr für Gerechtigkeit sorgen, nimmt er die Sache jetzt selbst in die Hand. Wie ein moderner Michael Kohlhaas.

Die Kommissare Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser, Delia Mayer) kapieren schnell, dass hier ein Serienkiller unterwegs ist. Aber es gibt weder Spuren noch Zeugen. So bleibt nur, seine Motive herauszufinden, um ihn zu stoppen. Ist er etwa selbst ein Betroffener? Ist er auf Rachefeldzug, weil er auch von der Justiz geprellt wurde?

So viel steht fest: Urs Bühler (Buch) und Florian Froschmayer (Regie) sorgen für einen fulminanten „Tatort“-Start nach der Sommerpause. Das Schlimme daran: Irgendwie haben wir Sympathie für den Killer, zumindest Verständnis. Aber nicht allein wegen Emo-Bär Monot jr., sondern weil es durchaus anrührt, wie und warum so ein Koloss zerbricht, und er seine Nächsten gleich mit in den Abgrund reißt (einfühlsam: Sarah Hostettler, Mišel Matievi).

Unverständnis, Wut, Enttäuschung, Hass. Froschmayer zelebriert, wie aus einem stinknormalen Bürger ein kaltherziger Mörder werden kann. Und er spielt brutal die Moral gegen geltendes Recht aus. Ein denkwürdiger „Tatort“. Nicht verpassen!

„Tatort – Ihr werdet gerichtet“, 20.15 Uhr, ARD

 

Wer ermittelt wann und wo? Die Tatort-Termine 2015 in der Übersicht.

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