20.15 in der ARD : „Tatort“ am Sonntag: Mensch, Maschine – Mord in München

Zum 79. Mal auf Mördersuche: Das Münchner Tatort-Gespann Udo Wachtveitl (als Kommissar Leitmayr, l) und Miroslav Nemec (als Kommissar Batic).

Zum 79. Mal auf Mördersuche: Das Münchner Tatort-Gespann Udo Wachtveitl (als Kommissar Leitmayr, l) und Miroslav Nemec (als Kommissar Batic).

Immer wieder sucht der Tatort seinen Ankerplatz in den Gefilden der künstlichen Intelligenz. Heute der nächste Versuch.

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21. Oktober 2018, 12:52 Uhr

München | Seit der Supercomputer „HAL 9000“ die Astronauten der „Discovery“ das Fürchten lehrte („2001: Odyssee im Weltraum“, 1968), ist Künstliche Intelligenz (KI) ein hübsches Filmsujet. Lassen sich damit doch knifflige Fragen der menschlichen Ethik verhandeln. Zum Beispiel: Was ist gut, was ist böse? Und was die Großen wie Kubrick oder Spielberg („AI“) durchspielen, legt neuerdings auch der „Tatort“ gerne mal auf. Auch wenn die letzten Versuche in Bremen und Stuttgart eher unbeholfen wirkten („Echolot“, „HAL“, 2016). Nun dürfen auch unsere Münchner Silberlocken mal ran (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl). Aber, so viel sei verraten, auch dieser Anlauf sieht alles andere als glücklich aus.

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Die junge Melanie Degner verschwindet spurlos aus ihrem Zimmer. Einziger Anhaltspunkt: Sie unterhielt sich zuletzt mit ihrem Laptop. Genauer: Mit dem hochkomplexen KI-Programm „MARIA“, das sowohl logisch denkt und auf Fragen reagiert als auch Gesichter erkennen und Emotionen analysieren kann. Aber wie kam dieses millionschwere Programm auf Melanies lumpigen Laptop? Und was hatte „MARIA“ mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Das herauszufinden, inszenieren Stefan Holtz, Florian Iwersen (Buch) und Sebastian Marka (Regie) eine Lehrstunde in KI. Blöd nur, dass unsere Protagonisten (u.a. Dirk Borchardt, Lisa Martinek, Janina Fautz) dafür ständig auf irgendwelche Bildschirme starren und mit einem gepixelten Ring „sprechen“ müssen. Keine Spur von Dynamik und Pep.

Meterlange Rechnerreihen, tausende Lämpchen und „MARIAs“ sonore Computerstimme stellen nur eins klar: Dieser Krimi funktioniert höchstens in unserem Kopf, nicht auf der Mattscheibe. Denn da gibt es nix zu sehen. Und wer das mit der KI nicht kapiert, sieht wirklich alt aus. Wie unsere Kripo-Spezis, obwohl sich Nemec und Wachtveitl erneut bravourös schlagen. Warum also springt das nächste „Tatort“-Team nicht gleich in den Rechner, um mithalten zu können? Ballauf und Schenk als Avatare – wäre das nicht faszinierend?

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